HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/385

Nur ein Bruch­teil der Flücht­lin­ge hat Ar­beit

Hun­dert­tau­sen­de Flücht­lin­ge ha­ben trotz brum­men­der Wirt­schaft bis­her kei­ne Ar­beit ge­fun­den: Da­für gibt es neue Jobs für Deut­sche auf­grund der Flücht­lin­ge

19.12.2016. (dpa) - In den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten hat nur ein Bruch­teil der Flücht­lin­ge in Deutsch­land re­gu­lä­re Ar­beit er­hal­ten.

"Wenn wir es ge­schafft ha­ben, nach fünf Jah­ren 50 Pro­zent in Lohn und Brot zu be­kom­men, ist das si­cher­lich ein Er­folg", sag­te der Di­rek­tor des Nürn­ber­ger In­sti­tuts für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB), Joa­chim Möl­ler, der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin. "Da­für müs­sen wir aber in die In­te­gra­ti­on in­ves­tie­ren."

Von De­zem­ber 2015 bis No­vem­ber 2016 schaff­ten 34.000 Ein­wan­de­rer aus den acht wich­tigs­ten nicht-eu­ro­päi­schen Asyl­her­kunfts­län­dern den Schritt in den ers­ten Ar­beits­markt. "Das sind un­ter an­de­rem Sy­ri­en, Irak, Af­gha­nis­tan, Ni­ge­ria und Eri­trea", sag­te Möl­ler. 22 Pro­zent die­ser 34.000 Ein­wan­de­rer sei­en Leih­ar­bei­ter.

An zwei­ter Stel­le stan­den wirt­schafts­na­he Dienst­leis­tun­gen oh­ne Zeit­ar­beit mit 20 Pro­zent. "Nimmt man das Gast­ge­wer­be da­zu, sind ins­ge­samt 57 Pro­zent der Men­schen in die­sen Be­rei­chen be­schäf­tigt." 406.000 ar­beits­su­chen­de Flücht­lin­ge sind bei den Ar­beits­agen­tu­ren und Job­cen­tern re­gis­triert, 160.000 da­von als ar­beits­los er­fasst.

2015 und in den ers­ten elf Mo­na­ten 2016 be­an­trag­ten laut Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um knapp 1,2 Mil­lio­nen Men­schen hier­zu­lan­de for­mell Asyl.

Ei­ne Il­lu­si­on wä­re es aus Sicht Möl­lers, "zu glau­ben, dass wir ei­ne gro­ße Zahl der Ge­flüch­te­ten in un­se­ren gut be­zahl­ten In­dus­trie­ar­beits­plät­zen wie bei­spiels­wei­se der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ha­ben wer­den". Zeit­ar­beit ha­be für Mi­gran­ten aber ei­ne be­son­de­re Funk­ti­on. "Vie­le Be­trie­be sind erst ein­mal skep­tisch, Zeit­ar­beit hilft, ers­te Be­den­ken zu neh­men." Das IAB ist das For­schungs­in­sti­tut der Bun­des­agen­tur für Ar­beit.

Im Ein-Eu­ro-Job-Pro­gramm für Flücht­lin­ge gibt es rund vier Mo­na­te nach dem Start noch weit we­ni­ger sol­che Ar­beits­ge­le­gen­hei­ten als ins­ge­samt ge­plant. "Nach ers­ten Zah­len ent­stan­den bis­her rund 5.000", sag­te Möl­ler. Das von Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) in­iti­ier­te Pro­gramm star­te­te am 1. Au­gust und soll 100.000 öf­fent­lich ge­för­der­te Jobs für Flücht­lin­ge schaf­fen.

Durch die Flücht­lings­mi­gra­ti­on ent­stan­den auch Ar­beits­plät­ze. «Wir rech­nen mit ei­ner Grö­ßen­ord­nung im mitt­le­ren fünf­stel­li­gen Be­reich, mit et­wa 50 000 oder 60 000», sag­te Möl­ler. «Be­schäf­ti­gungs­zu­wachs gab es et­wa im Bau, bei au­ßer­schu­li­schen Lehr­tä­tig­kei­ten und Sprach­leh­rern, Wach­leu­ten, So­zi­al­ar­bei­tern und in der öf­fent­li­chen Ver­wal­tung.»

Die­se gro­be Ein­schät­zung stam­me noch vom An­fang des Jah­res. "Wir ge­hen da­von aus, dass da­mals ei­ni­ge der auf­grund der Flücht­lings­mi­gra­ti­on neu ge­schaf­fe­nen Stel­len noch gar nicht be­setzt wa­ren, son­dern erst da­nach hin­zu­ka­men. Des­halb könn­te der Ef­fekt heu­te so­gar noch et­was grö­ßer sein." Et­wa Sprach­leh­rer, So­zi­al­ar­bei­ter, -päd­ago­gen und Er­zie­her kön­ne das Land an­ge­sichts künf­ti­ger Mi­gra­ti­on auch wei­ter gut ge­brau­chen.

"Wenn man bei­spiels­wei­se an die Wie­der­ver­ei­ni­gung denkt, kann man fest­hal­ten: Wir ha­ben in Deutsch­land schon ganz an­de­re Auf­ga­ben als den Flücht­lings­zu­zug ge­meis­tert", sag­te Möl­ler. "Es war ei­ne hu­ma­ni­tä­re Ent­schei­dung." Ei­ne Bi­lanz über die Aus­wir­kun­gen auf die Wirt­schaft kön­ne erst nach fünf oder zehn Jah­ren ge­zo­gen wer­den. "Es wird ver­mut­lich kei­ne Über­schuss­rech­nung sein. Aber Viel­falt kann auch pro­duk­tiv sein."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 10. April 2018

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email* Nachname
  Abmelden   *Pflichtangabe

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2018:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de