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Öko­nom Sno­wer sieht die gro­ße Ko­ali­ti­on auf dem Irr­weg

Zu ho­he Aus­ga­ben und kei­ne Zu­kunfts­kon­zep­te - das be­män­gelt der Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler Sno­wer am Ko­ali­ti­ons­ver­trag von Uni­on und SPD: Deutsch­land ge­fähr­de da­mit sei­ne Po­si­ti­on. Die Fi­nan­zie­rung des Wohl­fahrts­staa­tes wür­de Sno­wer kom­plett um­krem­peln
Berlin bei Nacht In­wie­weit sind die Ängs­te des Öko­no­men be­rech­tigt?

19.12.2013. (dpa) - Die gro­ße Ko­ali­ti­on steu­ert nach Ein­schät­zung des Öko­no­men Den­nis Sno­wer ei­ne fal­schen wirt­schafts­po­li­ti­schen Kurs.

Deutsch­land brau­che ei­nen Struk­tur­wan­del, um im in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werb zu be­ste­hen, sag­te der Prä­si­dent des Kie­ler In­sti­tuts für Welt­wirt­schaft der Nach­rich­ten­agen­tur dpa.

"Im Ko­ali­ti­ons­ver­trag kann ich da­zu nichts er­ken­nen."

Die La­bi­li­tät der Fi­nanz­märk­te, die nied­ri­gen Zin­sen und die Al­te­rung der Be­völ­ke­rung wer­den nach An­sicht Sno­wers oh­ne Ge­gen­stra­te­gi­en mit­tel­fris­tig Deutsch­lands Po­si­ti­on schwä­chen.

Die Fi­nan­zie­rung des Ren­ten-, Ge­sund­heits- und Bil­dungs­sys­tems müs­se grund­le­gend re­for­miert wer­den.

"Das in Ber­lin ge­schnür­te Pa­ket ist in mei­nen Au­gen lei­der be­sorg­nis­er­re­gend."

Die ge­plan­ten Zu­satz­aus­ga­ben in zwei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­hö­he sind für Sno­wer ei­ne fal­sche Wei­chen­stel­lung: "Statt in gu­ten Zei­ten zu spa­ren, um die Wirt­schaft in schlech­ten Zei­ten un­ter­stüt­zen zu kön­nen, wird mehr aus­ge­ge­ben". Dies sei kein ver­ant­wort­li­cher Um­gang mit der Schul­den­brem­se, die Mehr­aus­ga­ben das Ge­gen­teil des­sen, wo­für Deutsch­land in Eu­ro­pa ste­he. Da­mit ge­be die Bun­des­re­pu­blik auch den Schwel­len­län­dern kein gu­tes Bei­spiel, sag­te Sno­wer. Er hof­fe, dass die Re­gie­rung in der Pra­xis noch ei­ne an­de­re Rich­tung ein­schlägt.

Wäh­rend Wirt­schaft und Ar­beits­markt im­mer­hin Re­for­men hin­ter sich hät­ten, sei im Ge­sund­heits­we­sen, bei Bil­dung und Aus­bil­dung, Ren­te und Pen­sio­nen kaum et­was pas­siert. "Da müss­te man ganz an­de­re Kon­zep­te ent­wi­ckeln", for­der­te Sno­wer. Er hal­te es für ver­hee­rend, mit fal­schen An­rei­zen Men­schen in den Ru­he­stand zu drän­gen, die län­ger ar­bei­ten kön­nen und wol­len. "Ge­ra­de an­ge­sichts des gro­ßen de­mo­gra­fi­schen Wan­dels ist das ein­fach un­ver­ant­wort­lich." Sol­chen Men­schen soll­te die Mög­lich­keit ge­ge­ben wer­den, län­ger zu ar­bei­ten, sag­te Sno­wer. "Was sie dann an zu­sätz­li­chen Ren­ten­an­sprü­chen ge­win­nen, müss­te auf ihr rest­li­ches Le­ben über­tra­gen wer­den." Zu­gleich soll­te der Kün­di­gungs­schutz für sie ab­ge­schafft wer­den.

Der IfW-Prä­si­dent be­kräf­tig­te sei­nen Vor­schlag, künf­tig den Wohl­fahrts­staat nicht mehr nur über Steu­ern zu fi­nan­zie­ren. Je­der Bür­ger soll­te mit ei­nem Teil sei­nes Loh­nes auf So­zi­al­kon­ten für Ge­sund­heit, Ren­te, Be­schäf­ti­gung so­wie Bil­dung und Aus­bil­dung Gut­ha­ben an­spa­ren. Die­se könn­te er ent­spre­chend sei­nen Be­dürf­nis­sen nut­zen und da­bei auch Er­spar­nis­se von ei­nem Kon­to auf ein an­de­res über­tra­gen. Die Steu­ern wür­den da­für dras­tisch ge­senkt. "Das wür­de ganz an­de­re An­rei­ze schaf­fen", er­läu­ter­te Sno­wer. "Man hät­te die Pla­nung des Le­bens bes­ser in der Hand." Nie­mand wür­de schlech­ter ge­stellt, aber je­der be­kä­me neue Mög­lich­kei­ten.

Sno­wer er­war­tet er­heb­li­che Pro­ble­me aus der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung. "Noch sind wir in ei­ner op­ti­ma­len La­ge mit re­la­tiv we­ni­gen Kin­dern, de­ren Aus­bil­dung wir be­zah­len müs­sen, und es sind auch noch nicht so vie­le im Ru­he­stand." Weil dies aber bald kip­pe, wer­de die Wirt­schaft we­ni­ger pro­duk­tiv, wenn Deutsch­land nichts ein­fal­le. Dann wür­den Pro­ble­me wie die ho­he Staats­ver­schul­dung und die nach­las­sen­de Wett­be­werbs­fä­hig­keit im­mer grö­ßer.

Die Fol­gen des ver­ein­bar­ten flä­chen­de­cken­den ge­setz­li­chen Min­dest­lohns sind aus Sicht Sno­wers schwer ab­seh­bar. Die Wirt­schaft wer­de wohl ver­su­chen, mit Werk­ver­trä­gen und mehr il­le­ga­ler Ar­beit aus­zu­wei­chen. "Dann wird die Po­li­tik sa­gen, es gibt zu vie­le Werk­ver­trä­ge, die­se wer­den miss­braucht, das Schlupf­loch müs­sen wir schlie­ßen." Dann droh­ten ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Be­schäf­ti­gung im Nied­rig­lohn­sek­tor und ei­ne Re­gu­lie­rungs­spi­ra­le, mit der die Wirt­schaft im­mer we­ni­ger fle­xi­bel wer­de. "Da­vor ha­be ich Angst."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 19. November 2015

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