HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/195

Nah­les will Hür­den für Ar­beits­lo­sen­geld sen­ken - Uni­on skep­tisch

Im­mer mehr Men­schen ar­bei­ten in Jobs, in de­nen nur für ei­ni­ge Mo­na­te in die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt wird: Ver­lie­ren sie ih­ren Ar­beits­platz, ha­ben sie kei­nen Schutz, weil sie nicht lan­ge ge­nug Bei­trä­ge ein­ge­zahlt ha­ben. Das soll sich än­dern
Schreiben der Bundesagentur für Arbeit mit darauf liegenden Geldscheinen Was soll ge­än­dert wer­den?

24.07.2015. (dpa) - Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) will mehr Ar­beits­lo­sen zum Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld I ver­hel­fen und so die so­zia­le Ab­si­che­rung an den Job-Wan­del an­pas­sen.

Da­für sol­len die Hür­den für An­sprü­che an die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ge­senkt wer­den, be­stä­tig­te ein Mi­nis­te­ri­ums­spre­cher am Frei­tag in Ber­lin ei­nen Be­richt der "Wirt­schafts­wo­che".

Bis­lang müs­sen in den 24 Mo­na­ten vor ei­nem Job­ver­lust 12 Mo­na­te Bei­trä­ge in die So­zi­al­ver­si­che­rung ein­be­zahlt wor­den sein, da­mit Ar­beits­lo­sen­geld I aus­be­zahlt wird.

Die­se Frist will Nah­les nun von 24 auf 36 Mo­na­te aus­deh­nen.

Die Uni­ons­frak­ti­on re­agier­te zu­rück­hal­tend. Ar­beits­markt­ex­per­te Karl Schie­wer­ling (CDU) be­ur­teil­te den Vor­schlag skep­tisch. Ei­ne ge­ne­rel­le Aus­wei­tung der Rah­men­frist sei im Ko­ali­ti­ons­ver­trag nicht ver­ab­re­det und teu­er. Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) un­ter­stützt ei­ne Rah­men­frist von drei Jah­ren. So hät­ten auch Per­so­nen, die im­mer wie­der ih­ren Job ver­lie­ren und oft nur kurz be­schäf­tigt sind, Chan­cen, in die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung zu­rück­zu­keh­ren. Grü­ne und Lin­ke for­der­ten wei­ter­ge­hen­de Schrit­te.

Ei­ne Ver­län­ge­rung der Rah­men­frist auf drei Jah­re hat­te Nah­les schon An­fang des Jah­res vor­ge­schla­gen. Sein­er­zeit sag­te sie: "Wir brau­chen für die neu­en, un­ste­te­ren Ar­beits­wel­ten fle­xi­ble­re Re­geln." Hin­ter­grund ist auch die neue Ar­beits­welt durch Di­gi­ta­li­sie­rung. Die­ser Wan­del be­nö­tigt aus Sicht von Ar­beits­markt­ex­per­ten eben­falls ei­ne wirk­sa­me Ab­si­che­rung. Die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung müs­se ih­ren Zweck auch un­ter ver­än­der­ten Um­stän­den er­fül­len kön­nen.

Für Be­schäf­tig­te in Kul­tur und Me­di­en gibt es be­reits ei­ne sol­che Son­der­re­ge­lung. Jetzt geht es dar­um, ob und wie die­se aus­ge­dehnt wird. Ent­schei­dun­gen sind nach An­ga­ben des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums noch nicht ge­fal­len. Die Kos­ten hin­gen von der Aus­ge­stal­tung ab.

Schie­wer­ling er­klär­te, es ge­he um ei­ne bes­se­re Ab­si­che­rung von Kul­tur­schaf­fen­den und kurz­fris­tig Be­schäf­tig­ten. Und es müs­se al­les ge­tan wer­den, Ar­beits­lo­se wie­der stär­ker in Be­schäf­ti­gung zu brin­gen: "Die Ab­sen­kung der Hür­den für den Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld ist mit Kos­ten in drei­stel­li­ger Mil­lio­nen­hö­he ver­bun­den. Sie dient die­sen Zie­len nicht."

Laut "Wirt­schafts­wo­che" rech­net das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um bei ei­ner ver­län­ger­ten Rah­men­frist mit rund 52 000 zu­sätz­li­chen Emp­fän­gern von Ar­beits­lo­sen­geld I. Das wür­de die Bun­des­agen­tur für Ar­beit 2016 mit 305 Mil­lio­nen Eu­ro ex­tra be­las­ten. Bund, Län­der und Kom­mu­nen da­ge­gen wür­den 68 Mil­lio­nen Eu­ro spa­ren, weil es we­ni­ger Hartz-IV-Emp­fän­ger gä­be. Ins­ge­samt blie­be ei­ne Mehr­be­las­tung von 237 Mil­lio­nen Eu­ro.

"Die Re­form ist über­fäl­lig", sag­te DGB-Vor­stand An­ne­lie Bun­ten­bach. Je­der vier­te Ar­beits­lo­se lan­de di­rekt im Hartz-IV-Sys­tem, ob­wohl vie­le von ih­nen zu­vor Bei­trä­ge in die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt ha­ben.

Bri­git­te Poth­mer von den Grü­nen nann­te das Ziel rich­tig. Mit ei­ner län­ge­ren Rah­men­frist er­wei­se Nah­les kurz­fris­tig Be­schäf­tig­ten aber ei­nen Bä­ren­dienst: "Wenn Nah­les wirk­li­che Ver­bes­se­run­gen statt Schein­lö­sun­gen will, dann müs­sen die Bei­trags- und An­wart­schafts­zei­ten grund­le­gend re­for­miert wer­den."

Die Lin­ken-Po­li­ti­ke­rin Sa­bi­ne Zim­mer­mann for­der­te, auch die An­wart­schafts­zeit müs­se ge­ne­rell auf sechs Mo­na­te ver­kürzt, die Dau­er des An­spruchs ge­än­dert wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de