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Bes­se­re Müt­ter­ren­te und Ren­te ab 63 kön­nen zum 1. Ju­li kom­men

Es ist das teu­ers­te Pro­jekt der schwarz-ro­ten Ko­ali­ti­on: Das viel­kri­ti­sier­te gro­ße Ren­ten­pa­ket hat den Bun­des­tag pas­siert. Ver­bes­ser­te Müt­ter­ren­te und ab­schlag­freie Ren­te ab 63 kön­nen nun wie ge­plant kom­men
Zwei Männchen mit Euro Ab dem 1. Ju­li soll das neue Ren­ten­pa­ket gel­ten

24.05.2014. (dpa) - Et­wa zehn Mil­lio­nen Bun­des­bür­ger kön­nen sich über Ver­bes­se­run­gen bei der Ren­te freu­en.

Es sind nach jah­re­lan­gen Ab­stri­chen die ers­ten Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen.

Der Bun­des­tag ver­ab­schie­de­te am Frei­tag das von der Op­po­si­ti­on scharf kri­ti­sier­te gro­ße Ren­ten­pa­ket mit deut­li­cher Mehr­heit.

Da­mit ist der Weg frei für die ver­bes­ser­te Müt­ter­ren­te und die ab­schlag­freie Ren­te ab 63.

Es ist das teu­ers­te Vor­ha­ben der Ko­ali­ti­on von Uni­on und SPD. Der Bun­des­rat muss dem Ge­setz nicht zu­stim­men.

Lin­ke und Grü­ne be­zeich­ne­ten das Pa­ket als un­aus­ge­wo­gen und un­ge­recht. In na­ment­li­cher Ab­stim­mung stimm­ten 460 Ab­ge­ord­ne­te für das Ge­setz, 64 da­ge­gen und 60 ent­hiel­ten sich. Ei­ni­ge Nein-Stim­men dürf­ten auch aus dem La­ger von CDU/CSU ge­kom­men sein. Die Mehr­heit für das Vor­ha­ben war je­doch nicht ge­fähr­det, weil die schwarz-ro­te Ko­ali­ti­on im Par­la­ment über rund 80 Pro­zent der Ab­ge­ord­ne­ten­sit­ze ver­fügt. An­fang der Wo­che hat­ten sich Uni­on und SPD nach meh­re­ren Mo­na­ten Ver­hand­lun­gen auf ei­nen Kom­pro­miss ver­stän­digt.

Das Ren­ten­pa­ket ent­hält ne­ben der ver­bes­ser­ten Ren­te für äl­te­re Müt­ter und der ab­schlags­frei­en Ren­te ab 63 für lang­jäh­rig Ver­si­cher­te ver­bes­ser­te Ren­ten für Er­werbs­ge­min­der­te so­wie mehr Geld für Re­ha-Leis­tun­gen. Pro Jahr kos­tet das zwi­schen neun und elf Mil­li­ar­den Eu­ro mehr. Die Neu­re­ge­lun­gen sol­len vom 1. Ju­li an gel­ten.

Ei­ne Ar­beits­grup­pe soll nach dem Wil­len von Uni­on und SPD zu­dem bis zum Herbst Vor­schlä­ge für den fle­xi­ble­ren Über­gang in Ren­te vor­le­gen. Ziel ist es, dass Ar­beit­neh­mer über das 65. Le­bens­jahr hin­aus be­fris­tet und auf frei­wil­li­ger Ba­sis wei­ter­ar­bei­ten kön­nen. Auf­grund die­ses Ge­gen­kon­zepts zur von ih­nen kri­ti­sier­ten Ren­te ab 63 ga­ben vie­le Uni­ons­ab­ge­ord­ne­te den Wi­der­stand ge­gen das Ren­ten­pa­ket auf.

Für Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) sind die Neu­re­ge­lun­gen ein Si­gnal der "ge­leb­ten So­li­da­ri­tät" - zwi­schen "Jun­gen und Al­ten, Rei­chen und Ar­men, Star­ken und Schwa­chen". Die über­wie­gen­de Mehr­heit der Bür­ger hal­te das Ren­ten­pa­ket für ge­recht und not­wen­dig.

Durch die Re­for­men der ver­gan­ge­nen 15 Jah­re sei den Bür­gern ei­ni­ges ab­ver­langt wor­den, um Deutsch­lands Wohl­stand zu si­chern, räum­te Nah­les ein. Nun soll­ten auch je­ne dar­an teil­ha­ben, die dies er­mög­licht hät­ten: mit Kin­der­er­zie­hung oder le­bens­lan­ger Ar­beit. Es wür­den aber auch je­ne be­dacht, die aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den nicht mehr ar­bei­ten könn­ten.

Lin­ke und Grü­ne zeig­ten sich un­zu­frie­den. "Ja, man­ches wird bes­ser, aber vie­les bleibt so schlecht, wie es ist", sag­te der Ren­ten­ex­per­te der Links­frak­ti­on, Mat­thi­as W. Birk­wald. Er nann­te das wei­ter sin­ken­de Ren­ten­ni­veau und das Fest­hal­ten an der Ren­te mit 67. Mit der rol­lie­ren­den Stich­tags­re­ge­lung ge­gen Miss­brauch der Früh­ren­te ab 63 und dem Aus­schluss von Zei­ten der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit bei der An­rech­nung der not­wen­di­gen 45 Ver­si­che­rungs­jah­re sieht er "wei­te­re Ge­rech­tig­keits­lü­cken" ge­schaf­fen.

Der ren­ten­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen-Frak­ti­on, Mar­kus Kurth, warf der Ko­ali­ti­on vor, die Prio­ri­tä­ten falsch ge­setzt zu ha­ben. Schwarz-Rot tue nichts ge­gen das wach­sen­de Pro­blem der Al­ters­ar­mut. Die Leis­tungs­ver­bes­se­run­gen be­güns­tig­ten nur be­stimm­te Grup­pen. Das Pa­ket sei - weil aus den Rück­la­gen der Ren­ten­kas­se - zu­dem falsch fi­nan­ziert.

Uni­on und SPD wie­sen die Kri­tik ein­mü­tig zu­rück. Aus ih­rer Sicht ist das Ren­ten­sys­tem mit der Neu­re­ge­lung nun si­che­rer und so­zia­ler ge­wor­den. Die Ko­ali­ti­on ha­be die Ver­spre­chen im Wahl­kampf mit dem Ren­ten­pa­ket ein­ge­löst. Die CSU sieht in der ver­bes­ser­ten Müt­ter­ren­te ein "Her­zens­an­lie­gen" er­füllt.

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund nann­te das Ren­ten­pa­ket ei­nen ers­ten wich­ti­gen Re­form-Schritt, dem aber wei­te­re fol­gen müss­ten. Für die Ar­beit­ge­ber bleibt das Ge­setz "ein teu­rer Feh­ler, der vor al­lem die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on mit ei­ner mil­li­ar­den­schwe­ren Hy­po­thek be­las­tet".

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 10. März 2015

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