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Jetzt noch oh­ne Lehr­stel­le - Wel­che Mög­lich­kei­ten nun blei­ben

Der re­gu­lä­re Aus­bil­dungs­start im Au­gust und Sep­tem­ber ist vor­bei. Man­cher ist aber noch oh­ne Lehr­stel­le: Be­rufs­be­ra­ter er­klä­ren, wel­che Op­tio­nen es nun noch gibt.
Wel­che Mög­lich­kei­ten gibt es?

12.10.2015. (dpa) - Die Schu­le ist zu En­de, und vie­le ha­ben im Au­gust mit der Aus­bil­dung be­gon­nen. Doch nicht bei al­len hat es mit dem ge­wünsch­ten Aus­bil­dungs­platz ge­klappt. Wer jetzt noch oh­ne ei­ne Lehr­stel­le da­steht, muss je­doch nicht bis zum Aus­bil­dungs­start im nächs­ten Jahr war­ten. Auch jetzt gibt es noch Mög­lich­kei­ten:

- Aus­bil­dungs­start zum 1. Fe­bru­ar: In man­chen Be­ru­fen ist es mög­lich, ei­ne Aus­bil­dung zum 1. Fe­bru­ar zu be­gin­nen. Dar­auf weist Fin Mo­haupt von der Han­dels­kam­mer Ham­burg hin. Das liegt dar­an, dass die Kam­mern häu­fig zwei Prü­fungs­ter­mi­ne pro Jahr an­bie­ten und man­che Aus­bil­dun­gen nur zwei­ein­halb Jah­re dau­ern. Wer im Sep­tem­ber leer aus­ge­gan­gen ist, kann zu die­sem Ter­min er­neut sein Glück ver­su­chen.

Wer im Traum­be­ruf nichts be­kom­men hat, dem bleibt au­ßer­dem Zeit, sich noch ein­mal in Ru­he um­zu­se­hen, ob es noch an­de­re, in­ter­es­san­te Aus­bil­dun­gen gibt. Ist das der Fall, kann es Sinn ma­chen, bis zum 1. Fe­bru­ar in dem Job in ei­nem Be­trieb ein Prak­ti­kum zu ma­chen. Ob es vor Ort die Mög­lich­keit gibt, zum 1. Fe­bru­ar in die Leh­re zu star­ten, er­fra­gen Ju­gend­li­che am bes­ten bei den Kam­mern oder bei der Bun­des­ar­beits­agen­tur vor Ort.

- Ein­stiegs­qua­li­fi­zie­rung (EQ): Wer sehr schlech­te No­ten in den Haupt­fä­chern oder vie­le Fehl­stun­den hat, be­kommt häu­fig kei­nen Aus­bil­dungs­platz. Dann kann ei­ne EQ sinn­voll sein. «Ju­gend­li­che kön­nen im Rah­men ei­ner EQ im Be­trieb zei­gen, was sie drauf­ha­ben und so man­che schlech­te No­te wie­der wett­ma­chen», er­klärt Mo­haupt. Die EQ ist ei­ne Art Prak­ti­kum im Be­trieb, das min­des­tens sechs und ma­xi­mal zwölf Mo­na­te dau­ert. Schul­ab­gän­ger er­hal­ten wäh­rend der Zeit ei­ne Prak­ti­kums­ver­gü­tung. Im bes­ten Fall wer­den sie hin­ter­her in ei­ne re­gu­lä­re Aus­bil­dung über­nom­men.

Ha­ben Ju­gend­li­che die EQ durch­ge­hal­ten, sind die Über­nah­me­chan­cen gar nicht schlecht. In Ham­burg lie­gen sie bei über 80 Pro­zent, sagt Mo­haupt. Bei gu­ten Leis­tun­gen kön­nen Ju­gend­li­che sich die EQ bei ei­ner Über­nah­me auf die Aus­bil­dung in man­chen Fäl­len an­rech­nen las­sen.

- Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst: Wer noch nicht so rich­tig weiß, in wel­che Rich­tung es ge­hen soll, kann über ei­nen Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst (Buf­di) nach­den­ken. Die Ein­satz­zeit ist für Buf­dis in der Re­gel ein Jahr, sie kann aber auf sechs Mo­na­te ver­kürzt wer­den. Schul­ab­gän­ger ar­bei­ten et­wa bei der Feu­er­wehr, in Ki­tas oder bei Ret­tungs­diens­ten. Für die Zeit be­kom­men sie ein Ta­schen­geld. «Bei Ar­beit­ge­bern wird das häu­fig sehr ger­ne ge­se­hen, wenn Ju­gend­li­che so et­was ge­macht ha­ben», sagt Paul Eb­sen, Spre­cher bei der Bun­des­ar­beits­agen­tur.

Der Ein­stieg ist beim Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst das gan­ze Jahr über mög­lich, sagt Ul­rich Strei­cher vom Bun­des­amt für Fa­mi­lie und zi­vil­ge­sell­schaft­li­che Auf­ga­ben. Wer kurz­fris­tig sucht, soll­te sich nicht an das Bun­des­amt wen­den, son­dern di­rekt an die In­sti­tu­tio­nen. Ob es in der Um­ge­bung freie Stel­len gibt, lässt sich im Netz un­ter bun­des­frei­wil­li­gen­dienst.de her­aus­fin­den.

Auch ein Frei­wil­li­gen So­zia­les Jahr (FSJ) oder ein Frei­wil­li­ges Öko­lo­gi­sches Jahr (FÖJ) kön­nen in­ter­es­sant sein. FSJ und FÖJ be­gin­nen je­doch häu­fig wie die Aus­bil­dun­gen zum Au­gust oder Sep­tem­ber. Quer­ein­stie­ge sind al­ler­dings auch hier mög­lich, sagt Dia­na Pa­katchi von der Or­ga­ni­sa­ti­on Frei­wil­li­gen­diens­te in der Diö­ze­se Rot­ten­burg-Stutt­gart.

- Au­ßer­be­trieb­li­che Aus­bil­dung: Fin­den Ju­gend­li­che re­gu­lär kei­ne Lehr­stel­le, gibt es die Mög­lich­keit, ei­ne au­ßer­be­trieb­li­che Aus­bil­dung zu ma­chen. Ju­gend­li­che ler­nen nicht in ei­ner nor­ma­len Fir­ma et­wa In­dus­trie­kauf­mann, son­dern bei ei­nem Bil­dungs­trä­ger. Am En­de le­gen Aus­zu­bil­den­de aber die glei­che Ab­schluss­prü­fung bei den Kam­mern ab wie al­le an­de­ren. Die Aus­bil­dung wird von der Ar­beits­agen­tur be­zahlt. Wer sich da­für in­ter­es­siert, muss von der Ar­beits­agen­tur da­für vor­ge­schla­gen wer­den. Ju­gend­li­che re­den da­für am bes­ten mit ih­rem Be­rufs­be­ra­ter.

- Be­rufs­vor­be­rei­ten­de Bil­dungs­maß­nah­me: Sie kommt in­fra­ge, wenn Ju­gend­li­che noch nicht aus­bil­dungs­reif sind. Bis zu ei­nem Jahr be­su­chen sie dann Kur­se, um al­le Fä­hig­kei­ten zu er­wer­ben, die für ei­ne Leh­re not­wen­dig sind. «Das ist aber nur et­was für Ju­gend­li­che, die sich vor­stel­len kön­nen, wie­der die Schul­bank zu drü­cken», sagt Mo­haupt von der Han­dels­kam­mer. Die Maß­nah­men müs­sen von der Ar­beits­agen­tur be­wil­ligt wer­den, auch hier soll­ten Ju­gend­li­che mög­lichst rasch Kon­takt zur Ar­beits­agen­tur auf­neh­men.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 7. August 2018

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