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Nah­les: Früh­ver­ren­tung muss auch für Ar­beit­ge­ber teu­er wer­den

Wenn Ar­beit­ge­ber die Ren­te mit 63 für Früh­ver­ren­tun­gen miss­brau­chen, soll dies nach dem Wil­len der Ar­beits­mi­nis­te­rin teu­er wer­den: Ei­ne Lö­sung soll bei den Par­la­ments­be­ra­tun­gen ge­fun­den wer­den
Zwei Männchen mit Euro Was kann ge­gen ei­ne Früh­ver­ren­tung un­ter­nom­men wer­den?

16.04.2014. (dpa) - Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) will ei­nem Miss­brauch der ge­plan­ten Ren­te mit 63 ei­nen Rie­gel vor­schie­ben.

"Ich will nicht, dass die ab­schlag­freie Ren­te mit 63 nach 45 Bei­trags­jah­ren zu ei­nem neu­en Pro­gramm der Früh­ver­ren­tung aus­ge­nutzt wird", sag­te Nah­les am Diens­tag bei ei­nem Ren­ten-Hea­ring des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) in Ber­lin.

Soll­ten sich je­doch Ar­beit­ge­ber we­gen der Ren­te mit 63 vor­zei­tig von äl­te­ren Ar­beit­neh­mern tren­nen wol­len, dann müss­ten sie ge­nau­so wie die Ar­beit­neh­mer fi­nan­zi­ell an den er­heb­li­chen Kos­ten be­tei­ligt wer­den, sag­te die Mi­nis­te­rin. Sie zeig­te sich über­zeugt, dass sich im Rah­men der Par­la­ments­be­ra­tun­gen des Ren­ten­pa­ke­tes ei­ne Re­ge­lung fin­den las­se, die Miss­brauch aus­schlie­ße.

Nah­les ver­wies dar­auf, dass ein 61-jäh­ri­ger Sing­le bei ei­ner Kün­di­gung durch den Ar­beit­ge­ber zwei Jah­re lang nur 60 Pro­zent sei­ner bis­he­ri­gen Be­zü­ge in Form des Ar­beits­lo­sen­gel­des er­hal­te. Es sei­en nicht die klei­nen Be­trie­be, son­dern al­len­falls Groß­un­ter­neh­men, die mit Aus­gleichs­prä­mi­en von et­wa 30 000 Eu­ro äl­te­re Ar­beit­neh­mer zum vor­zei­ti­gen Ver­zicht auf ih­ren Ar­beits­platz be­we­gen woll­ten.

"Wenn es sol­che Fäl­le gibt, dann muss es teu­er wer­den - und zwar nicht nur für den Ar­beit­neh­mer, son­dern glei­cher­ma­ßen auch für den Ar­beit­ge­ber", sag­te Nah­les. Sie ver­wies da­bei auf ei­ne frü­he­re Re­ge­lung, wo­nach die Ar­beit­ge­ber bei der Kün­di­gung von äl­te­ren Be­schäf­tig­ten an den So­zi­al­kos­ten be­tei­ligt wur­den.

DGB-Vor­stands­mit­glied An­ne­lie Bun­ten­bach be­zeich­ne­te die Kri­tik an der Ren­te mit 63 als maß­los über­zo­gen. Sie tra­ge in­zwi­schen Zü­ge ei­nes "Kul­tur­kamp­fes". Bun­ten­bach lob­te ins­ge­samt das Ren­ten­pa­ket der Ko­ali­ti­on. Nach Jah­ren der Ein­spa­run­gen und Kür­zun­gen sei dies ein Wen­de­punkt in der Ren­ten­po­li­tik. End­lich ge­be es für Rent­ner wie­der Ver­bes­se­run­gen. In den Jah­ren zu­vor sei es nur noch ab­wärts ge­gan­gen.

Alex­an­der Gun­kel, Ge­schäfts­füh­rer der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Deut­schen Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de (BDA), sieht da­ge­gen in der Ren­te mit 63 ein fal­sches Si­gnal. Sie set­ze für die Be­schäf­tig­ten An­rei­ze, trotz des Fach­kräf­te­man­gels vor­zei­tig aus dem Ar­beits­le­ben aus­zu­schei­den. Vie­le Be­trie­be könn­ten für schei­den­de Mit­ar­bei­ter kei­nen Er­satz fin­den.

Nah­les zeig­te sich of­fen da­für, nach Ver­ab­schie­dung des Ren­ten­pak­tes im Par­la­ment mit Ar­beit­ge­bern wie Ge­werk­schaf­ten ge­mein­sam Ge­sprä­che über ei­ne fle­xi­ble­re Ge­stal­tung des Ren­ten­ein­tritts zu füh­ren. "Wir sind mit den Re­for­men bei der Ren­te noch lan­ge nicht am En­de", sag­te sie. Der Vor­schlag, Ar­beit­neh­mer auf ei­ge­nen Wunsch spä­ter als ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben in Ren­te ge­hen zu las­sen, war in der Dis­kus­si­on um die Ren­te ab 63 für lang­jäh­ri­ge Bei­trags­zah­ler auf­ge­kom­men.

Nach Ein­schät­zung des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums wür­de al­ler­dings ei­ne bei­trags­freie Wei­ter­be­schäf­ti­gung von Rent­nern die So­zi­al­ver­si­che­rung mit ho­hen Bei­trags­aus­fäl­len be­las­ten. Dies geht aus ei­ner par­la­men­ta­ri­schen Ant­wort des Mi­nis­te­ri­ums auf ei­ne An­fra­ge der Grü­nen her­vor, die dem SWR vor­liegt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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