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Out­pla­ce­ment­be­ra­tung im Auf­wind

Bun­des­ver­band Deut­scher Un­ter­neh­mens­be­ra­ter ist op­ti­mis­tisch für das lau­fen­de Jahr
Be­wer­bungs­coach

27.02.2014. (dpa) - Es gibt Mo­men­te, da wür­de man selbst Ge­or­ge Cloo­ney nicht gern be­geg­nen. Im Film "Up in the Air" spielt der Frau­en­schwarm ei­nen so­ge­nann­ten Out­pla­ce­ment-Be­ra­ter, der Mit­ar­bei­tern er­klärt, dass sie ge­feu­ert sind.

Auch in der Rea­li­tät grei­fen Un­ter­neh­men auf Out­pla­ce­ment zu­rück. Al­ler­dings nicht, um ei­ne Kün­di­gung über­brin­gen zu las­sen, son­dern um schei­den­den Leu­ten naht­los ei­nen neu­en Job zu ver­mit­teln.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Kein Wun­der: Letzt­lich pro­fi­tiert da­von näm­lich auch der Ar­beit­ge­ber.

"Es spricht für die Fir­men­kul­tur, wenn Mit­ar­bei­ter über den Weg der Out­pla­ce­ment-Be­ra­tung auch ehe­ma­li­ge Kol­le­gen gut ver­sorgt wis­sen", er­klärt ein Spre­cher des Fi­nanz­kon­zerns Wüs­ten­rot & Würt­tem­ber­gi­sche (W&W). "Dies un­ter­stützt emo­tio­nal auch die, die blei­ben." Der Kon­zern will bis En­de 2015 auf 800 Ar­beits­plät­ze we­ni­ger kom­men. Der Ab­bau soll mög­lichst durch frei­wil­li­ge Maß­nah­men er­reicht wer­den.

Ge­ra­de in sol­chen Fäl­len ist Out­pla­ce­ment ei­ne Mög­lich­keit. "Es gibt auch Fäl­le, wo ein klei­ner An­schub nö­tig ist", sagt Ca­te­ri­ne Schwierz von der Out­pla­ce­ment-Be­ra­tung von Rund­stedt und Part­ner. "Da ist es ei­ne häu­fi­ge Mo­ti­va­ti­on von Un­ter­neh­men, in die Tren­nungs­kul­tur zu in­ves­tie­ren." Von Rund­stedt ist mit 200 Be­ra­tern und rund 2000 Kli­en­ten jähr­lich ei­ner der gro­ßen deut­schen An­bie­ter.

Der al­te Job weg und schon ein neu­er - funk­tio­niert das denn auch? Zu­letzt gal­ten 69 Pro­zent der Kan­di­da­ten in­ner­halb ei­nes hal­ben Jah­res als ver­mit­telt, wie der Bun­des­ver­band Deut­scher Un­ter­neh­mens­be­ra­ter (BDU) er­klärt. Nach ei­nem Jahr wa­ren es schon 90 Pro­zent.

In vie­len Fäl­len fin­de der Job­su­chen­de über ei­ge­ne Kon­tak­te et­was Neu­es, sagt Schwierz. Die Be­ra­ter hel­fen vor al­lem, Netz­wer­ke rich­tig zu nut­zen, ge­ben Tipps für Vor­stel­lungs­ge­sprä­che, mö­beln den Le­bens­lauf auf - und er­grün­den, wel­che Stel­len über­haupt zu den Su­chen­den pas­sen.

Bun­des­weit gibt es nach BDU-An­ga­ben et­wa 50 dar­auf spe­zia­li­sier­te Be­ra­tungs­un­ter­neh­men. Ih­re Diens­te sind ge­fragt: Der Um­satz der Out­pla­ce­ment-Bran­che stieg 2013 dem­nach um 8,5 Pro­zent auf ein All­zeit­hoch von 74 Mil­lio­nen Eu­ro. Für das lau­fen­de Jahr er­war­tet der Ver­band ei­ne Stei­ge­rung auf 83 Mil­lio­nen Eu­ro.

Die Grün­de da­für lie­gen auf der Hand: "Tren­nun­gen sind ein­fa­cher mög­lich, weil der aus­schei­den­de Mit­ar­bei­ter ei­ne be­ruf­li­che Per­spek­ti­ve auf­ge­zeigt be­kommt", heißt es in ei­ner ak­tu­el­len BDU-Stu­die zum The­ma. Un­ter­neh­men kön­nen dem­nach dop­pelt spa­ren: Sie ver­mei­den nicht nur lang­wie­ri­ge und teu­re Rechts­strei­tig­kei­ten, son­dern spa­ren auch Kos­ten, in­dem sie die Rest­lauf­zei­ten be­ste­hen­der Ar­beits­ver­trä­ge kür­zen kön­nen.

Beim Tech­nik­kon­zern Bosch spricht man auch von "so­zia­ler Ver­ant­wor­tung". Dort kön­nen Füh­rungs­kräf­te im Rah­men ei­nes "Ab­fin­dungs­pa­kets" Out­pla­ce­ment-Be­ra­ter be­kom­men, wie ein Spre­cher er­klärt. Auch der Au­to­bau­er Daim­ler greift dar­auf bei Be­darf zu­rück, um sich oh­ne Kon­flik­te von Mit­ar­bei­tern tren­nen zu kön­nen.

Un­ter­neh­men las­sen sich das ei­ni­ges kos­ten: Zu­letzt wa­ren es nach BDU-An­ga­ben rund 22 Pro­zent des Jah­res­ge­halts ei­nes Mit­ar­bei­ters. Fest­prei­se la­gen bei un­be­grenz­ter Be­ra­tung im Schnitt bei 22 000 Eu­ro - dann gibt der Out­pla­ce­ment-Be­ra­ter auch ei­ne Art Job­ga­ran­tie.

Nicht in je­dem Fall läuft das Pro­gramm er­folg­reich: "Ich ha­be noch kei­ne neue Stel­le", sagt et­wa die Jour­na­lis­tin Su­san­ne Klein, die nach dem Aus der Zei­tung "Fi­nan­ci­al Ti­mes Deutsch­land" ei­nen Job sucht. "Ich bin 53. Das ist ein sehr kri­ti­sches Al­ter."

Out­pla­ce­ment-Be­ra­ter brach­ten zwar ih­ren Le­bens­lauf auf Vor­der­mann und schul­ten sie für Be­wer­bun­gen. Ei­ne Stel­le ver­mit­teln konn­ten sie ihr letzt­lich aber nicht. Klein: "Ob es im­mer so hilf­reich ist, wie sich der Ar­beits­markt das vor­stellt, wa­ge ich zu be­zwei­feln."

Angst, wie im Film von ei­nem Out­pla­ce­ment-Be­ra­ter die Kün­di­gung über­bracht zu be­kom­men, braucht hier­zu­lan­de aber nie­mand ha­ben: "Die Tren­nungs­bot­schaft wird vom Un­ter­neh­men über­mit­telt", be­tont Schwierz von von Rund­stedt und Part­ner. "Wir sind die­je­ni­gen, die da­nach da sind."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 20. August 2014

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