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ARBEITSRECHT AKTUELL // 13/021

Opel am Ab­grund

Hef­ti­ger Streit um Spar­kurs: IG Me­tall for­dert Ga­ran­ti­en für Be­schäf­tig­te und Stand­or­te bis min­des­tens 2016
Streik viele Streikende

30.01.2013 (dpa) - Das Sä­bel­ras­seln bei Opel wird lau­ter. Vor den ent­schei­den­den Ge­sprä­chen um den Spar­plan für den an­ge­schla­ge­nen Au­to­bau­er brin­gen sich Ar­beit­neh­mer und Ma­nage­ment mit weit­rei­chen­den For­de­run­gen in Po­si­ti­on.

Zwar schät­zen bei­de Sei­ten die Aus­gangs­la­ge ähn­lich ein. Al­le wis­sen, was die IG Me­tall glas­klar for­mu­liert: Opel steht am Ab­grund, die Wer­ke sind nur zur Hälf­te aus­ge­las­tet, die Ver­lus­te nicht mehr lan­ge trag­bar.

Doch wäh­rend das Un­ter­neh­men er­neut tie­fe Ein­schnit­te plant, ver­langt die Ar­beit­neh­mer­sei­te Ga­ran­ti­en für Ar­beits­plät­ze und Wer­ke, mög­lichst über 2016 hin­aus. Auch für die Fi­nan­zie­rung. Kurz­fris­tig sei zwar vor al­lem das Werk Bo­chum be­trof­fen, mit­tel­fris­tig aber kein Stand­ort ge­si­chert. Statt Stel­len­ab­bau und Werk­schlie­ßung er­war­ten sie ei­nen of­fen­si­ven Blick nach vor­ne: Ei­ne Wachs­tums­stra­te­gie mit zu­sätz­li­chen Ar­beits­plät­zen an al­len Stand­or­ten.

Die Zeit drängt, denn Opel-Auf­sichts­rats­chef Ste­ve Girs­ky ist mit der Ge­duld am En­de. Er setz­te den Ver­hand­lungs­part­nern die Pis­to­le auf die Brust: Ge­lingt spä­tes­tens im Fe­bru­ar kei­ne Ei­ni­gung, macht das Ma­nage­ment im Al­lein­gang Nä­gel mit Köp­fen und schließt die Au­to­fer­ti­gung in Bo­chum En­de 2014 - statt zwei Jah­re spä­ter.

Girs­ky be­grün­de­te die Ei­le mit der schwie­ri­gen Si­tua­ti­on, in der Opel an­ge­sichts der ka­ta­stro­pha­len Ent­wick­lung des Au­to­markts in Eu­ro­pa steckt.

Er dürf­te aber auch ei­nen an­de­ren Grund ha­ben: Der ehe­ma­li­ge VW-Ma­na­ger Karl-Tho­mas Neu­mann wird zum 1. März den Chef­pos­ten beim kri­seln­den Au­to­bau­er Opel über­neh­men - Neu­mann könn­te be­reits an die­sem Don­ners­tag vom Opel-Auf­sichts­rat be­ru­fen wer­den.

Gut denk­bar, dass mög­li­che un­an­ge­neh­me Ein­schnit­te bis da­hin vom Tisch sein sol­len, da­mit der Hoff­nungs­trä­ger es sich nicht gleich mit den Ar­beit­neh­mern ver­spielt. Denn die Ge­schäfts­füh­rung will die Fix­kos­ten bis 2015 um wei­te­re 375 Mil­lio­nen Eu­ro sen­ken - und er­war­tet un­ter an­de­rem, dass die Ar­beit­neh­mer auf Ta­rif­er­hö­hun­gen ver­zich­ten, bis Opel wie­der schwar­ze Zah­len schreibt.

Die­se bit­te­re Pil­le wird die IG Me­tall nicht schlu­cken. Je­den­falls nicht un­ge­süßt. Denn im­mer­hin er­in­nert die Ta­rif­kom­mis­si­on der Ge­werk­schaft bei Opel schon mal de­zent an das Pforz­hei­mer Ab­kom­men - und das er­laubt be­fris­te­te Ab­wei­chun­gen vom Flä­chen­ta­rif in der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie. Das si­gna­li­siert Kom­pro­miss-Be­reit­schaft. Auch die jüngs­te Ta­rif­er­hö­hung von 4,3 Pro­zent stun­den die Opel­aner dem Un­ter­neh­men. Aber nur bis spä­tes­tens April, denn sonst wür­de die Er­hö­hung nicht ta­bel­len­wirk­sam.

Gleich­zei­tig be­to­nen Ge­werk­schaft und Be­triebs­rat aber auch: "Wir ak­zep­tie­ren kein dau­er­haf­tes Un­ter­schrei­ten des Flä­chen­ta­rif­ver­tra­ges." Die IG Me­tall wer­de nie­mals hin­neh­men, dass Opel fak­tisch aus der Ta­rif­struk­tur der Au­to­mo­bil­in­dus­trie aus­steigt.

Als wä­re die Ge­men­ge­la­ge an­ge­sichts der rie­si­gen Pro­blem­ber­ge nicht schon kom­pli­ziert ge­nug, zie­hen nicht ein­mal al­le Be­triebs­rä­te an ei­nem Strang. Im­mer wie­der muss Ge­samt­be­triebs­rats­chef Wolf­gang Schä­fer-Klug sei­nen Bo­chu­mer Kol­le­gen Rai­ner Ei­nen­kel ein­fan­gen, dem er "Ge­tö­se, Falsch­in­for­ma­tio­nen und Droh­ge­bär­den" vor­wirft. Ei­nen­kel kämpft mit Macht dar­um, den Stand­ort Bo­chum mög­lichst un­ge­stutzt zu er­hal­ten, Schä­fer-Klug hat die Ge­samt­be­leg­schaft im Blick.

Da­bei ist längst klar: Das Un­ter­neh­men wird die Au­to­fer­ti­gung in Bo­chum ein­stel­len, frag­lich ist nur noch der Zeit­punkt. "Ei­ne har­te Sa­nie­rung ist er­for­der­lich, Opel geht es noch schlech­ter als Peu­geot", sagt Ana­lyst Jür­gen Pie­per vom Bank­haus Metz­ler. Die US-Mut­ter Ge­ne­ral Mo­tors (GM) müs­se Opel seit Jah­ren am Le­ben hal­ten, weil al­le bis­he­ri­gen Re­struk­tu­rie­run­gen zu kurz ge­grif­fen hät­ten: "Es macht kei­nen Sinn, bei die­sen ex­tre­men Ver­lus­ten die Si­cher­heit der Ar­beits­plät­ze zu ver­lan­gen."

Ei­nen­kel sieht das an­ders. Auch die Re­so­lu­ti­on der Ta­rif­kom­mis­si­on trägt er nicht kom­plett mit. Denn dar­in wer­de das En­de der Fahr­zeug­pro­duk­ti­on in Bo­chum prak­tisch ak­zep­tiert: "Da­mit schwä­chen wir un­se­re Ver­hand­lungs­po­si­ti­on." Von ei­nem Streit mit der IG-Me­tall und im Ge­samt­be­triebs­rat will er aber nichts wis­sen: "Das Un­ter­neh­men spielt die Wer­ke ger­ne ge­gen­ein­an­der aus. Ich hof­fe, dass die Rüs­sels­hei­mer Kol­le­gen klug ge­nug sind, nicht dar­auf rein­zu­fal­len."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 23. Juli 2014

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