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Nah­les will Job­cen­ter von Bü­ro­kra­tie be­frei­en

Viel Zeit geht in den Job­cen­tern für Bü­ro­kra­tie und Be­rech­nung drauf - an Jobs kom­men Ar­beits­lo­se da­durch nicht: Recht­zei­tig zum An­sturm von Flücht­lin­gen will die Ko­ali­ti­on et­was tun
Mann hinter hohem Papierstapel Was plant Nah­les?

25.01.2016. (dpa) - Nach jah­re­lan­ger De­bat­te will die Bun­des­re­gie­rung die Job­cen­ter in Deutsch­land von Bü­ro­kra­tie be­frei­en.

Auch die vie­len in den Job­cen­tern er­war­te­ten Flücht­lin­ge sol­len so bes­ser in Ar­beit ver­mit­telt wer­den kön­nen.

"Ich bin froh, dass wir das Ge­setz zur Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung in den Job­cen­tern am 3. Fe­bru­ar end­lich im Ka­bi­nett ha­ben wer­den", sag­te Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin.

Ge­plant sind schnel­le­re Ver­wal­tungs­ab­läu­fe und Er­leich­te­run­gen bei der Be­rech­nung von So­zi­al­gel­dern.

Leis­tun­gen sol­len für län­ge­re Zeit be­wil­ligt wer­den kön­nen.

"Die Job­cen­ter ste­hen vor enor­men Her­aus­for­de­run­gen, auch an­ge­sichts der Flücht­lings­fra­ge", sag­te Nah­les. "Sie war­ten auf die Er­leich­te­run­gen, die das Ge­setz zur Rechts­ver­ein­fa­chung im So­zi­al­ge­setz­buch II vor­sieht." Be­reits Mit­te 2014 hat­te ei­ne Ar­beits­grup­pe von Bund und Län­dern ent­spre­chen­de Vor­schlä­ge auf den Tisch ge­legt.

Die SPD-So­zi­al­ex­per­tin Kat­ja Mast sag­te der dpa: "Weil die Job­cen­ter jetzt auf je­den Fall mehr zu tun be­kom­men, ist es an der Zeit, dass wir al­les tun, sie zu ent­las­ten." Für Ver­mitt­lung in Ar­beit oder Aus­bil­dung sol­le mehr Zeit blei­ben.

Der CDU-Ar­beits­markt­po­li­ti­ker Kai Whit­ta­ker sag­te der dpa: "Es wur­de al­ler­höchs­te Zeit, dass das Ge­setz nun auf den Weg kommt." Es sei drin­gend nö­tig, die Re­form zu ma­chen, be­vor die Flücht­lin­ge die Job­cen­ter er­rei­chen. "Zu­sätz­lich zu den Rechts- und Ver­fah­rens­ver­ein­fa­chun­gen sind wei­te­re In­stru­men­te im Kampf ge­gen Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit nö­tig", sag­te Whit­ta­ker. Die Uni­ons­frak­ti­on hat­te im Ju­ni Vor­schlä­ge da­zu vor­ge­legt.

Der ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­cher der Uni­ons­frak­ti­on, Karl Schie­wer­ling, ver­si­cher­te, Lang­zeit­ar­beits­lo­se wür­den nicht ver­nach­läs­sigt. "Die Ko­ali­ti­on küm­mert sich um sie", sag­te er der dpa. Whit­ta­ker plä­dier­te et­wa da­für, Lang­zeit­ar­beits­lo­se stär­ker zu för­dern, die ei­ne Aus­bil­dung ma­chen.

Skep­tisch äu­ßer­te sich die Grü­nen-Ar­beits­markt­ex­per­tin Bri­git­te Poth­mer. "Wir war­ten seit über ei­nem Jahr ver­ge­bens auf ei­ne Ei­ni­gung der Bun­des­re­gie­rung in Sa­chen Rechts­ver­ein­fa­chung", sag­te sie der dpa. Nun lau­fe das Vor­ha­ben auf ei­nen Mi­ni­mal­kon­sens zwi­schen Uni­on und SPD hin­aus. "We­der ein­hei­mi­sche Ar­beits­lo­se noch Flücht­lin­ge kön­nen al­so mit groß­ar­ti­gen Ver­bes­se­run­gen rech­nen." Die In­stru­men­te blie­ben zu un­fle­xi­bel, das Geld rei­che nicht aus.

Im De­zem­ber zähl­te die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) 2,68 Mil­lio­nen Er­werbs­lo­se, die nied­rigs­te De­zem­ber-Ar­beits­lo­sig­keit seit 24 Jah­ren. Al­ler­dings gibt es seit Jah­ren fast un­ver­än­dert knapp ei­ne Mil­li­on Lang­zeit­ar­beits­lo­se. Spür­ba­re zu­sätz­li­che Be­las­tun­gen durch Flücht­lin­ge in den Job­cen­tern er­war­te die BA ab Jah­res­mit­te, sag­te ei­ne Spre­che­rin. Denn Asyl­be­wer­ber wür­den erst nach Ab­schluss des Asyl­ver­fah­rens zu Kun­den der Job­cen­ter. BA-Chef Frank-Jür­gen Wei­se rech­net mit bis zu 200.000 ar­beits­lo­sen Flücht­lin­gen.

Die BA be­grüß­te die Plä­ne zur Rechts­ver­ein­fa­chung. Sie ha­be sie von An­fang an un­ter­stützt, "auch um mit den vor­han­de­nen Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten mehr Mit­ar­bei­ter für Be­ra­tung und Ver­mitt­lung zur Ver­fü­gung zu ha­ben", sag­te die Spre­che­rin.

Am Ve­to der CSU ist das Vor­ha­ben ge­schei­tert, Sank­tio­nen für Hartz-IV-Emp­fän­ger un­ter 25 Jah­ren zu lo­ckern. Das hat­te Nah­les be­reits im Ok­to­ber ein­ge­räumt. Auf sie kom­men bei Ver­stö­ßen ge­gen Auf­la­gen des Job­cen­ters so auch künf­tig här­te­re Stra­fen zu als bei äl­te­ren Hartz-IV-Emp­fän­gern.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. September 2016

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