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Mo­gel­pa­ckung oder ge­ne­ra­tio­nen­ge­recht? - Streit um Ren­te im Bun­des­tag

Lan­ge schon sind Ren­ten­ver­bes­se­run­gen im Ge­spräch, nun ist Nah­les' Ge­setz­ent­wurf im Par­la­ment: Aber ist das schwarz-ro­te Ren­ten­pa­ket ge­recht? Die Ant­wor­ten fal­len un­ter­schied­lich aus
Sparschwein mit Aufschrift Altersvorsorge Was sind die Schat­ten­sei­ten des Ren­ten­pa­kets?

04.04.2014. (dpa) - Am schwarz-ro­ten Ren­ten­pa­ket schei­den sich wei­ter die Geis­ter.

Wäh­rend Uni­on und SPD die mil­li­ar­den­schwe­ren Ver­bes­se­run­gen für lang­jäh­rig Ver­si­cher­te, äl­te­re Müt­ter und Er­werbs­ge­min­der­te als Bei­trag zu mehr Ge­rech­tig­keit lo­ben, wi­der­spre­chen Lin­ke und Grü­ne die­ser Sicht­wei­se hef­tig.

Das wur­de am Don­ners­tag bei der ers­ten Le­sung des Ge­setz­ent­wurfs von Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) im Bun­des­tag deut­lich.

Das Ren­ten­pa­ket soll noch vor der Som­mer­pau­se ver­ab­schie­det wer­den und zum 1. Ju­li in Kraft tre­ten.

Nah­les ver­tei­dig­te das Pa­ket ge­gen al­le Kri­tik: "Es ist nicht ge­schenkt, es ist ver­dient." Mit den Ver­bes­se­run­gen er­ken­ne die Re­gie­rung "die Le­bens­leis­tung von Men­schen in un­se­rem Land an", et­wa mit der neu­en Müt­ter­ren­te. Zur Ren­te mit 63 sag­te die Mi­nis­te­rin: "Wer 45 Jah­re ge­ar­bei­tet hat, hat 45 Jah­re lang Bei­trä­ge be­zahlt - und da­mit sei­ne Pflicht im Ge­ne­ra­tio­nen­ver­trag er­füllt." Nah­les be­kräf­tig­te, an­ge­sichts des Fach­kräf­te­man­gels ha­be sie "kei­ner­lei In­ter­es­se" an ei­ner Früh­ver­ren­tungs­wel­le durch die Ren­te ab 63.

Lin­ke und Grü­ne for­der­ten, die Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen aus Steu­er­mit­teln zu fi­nan­zie­ren und nicht aus Bei­trä­gen. Die Links­frak­ti­on fin­det es zwar gut, dass "end­lich mal wie­der über bes­se­re Ren­ten­leis­tun­gen" dis­ku­tiert wer­de. Es han­de­le sich aber nur um ei­nen "Trop­fen auf den hei­ßen St­ein" und bei der Ren­te ab 63 um ei­ne "Mo­gel­pa­ckung", sag­te der Ren­ten­ex­per­te der Links­frak­ti­on, Mat­thi­as Birk­wald. "Man­ches wird bes­ser, aber nichts wird gut."

Je­des Kind müs­se dem Staat gleich viel wert sein, for­der­te Birk­wald: "Wir wol­len für je­des Kind rund 86 Eu­ro auf dem Ren­ten­kon­to von Müt­tern oder Vä­tern ha­ben." Das ist der Be­trag, den jün­ge­re Müt­ter im Wes­ten künf­tig be­kom­men.

Grü­nen-Frak­ti­ons­che­fin Kat­rin Gö­ring-Eckardt warf der Re­gie­rung vor: "Ihr Pa­ket ist nicht ge­recht - und es ist zu­kunfts­ver­ges­sen." Ver­ges­sen wür­den je­ne, "die wirk­lich Un­ter­stüt­zung brau­chen", sag­te sie mit Blick auf die Plä­ne zur Re­form der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te. Die­se lie­ge auch da­nach noch un­ter dem Exis­tenz­mi­ni­mum. "Das hat mit Ge­rech­tig­keit, so wie wir sie ver­ste­hen, nichts zu tun."

Der so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons-Bun­des­tags­frak­ti­on, Karl Schie­wer­ling (CDU), wies die Vor­wür­fe zu­rück, das Ren­ten­pa­ket sei falsch fi­nan­ziert. Zu den Re­ser­ven der Ren­ten­kas­se, aus der das Ren­ten­pa­ket be­zahlt wer­den soll, der­zeit 32 Mil­li­ar­den Eu­ro, hät­ten Be­schäf­tig­te, Ar­beit­ge­ber und Steu­er­zah­ler zu je­weils ei­nem Drit­tel bei­ge­tra­gen.

Aus den Ver­bän­den kam Lob und Ta­del. Für Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer ist das Ren­ten­pa­ket "ein schlim­mer Rück­fall": "Die meis­ten Bei­trags­zah­ler sind die Ver­lie­rer." Die Re­form füh­re da­zu, dass die gut ge­füll­ten Ren­ten­kas­sen "in nur fünf Jah­ren bis an die Un­ter­gren­ze ge­leert" wür­den. Dann müs­se der Bei­trags­satz wie­der deut­lich stei­gen.

Der DGB sprach da­ge­gen von ei­nem "ent­schei­den­den Wen­de­punkt in der Ren­ten­po­li­tik". Nö­tig sei, auch ge­gen Al­ters­ar­mut noch et­was zu tun und das Ren­ten­ni­veau zu sta­bi­li­sie­ren, for­der­te DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach. Dem schloss sich der So­zi­al­ver­band VdK an: Das Ren­ten­pa­ket kön­ne, so Prä­si­den­tin Ul­ri­ke Ma­scher, "nur der ers­te Schritt sein".

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. August 2015

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