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Opel-Sa­nie­rungs­plan steht: Ge­halts­ver­zicht für Stand­ort­si­che­rung

Die mo­na­te­lan­gen Ver­hand­lun­gen um ei­nen Spar­kurs beim an­ge­schla­ge­nen Au­to­bau­er Opel sind be­en­det: Die Ar­beit­neh­mer ver­zich­ten auf Ta­rif­er­hö­hun­gen, da­für sind al­le vier deut­schen Stand­or­te ge­si­chert - al­ler­dings muss das Werk Bo­chum Fe­dern las­sen
Handschlag Playmobil Kön­nen die Ar­beit­neh­mer von Opel end­lich auf­at­men?

01.03.2013. (dpa) - Auf sei­nem Kurs zu­rück in die schwar­zen Zah­len will der an­ge­schla­ge­ne Au­to­bau­er Opel auf ei­nen ra­di­ka­len Kahl­schlag ver­zich­ten.

Nach mo­na­te­lan­gen Ver­hand­lun­gen ha­ben sich Un­ter­neh­men und Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter ge­ei­nigt, den Aus­schluss be­triebs­be­ding­ter Kün­di­gun­gen um zwei Jah­re bis En­de 2016 zu ver­län­gern, wie die Adam Opel AG am Don­ners­tag in Rüs­sels­heim mit­teil­te.

In Bo­chum fal­len über ein Ab­fin­dungs­pro­gramm den­noch 700 Stel­len weg, nach 2016 wer­den dort kei­ne Au­tos mehr ge­baut.

Ei­nen Tag vor dem Amts­an­tritt des neu­en Vor­stands­vor­sit­zen­den Karl-Tho­mas Neu­mann kön­nen die Zen­tra­le in Rüs­sels­heim und die Stand­or­te Ei­se­nach und Kai­sers­lau­tern hin­ge­gen auf­at­men: Opel hat Pro­duk­ti­ons­zu­sa­gen für die Zeit nach 2015 ge­macht.

Die rhein­land-pfäl­zi­sche Re­gie­rungs­che­fin Ma­lu Drey­er (SPD) be­grüß­te die Ei­ni­gung. "Der Stand­ort Kai­sers­lau­tern ist ge­si­chert, und der ört­li­che Be­triebs­rat rech­net auch lang­fris­tig nicht mit ei­nem Stel­len­ab­bau. Das ist für die Men­schen in Kai­sers­lau­tern und der Pfalz ein wich­ti­ges und vor al­lem po­si­ti­ves Si­gnal", sag­te sie laut Mit­tei­lung. Auch für die Be­schäf­tig­ten in Bo­chum sei ein "trag­ba­res Er­geb­nis" er­zielt wor­den. "Heu­te ist ein gu­ter Tag für Opel und eben­so ein gu­ter Tag für GM: Die­ser Deutsch­land­plan ist ein wich­ti­ger Mei­len­stein für Opel, um Mit­te der De­ka­de wie­der die Ge­winn­schwel­le zu er­rei­chen. Wir wer­den da­mit un­se­re Kos­ten in den Griff be­kom­men", sag­te Opel-Auf­sichts­rats­chef Ste­ve Girs­ky.

Seit Ju­ni hat­ten das Ma­nage­ment, die IG Me­tall und der Be­triebs­rat über ein Spar­pro­gramm für den de­fi­zi­tä­ren Au­to­bau­er ver­han­delt. Opel lei­det un­ter der Ab­satz­kri­se in Eu­ro­pa, fährt mas­si­ve Ver­lus­te ein und muss die Kos­ten da­her drü­cken. Die US-Mut­ter Ge­ne­ral Mo­tors (GM) er­war­tet zur Mit­te des Jahr­zehnts wie­der schwar­ze Zah­len in Eu­ro­pa.

Für die Ver­län­ge­rung des Kün­di­gungs­schut­zes bis En­de 2016 müs­sen die Be­schäf­tig­ten in al­len deut­schen Wer­ken auf Geld ver­zich­ten. So stun­den sie Ta­rif­er­hö­hun­gen bis 2015 je­weils so lan­ge, bis die nächs­te Ta­rif­er­hö­hung in Kraft tritt, wie Ge­samt­be­triebs­rats­chef Wolf­gang Schä­fer-Klug er­klär­te. Zu­dem ent­fal­len über­ta­rif­li­che Ge­halts­an­tei­le, wie et­wa der über­ta­rif­li­che An­teil des Weih­nachts­gel­des.

Be­son­ders schwie­rig sei es ge­we­sen, ei­ne Zu­kunft für den Stand­ort Bo­chum zu er­rei­chen, sag­te Schä­fer-Klug: "Mit den jetzt er­reich­ten Ver­ein­ba­run­gen konn­te die Schlie­ßung des Stand­or­tes ver­hin­dert wer­den. Bo­chum bleibt ein Opel-Pro­duk­ti­ons­stand­ort." Auch Girs­ky be­ton­te, dass sich Opel nach dem Aus der Au­to­fer­ti­gung in Bo­chum nicht aus dem Ruhr­ge­biet zu­rück­zie­hen wer­de: "Wir wol­len un­ser Wa­ren­ver­teil­zen­trum in Bo­chum be­hal­ten. Wir wol­len ins­ge­samt rund 1200 ta­rif­ge­bun­de­ne Opel-Ar­beits­plät­ze in Bo­chum si­chern – und den Stand­ort zum Kom­po­nen­ten­werk um­wan­deln."

Dem­nach könn­ten rund 600 Ar­beits­plät­ze im La­ger­be­reich ver­blei­ben, 600 wei­te­re in ei­ner Kom­po­nen­ten­fer­ti­gung. Wel­che Tei­le dort her­ge­stellt wer­den, müs­se noch fest­ge­legt wer­den. Al­ler­dings wird die Pro­duk­ti­on in Bo­chum ab dem zwei­ten Quar­tal 2013 von Drei- auf Zwei­schicht­be­trieb um­ge­stellt. 700 Mit­ar­bei­tern bie­tet Opel bie­tet Ab­fin­dungs­an­ge­bo­te und Al­ters­teil­zeit­pro­gram­me an. Mit dem En­de der Au­to­pro­duk­ti­on in Bo­chum wird den Be­schäf­tig­ten für zwei Jah­re der Über­gang in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft an­ge­bo­ten, sag­te der Ge­samt­be­triebs­rats­vor­sit­zen­de.

Zu­sam­men mit Stadt und Land soll die Ent­wick­lungs­ge­sell­schaft "Bo­chum Per­spek­ti­ve 2022" zu­dem neue Ar­beits­plät­ze in Bo­chum schaf­fen. Das Un­ter­neh­men hofft auf et­wa 1000 zu­sätz­li­che Jobs. Zu­letzt be­schäf­tig­te Opel noch rund 3300 Men­schen in der Stadt. In Deutsch­land ins­ge­samt be­schäf­tigt Opel mehr als die Hälf­te sei­ner eu­ro­pa­weit 37 000 Mit­ar­bei­ter.

Nach Be­triebs­rats­an­ga­ben wur­den auch al­le Über­le­gun­gen be­gra­ben, die zen­tra­le Fer­ti­gungs­pla­nung oder den Pro­to­ty­pen­bau aus Rüs­sels­heim ab­zu­zie­hen und sie an Fremd­fir­men zu ver­ge­ben oder ins Aus­land zu ver­la­gern. Im In­ge­nieurs­be­reich gal­ten 700 Jobs als be­droht. Das sei vom Tisch, sag­te Schä­fer-Klug: "Im En­gi­nee­ring blei­ben al­le Stel­len er­hal­ten." Opel be­stä­tig­te, dass das Rüs­sels­hei­mer Ent­wick­lungs­zen­trum mit rund 7000 Be­schäf­tig­ten in­te­gra­ler Be­stand­teil im in­ter­na­tio­na­len GM-Ent­wick­lungs­ver­bund blei­be.

Nach der Ei­ni­gung lau­fen am Fer­ti­gungs­ort Ei­se­nach so­wie in Rüs­sels­heim auch nach 2015 je zwei Mo­del­le vom Band. Auch die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on des Flagg­schiffs In­si­gnia wer­de ex­klu­siv in Rüs­sels­heim ge­baut. Zu­dem wer­de das F40-Ge­trie­be wei­ter am Fir­men­sitz ge­fer­tigt. Das Opel-Kom­po­nen­ten­werk in Kai­sers­lau­tern wird eben­falls über 2016 hin­aus ge­si­chert. Opel pla­ne dort auch in Zu­kunft mit rund 1800 Mit­ar­bei­tern, teil­te das Un­ter­neh­men mit.

GM-Vi­ze Girs­ky sag­te zu­dem mil­li­ar­den­schwe­re In­ves­ti­tio­nen zu: "Der Schlüs­sel zu nach­hal­ti­ger Be­schäf­ti­gung ist Wachs­tum. Der Schlüs­sel zu Wachs­tum sind In­ves­ti­tio­nen. Wir wer­den den Deutsch­land­plan mit ei­ner mil­li­ar­den­schwe­ren Mo­dell­of­fen­si­ve un­ter­stüt­zen." Dem­nach wer­de Opel in neue Seg­men­te und Märk­te vor­sto­ßen.

Über ent­schei­den­de De­tails des Zu­kunfts­pro­gramms muss ab Mon­tag wei­ter ver­han­delt wer­den, sag­te Bert­hold Hu­ber, Ers­ter Vor­sit­zen­der der IG Me­tall: "Erst wenn das gan­ze Pa­ket vor­liegt, kön­nen wir es un­se­ren Mit­glie­dern zur Ab­stim­mung stel­len"

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Letzte Überarbeitung: 6. Dezember 2014

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