HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/387

Nah­les und Schäu­b­le ei­ni­gen sich auf Ost-West-Ren­ten­fi­nan­zie­rung

Die ge­plan­te Ost-West-Ren­ten­an­glei­chung war En­de No­vem­ber ge­fähr­det, da Fi­nanz­mi­nis­ter Schäu­b­le ih­re Fi­nan­zie­rung in Fra­ge stell­te: Nun gibt es ei­nen Kom­pro­miss
Geringe Rente, älteres Ehepaar sitzt auf Euro-Münzen

21.12.2016. (dpa) - Die Ost-West-An­glei­chung der Ren­te wird künf­tig halb aus der Ren­ten­kas­se und halb über Steu­ern fi­nan­ziert. Dar­auf ver­stän­dig­ten sich Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) und Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD), wie das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um am Mitt­woch mit­teil­te.

Da­nach soll die An­glei­chung grund­sätz­lich über die Ren­ten­ver­si­che­rung fi­nan­ziert wer­den. Der Bund soll sich aber ab 2025 an der Fi­nan­zie­rung der Ren­ten dau­er­haft mit wei­te­ren zwei Mil­li­ar­den Eu­ro be­tei­li­gen.

Der Bun­des­zu­schuss be­ginnt 2022 in Hö­he von 200 Mil­lio­nen Eu­ro und steigt da­nach bis 2025 jähr­lich um 600 Mil­lio­nen Eu­ro an.

Schäu­b­le er­klär­te: "Die Ren­ten­ver­si­che­rung ist ak­tu­ell fi­nan­zi­ell gut auf­ge­stellt und kann in den ers­ten Jah­ren die zu­sätz­li­chen Kos­ten der An­glei­chung selbst über­neh­men." Ab dem Jahr 2022 wer­de der Bun­des­haus­halt ei­nen Zu­schuss leis­ten. Er be­tra­ge dann in der End­stu­fe mit zwei Mil­li­ar­den rund die Hälf­te der jähr­li­chen Mehr­aus­ga­ben. "Da­mit si­chern wir die In­ter­es­sen der Steu­er­zah­ler und Bei­trags­zah­ler glei­cher­ma­ßen."

Nah­les er­läu­ter­te, ab 2025 soll­ten die Ren­ten ein­heit­lich be­rech­net wer­den.

"Be­gin­nend mit dem 1. Ju­li 2018 wol­len wir in sie­ben Schrit­ten mit den jähr­li­chen Ren­ten-An­pas­sun­gen den Ren­ten­wert Ost an den im Wes­ten gel­ten­den Ren­ten­wert an­glei­chen, zu­gleich auch die je­wei­li­ge Be­wer­tung der Ar­beits­ent­gel­te. Die An­glei­chung der Ren­ten er­folgt im Ren­ten­sys­tem mit ei­nem Bun­des­zu­schuss. Die Bei­trags­zie­le wer­den da­mit voll­um­fäng­lich ein­ge­hal­ten."

Das Bun­des­ka­bi­nett be­schloss un­ter­des­sen ein Re­form­pa­ket zur wei­te­ren Ver­brei­tung von Be­triebs­ren­ten in Deutsch­land. Der An­teil von 60 Pro­zent der Be­schäf­tig­ten mit be­trieb­li­cher Al­ters­vor­sor­ge sta­gniert seit Jah­ren. Bei den Nied­rig­ver­die­nern sind es nur 47 Pro­zent.

Die Deut­sche Ren­ten­ver­si­che­rung Bund hob in­des­sen her­vor, dass ei­ne vor­zei­ti­ge An­glei­chung der Ren­ten in Ost und West sys­te­ma­tisch kor­rekt aus Steu­er­mit­teln er­fol­gen müs­se. Denn da­bei hand­le es sich um ei­ne ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­be zur Ver­wirk­li­chung der Deut­schen Ein­heit. Wenn er ab 2025 jähr­lich zwei Mil­li­ar­den Eu­ro be­tra­ge, sei dies nur rund die Hälf­te der jähr­li­chen Mehr­aus­ga­ben. "Das ist in kei­ner Wei­se aus­rei­chend."

Mit der Ost-West-Ren­ten­an­glei­chung hat sich die Ko­ali­ti­on noch vor dem Wahl­jahr 2017 auf ei­nes ih­rer gro­ßen So­zi­al­pro­jek­te im Ko­ali­ti­ons­ver­trag ge­ei­nigt. Der CDU-Ren­ten­ex­per­te Pe­ter Weiß lob­te den Fi­nan­zie­rungs­kom­pro­miss. "Das ist ei­ne klu­ge Ent­schei­dung, um den Prin­zi­pi­enstreit zu lö­sen", sag­te er.

Fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) sag­te der dpa, Ziel sei es ge­we­sen, die An­glei­chung in we­sent­li­chen Tei­len aus Steu­er­mit­teln zu fi­nan­zie­ren, "und das ist er­reicht wor­den." Sie füg­te hin­zu: "Ab 2025 wer­den wir nun in Deutsch­land ein ein­heit­li­ches und so­li­de fi­nan­zier­tes Ren­ten­sys­tem ha­ben, ein wei­te­rer Schritt zur Ein­heit und für die Zu­kunft un­se­res Lan­des."

Die so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­che­rin der SPD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Kat­ja Mast, er­klär­te: "Jetzt gilt es, das Ge­samt­kon­zept zur Al­ters­si­che­rung Schritt für Schritt wei­ter um­zu­set­zen."

Die Par­la­men­ta­ri­sche Ge­schäfts­füh­re­rin der SPD-Frak­ti­on, Chris­ti­ne Lam­brecht, er­klär­te: "Für uns ist von zen­tra­ler Be­deu­tung, dass die Kos­ten die­ser ge­samt­ge­sell­schaft­li­chen Auf­ga­be nicht al­lein den Bei­trags­zah­lern auf­ge­bür­det wer­den." Die SPD-Frak­ti­on wer­de den ent­spre­chen­den Ge­setz­ent­wurf zü­gig be­ra­ten und be­schlie­ßen.

Der ren­ten­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen-Frak­ti­on, Mar­kus Kurth, hielt dem ent­ge­gen: "Die Bun­des­re­gie­rung kauft sich die Stim­men der Ost­rent­ner auf Kos­ten der Bei­trags­zah­le­rin­nen und Bei­trags­zah­ler. Erst nach vier Jah­ren wird sich der Bund an den Kos­ten der Ren­ten­ein­heit be­tei­li­gen. Bis 2021 las­tet ein ins­ge­samt mitt­le­rer ein­stel­li­ger Mil­li­ar­den­be­trag al­lein auf den Schul­tern der heu­te Be­schäf­tig­ten." Da­bei ha­be die gro­ße Ko­ali­ti­on die Nach­hal­tig­keits­rück­la­ge der Ren­ten­kas­se durch Müt­ter­ren­te und «Ren­te mit 63» be­reits schwer stra­pa­ziert.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. Juni 2017

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2018:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de