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In­sol­ven­te P+S-Werft wird ver­kauft

Lürs­sen-Werft be­kommt Zu­schlag für in­sol­ven­te P+S-Werft in Wol­gast
Hunderteuroscheine Wie­viel Geld die Bre­mer für die P+S-Werft zah­len wer­den ist noch nicht be­kannt

12.12.2012 (dpa/lni) - Im Kauf­ver­fah­ren um die in­sol­ven­te P+S-Werft in Wol­gast be­kommt vor­aus­sicht­lich die seit Wo­chen als Fa­vo­rit ge­han­del­te Bre­mer Lürs­sen-Werft den Zu­schlag. Wie die Nach­rich­ten­agen­tur dpa aus zu­ver­läs­si­ger Quel­le er­fuhr, hat Lürs­sen das bes­te An­ge­bot vor­ge­legt. Da­nach wol­le die Werft mehr als 350 von einst rund 540 Ar­beits­plät­zen er­hal­ten. Lürs­sen ist wie die Wol­gas­ter P+S-Werft im Ma­ri­ne­schiff­bau tä­tig. Zu­dem will Lürs­sen of­fen­bar auch Auf­trä­ge für den Be­trieb in Wol­gast mit­brin­gen. "Bei bei­den Werf­ten passt es ein­fach", hieß es. Da­mit wur­de ein Be­richt der "Ost­see-Zei­tung" vom Diens­tag be­stä­tigt. Bis­lang ist die Ar­beit in Wol­gast mit dem Bau von Schif­fen für die schwe­di­sche Küs­ten­wa­che bis Mai 2013 ge­si­chert.

Auch für die Schwes­ter­werft in Stral­sund zeich­net sich mög­li­cher­wei­se ei­ne Lö­sung ab. Bis­lang gibt es für die Werft, auf der die mit tech­ni­schen Pro­ble­men be­haf­te­ten Scand­li­nes-Fäh­ren ge­baut wur­den, kein kon­kre­tes Kauf­an­ge­bot. Die In­sol­venz­ver­wal­tung er­war­tet aber bis En­de De­zem­ber ers­te un­ver­bind­li­che An­ge­bo­te, wie ein Spre­cher sag­te. In­zwi­schen ge­be es ers­te In­ter­es­sen­ten. Für Stral­sund wird der­zeit die Grün­dung ei­ner Be­trei­ber­ge­sell­schaft vor­be­rei­tet, um zwei Schif­fe für die dä­ni­sche Ree­de­rei DFDS fer­tig­stel­len zu kön­nen.

Nach dpa-In­for­ma­tio­nen wer­den der­zeit De­tails des Kauf­ver­tra­ges zwi­schen der Lürs­sen-Werft und der In­sol­venz­ver­wal­tung ver­han­delt. Da­bei soll es un­ter an­de­rem um den ge­nau­en Kauf­preis ge­hen. Die in der "Ost­see-Zei­tung" ge­nann­te Sum­me von 20 Mil­lio­nen EUR wur­de zu­nächst nicht be­stä­tigt. Der Spre­cher des In­sol­venz­ver­wal­ters Bert­hold Brink­mann ver­wies auf die nächs­te Sit­zung des Gläu­bi­ger­aus­schus­ses. Am 17. De­zem­ber wird der Aus­schuss über den Kauf­ver­trag mit Lürs­sen ent­schei­den.

Ne­ben Lürs­sen hat­ten die ara­bi­sche ADM-Grup­pe und die Ros­to­cker Tam­sen-Werft ein An­ge­bot ab­ge­ge­ben. Je­doch hat­ten die bei­den Mit­bie­ter ent­we­der we­ni­ger Ar­beits­plät­ze in Aus­sicht ge­stellt oder ei­ne nicht so gu­te Auf­trags­per­spek­ti­ve bie­ten kön­nen, wie es hieß. Die Bre­mer Werft woll­te sich bis­lang nicht zu den Ver­hand­lun­gen äu­ßern.

Der IG-Me­tall-Be­voll­mäch­tig­te Gui­do Frösch­ke sag­te, der bes­te Kan­di­dat für Wol­gast sei der, der die meis­ten Be­schäf­tig­ten zu den bes­ten Be­din­gun­gen über­nimmt. Das Kon­zept von Lürs­sen sei aber bis­lang we­der der Ge­werk­schaft noch dem Be­triebs­rat be­kannt. "Es ist nicht schlecht, dass sich ein Käu­fer ge­fun­den ha­ben soll. Jetzt fra­gen sich die Mit­ar­bei­ter, wer wird da­bei sein und wer muss ge­hen", sag­te Be­triebs­rat Frick.

Am 1. No­vem­ber war das In­sol­venz­ver­fah­ren für die P+S-Werf­ten in Wol­gast und Stral­sund mit einst 1.750 Mit­ar­bei­tern er­öff­net wor­den. In Stral­sund wech­sel­ten rund 1.000 Schiff­bau­er in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft. In Wol­gast gin­gen rund 110 Mit­ar­bei­ter in die Auf­fang­ge­sell­schaft.

In der Po­li­tik stieß der be­vor­ste­hen­de Ver­kauf auf ein po­si­ti­ves Echo. SPD-Frak­ti­ons­chef Nor­bert Nies­ze­ry sag­te, die ge­plan­te Über­nah­me sei ei­ne sehr gu­te Nach­richt für die Be­schäf­tig­ten in Wol­gast und ein wich­ti­ges Si­gnal für den Schiff­bau­stand­ort Meck­len­burg-Vor­pom­mern. "Für die Lürs­sen-Werft spricht vor al­lem die Be­reit­schaft, fast al­le Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter zu über­neh­men und der Werft ei­ne zu­kunfts­fes­te Per­spek­ti­ve zu ge­ben." Der CDU-Frak­ti­ons­chef Vin­cent Ko­kert sag­te, der Ver­kauf an die eben­falls im Ma­ri­ne­schiff­bau tä­ti­ge Lürs­sen-Werft ge­be Wol­gast ei­ne si­che­re Zu­kunft.

Der CDU-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mat­thi­as Lietz (CDU) fand nach­denk­li­che Wor­te. Er mahn­te, Wol­gast dür­fe nicht zur ver­län­ger­ten Werk­bank wer­den. Es nüt­ze nichts, wenn Ent­schei­dun­gen wo­an­ders ge­trof­fen wür­den. "Wir brau­chen in Wol­gast ein voll­stän­di­ges Un­ter­neh­men vom Kopf, über die Ver­wal­tung, die Fi­nanz­ab­tei­lung bis hin zu den Ar­bei­tern."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

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