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Ta­xi­fah­ren we­gen des Min­dest­lohns im Schnitt ein Fünf­tel teu­rer

Wer in ein Ta­xi springt, muss jetzt in vie­len deut­schen Städ­ten deut­lich mehr hin­blät­tern. Grund: Die Fah­rer be­kom­men seit Ja­nu­ar bun­des­weit den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn. Doch ma­chen die Kun­den bei den sat­ten Preis­auf­schlä­gen mit?
Wie hoch ist die Preis­stei­ge­rung?

10.01.2015. (dpa) - Ta­xi­fah­ren ist für Kun­den in vie­len Städ­ten Deutsch­lands deut­lich teu­rer ge­wor­den.

Ei­ne Fahrt kos­te we­gen des ge­setz­li­chen Min­dest­lohns jetzt im Schnitt ein Fünf­tel mehr, sag­te der Ge­schäfts­füh­rer des Ta­xi- und Miet­wa­gen­ver­bands BZP, Tho­mas Grätz, am Frei­tag in Frank­furt.

Zu­vor hat­te das Nach­rich­ten­ma­ga­zin "Fo­cus" vor­ab dar­über be­rich­tet.

In zwei Drit­teln der Städ­te und Ge­mein­den sei­en die neu­en Ta­ri­fe schon ge­neh­migt oder stün­den kurz da­vor.

Am höchs­ten ist die Preis­stei­ge­rung dem Ver­band zu­fol­ge bis­lang in Er­furt, wo ei­ne Ta­xi­fahrt jetzt 40 Pro­zent mehr kos­tet. Han­no­ver, Stutt­gart, Dres­den und Es­sen er­hö­hen um 20 Pro­zent, Ham­burg da­ge­gen nur um acht Pro­zent. Ber­lin und meh­re­re an­de­re Städ­te ha­ben noch kei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen.

Von der Re­ak­ti­on der Kun­den auf die hö­he­ren Prei­se hän­ge ent­schei­dend ab, ob die Ta­xi­un­ter­neh­men sich den seit 1. Ja­nu­ar gel­ten­den Min­dest­lohn von 8,50 Eu­ro pro St­un­de für ih­re Fah­rer leis­ten könn­ten, sag­te Grätz der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Bis­lang äu­ßer­ten Fahr­gäs­te im All­ge­mei­nen Ver­ständ­nis für die Ta­rif­er­hö­hung. Ob sie aber tat­säch­lich so oft ein Ta­xi nutz­ten wie bis­her, müs­se sich erst zei­gen. "Ich ha­be noch kei­ne greif­ba­ren Rück­mel­dun­gen, wie sich die Kun­den jetzt ver­hal­ten."

Bis­her ha­be der St­un­den­lohn ei­nes Fah­rers zwi­schen 5,50 Eu­ro und 6,50 Eu­ro ge­schwankt, je nach Re­gi­on und Zeit, sag­te der Vor­sit­zen­de des hes­si­schen Ta­xi­ver­ban­des LVH, Tho­mas Schmidt. Häu­fig wur­den die Fah­rer am Um­satz be­tei­ligt. Die Re­geln, nach de­nen die Löh­ne auch für die un­pro­duk­ti­ven Stand­zei­ten ge­zahlt wur­den, wa­ren je nach Un­ter­neh­mer un­ter­schied­lich, heißt es et­wa bei Ta­xi Ko­blenz. Jetzt müs­sen Ta­xi­fir­men ih­ren Fah­rern aber auch die Stand­zei­ten mit 8,50 Eu­ro pro St­un­de be­zah­len.

Bei hö­he­ren Ta­ri­fen sei das zu schaf­fen, sag­te Grätz vom BZP. "Und die Sprit­prei­se sind der­zeit un­ten. Das ver­schafft uns bei den Be­triebs­kos­ten auch noch mal zwei bis drei Pro­zent Luft." Den­noch müss­ten die In­ha­ber nun sehr viel mehr als frü­her un­ter­neh­me­risch pla­nen, sag­te der BZP-Ge­schäfts­füh­rer. "Sie müs­sen bes­ser über­le­gen, wo und wann das Ge­schäft gut ist. Frü­her hat der Fah­rer das Ri­si­ko ge­tra­gen. Jetzt liegt es beim Un­ter­neh­mer."

Über ei­ne Er­hö­hung der Ta­ri­fe ent­schei­den die kom­mu­na­len Be­hör­den in den 802 Ta­rif­be­zir­ken. In ei­ni­gen Städ­ten wur­de der hö­he­ren Ta­rif be­reits ge­gen En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res fest­ge­setzt. Dies hät­te sich auf die Ein­nah­men aus­ge­wirkt, sagt Fre­de­rik Wil­helms­mey­er, stell­ver­tre­ten­der Ge­schäfts­füh­rer des BZP. Er schätzt, dass die neu­en Prei­se den Um­satz der Bran­che 2014 um drei bis vier Pro­zent stei­gen lie­ßen. 2013 hat­ten sich Ta­xis und Miet­wa­gen ei­nen Um­satz von 4,22 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­teilt.

Trotz­dem könn­ten künf­tig we­ni­ger von den fast 54 000 in Deutsch­land zu­ge­las­se­nen Ta­xen un­ter­wegs sein. Um­satz­schwa­che Zei­ten wie et­wa tags­über und am Wo­chen­en­de lohn­ten sich nun kaum noch, sag­te Schmidt vom LVH: "Wenn Sie nachts um drei ein Ta­xi ha­ben wol­len, dann kann es sein, dass sie keins be­kom­men - auch in Frank­furt."

Noch aber müss­ten die Un­ter­neh­mer in der Fi­nanz­me­tro­po­le auf die Ta­rif­er­hö­hung war­ten, sag­te der Vor­sit­zen­de der Ta­xi-Ver­ei­ni­gung Frank­furt, Hans-Pe­ter Kratz. Ei­ni­ge Fir­men hät­ten schon Fah­rer ent­las­sen - vor al­lem et­wa Stu­den­ten oder Rent­ner, die sich in um­satz­schwa­chen Zei­ten et­was da­zu­ver­die­nen woll­ten.

In Kiel setz­te das Ord­nungs­amt zwar be­reits im De­zem­ber ei­nen hö­he­ren Ta­rif fest. Doch die Her­stel­ler der Ta­xa­me­ter kä­men mit dem Um­stel­len der Ge­rä­te nicht hin­ter­her, sag­te der Ge­schäfts­füh­rer des Lan­des­ver­ban­des der Ta­xi-Un­ter­neh­mer, Tho­mas Krotz. "In der Fol­ge fah­ren die Kie­ler Ta­xen im­mer noch zum al­ten Preis, die Un­ter­neh­mer müs­sen aber schon den Min­dest­lohn be­zah­len."

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Letzte Überarbeitung: 13. Juni 2016

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