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Die größ­ten Pat­zer in Vor­stel­lungs­ge­sprä­chen

Ge­sangs­ein­la­ge und Trä­nen­aus­bruch – wenn Vor­stel­lungs­ge­sprä­che zum Va­rie­té wer­den
Handschlag Playmobil Der ers­te Ein­druck ist oft ent­schei­dend
20.03.2012. Ein Vor­stel­lungs­ge­spräch ist im­mer ei­ne be­son­de­re Si­tua­ti­on, die trotz al­ler Vor­be­rei­tung nie bis ins Letz­te durch­ge­plant wer­den kann. Hin­zu kom­men Exis­tenz­sor­gen, z.B. nach lan­ger Ar­beits­lo­sig­keit. Be­wer­bungs­ge­sprä­che lö­sen da­her oft Angst­ge­füh­le bei den Be­wer­bern aus.

„Hof­fent­lich ha­be ich kei­nen Black­out und hof­fent­lich wer­den mir im In­ter­view kei­ne Fra­gen ge­stellt, die ich nicht be­ant­wor­ten kann.“ Dies sind Sor­gen, die wahr­schein­lich je­der schon ein­mal er­lebt hat. Hin­zu kommt noch die Furcht da­vor, dass die ei­ge­ne Ner­vo­si­tät und Un­si­cher­heit je­man­dem auf­fällt. Es ist al­so die Angst vor der ei­ge­nen Un­si­cher­heit, die den Be­wer­bern zu schaf­fen ma­chen kann.

Der Kon­kur­renz­druck un­ter den Be­wer­bern und das Ban­gen um fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit füh­ren in der Pra­xis tat­säch­lich häu­fig zu Pat­zern in Vor-stel­lungs­ge­sprä­chen. Dies be­legt ei­ne Um­fra­ge, die von Ca­re­er­buil­der.de in der Zeit von 03. bis zum 08.06.2011 durch­ge­führt wur­de. Be­fragt wur­den 547 Ge­schäfts­füh­rer, Di­rek­to­ren und Ma­na­ger mit Per­so­nal­ver­ant­wor­tung aus Deutsch­land, Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich, Ita­li­en und Schwe­den. Rea­li­siert hat die Be­fra­gung „shape the fu­ture“, ei­ne auf On­line-Um­fra­gen spe­zia­li­sier­te Markt­for­schungs­agen­tur.

Die Er­he­bung be­legt, dass es auch Per­so­nal­ver­ant­wort­li­che oft nicht leicht ha­ben - und sei es auch nur in­fol­ge des Höf­lich­keits­ge­bots, nicht ein­fach los­zu­la­chen. So wur­de be­rich­tet, dass ein Be­wer­ber ver­such­te, mit ei­ner Ge­sangs­ein­la­ge zu punk­ten. Er brach­te sei­ne Gi­tar­re mit zum Vor­stel­lungs­ge­spräch, um der ver­sam­mel­ten Mann­schaft ein Lied zu sin­gen.

Dass Ein­stel­lungs­ge­sprä­che den Be­wer­bern oft auch Ver­dau­ungs­pro­ble­me be­sche­ren, be­weist die Tat­sa­che, dass der Un­ter­su­chung zu­fol­ge ein Kan­di­dat den Ge­sprächs­lei­ter nicht mit dem üb­li­chen „Hal­lo“ oder „Gu­ten Tag“ son­dern mit: „Wo ist die Toi­let­te?“ be­grüß­te.

Mehr Si­cher­heit im Vor­stel­lungs­ge­spräch kann man da­durch ge­win­nen, dass man vor dem Ter­min zum Fri­seur geht oder sich ein neu­es Out­fit zu­legt. Das so ge­won­ne­ne neue Selbst­be­wusst­sein soll­te aber nicht da­zu ver­lei­ten, den Ge­sprächs­part­ner nach sei­ner Pri­vat­adres­se zu fra­gen, um ihm spä­ter Blu­men zu schi­cken, oder da­zu, sich von der Ge­sprächs­lei­te­rin mit ei­nem Kuss zu ver­ab­schie­den.

Auch die Klei­der­wahl ist manch­mal un­an­ge­bracht sein, et­wa bei ei­nem Kan­di­da­ten, der im Be­wer­bungs­ge­spräch in T-Shirt mit der Auf­schrift „Ich has­se Ar­beit“ trug. Ein an­de­rer Be­wer­ber ir­ri­tier­te sei­ne Ge­sprächs­part­ner, in­dem er sich wäh­rend des Ge­sprä­ches die Schu­he aus­zog.

Es mag auch hilf­reich sein, mit ei­nem ver­trau­ten Ge­gen­stand als Glücks­brin­ger in das Be-wer­bungs­ge­spräch zu ge­hen. Den soll­te man al­ler­dings de­zent im Hin­ter­grund las­sen. Un­pas­send wä­re es da­her, wie es ein Be­wer­ber tat­säch­lich ge­tan hat, ei­nen Ro­sen­kranz mit in den Ter­min zu neh­men und mit die­sem das ge­sam­te Ge­spräch hin­durch zu klap­pern.

Es soll bei der Stress­be­wäl­ti­gung an­geb­lich auch hel­fen, sich die Per­so­nal­ver­ant­wort­li­chen in an­de­ren Si­tua­tio­nen vor­zu­stel­len (z.B. im Spi­der­man-Kos­tüm), um sie so zu se­hen, wie sie tat­säch­lich sind - als nicht per­fek­te Men­schen mit ih­ren ei­ge­nen Sor­gen und Nö­ten. Aber auch sol­che „De­gra­die­run­gen“ soll­te man nicht über­trei­ben, wie es ein Be­wer­ber tat, der die Ge­sprächs­lei­te­rin wäh­rend der ge­sam­ten Un­ter­re­dung mit „klei­ne al­te Frau“ an­sprach. Auch ei­ne all­zu sport­li­che Be­grü­ßung mit ei­ner „high-Fi­ve“ kam nicht gut an.

Ei­ni­gen Be­wer­bern fehlt an­schei­nend jeg­li­che pro­fes­sio­nel­le Dis­tanz, so wie dem Kan­di­da­ten, der wäh­rend des In­ter­views dar­über sprach, wie de­pri­mie­rend es sei, kei­ne Part­ne­rin zu ha­ben. Kei­nen gu­ten Ein­druck mach­te auch ei­ne Be­wer­be­rin, die wäh­rend des Ge­sprä­ches ein Te­le­fo­nat ent­ge­gen­nahm und mit ih­rem Part­ner die Ein­kaufs­lis­te durch­ging.

Die Kör­per­spra­che nimmt eben­so ei­nen er­heb­li­chen Stel­len­wert in Be­wer­bungs­ge­sprä­chen ein. Ei­ne be­que­me Sitz­hal­tung und ei­ne ent­spann­te Mi­mik und Ges­tik hel­fen da­bei, lo­cke­rer zu wer­den. Stän­di­ges Wip­pen, das Ver­mei­den von Au­gen­kon­takt und ei­ne stei­fe Sitz­hal­tung sug­ge­rie­ren dem Ge­gen­über hin­ge­gen, dass man un­si­cher und ner­vös ist. Die­ser Um­stand äu­ßer­te sich bei­spiels­wei­se auch, bei ei­nem Kan­di­da­ten der ge­treu dem Mot­to „nor­ma­le Tü­ren kann je­der“ nicht durch ei­ne Dreh­tür kam, weil er die­se stän­dig in die fal­sche Rich­tung drück­te. Ein an­de­rer tes­te­te zu­nächst den Bo­den­be­lag, denn er ver­fehl­te kom­plett den Stuhl, als er sich set­zen woll­te.

Um un­nö­ti­gen Stress auf dem Weg zum Be­wer­bungs­ge­spräch zu ver­mei­den, soll­te man sich pünkt­lich auf den Weg ma­chen und sich kom­pli­zier­te An­fahrts­we­ge mög­lichst ge­nau vor­ab an­se­hen. Wer dies nicht tut, ist mög­li­cher­wei­se schon zu Be­ginn des Ge­sprächs nerv­lich am En­de. So er­ging es ei­nem Be­wer­ber, der auf die Fra­ge, ob er denn gut her­ge­fun­den hät­te, in Trä­nen aus­brach.

Fa­zit: Vor­be­rei­tungs­ri­tua­le kön­nen hel­fen, sich auf ein Be­wer­bungs­ge­spräch ein­zu­stim­men. Da­zu ge­hört ein Be­such der Web­sei­te des Ar­beit­ge­bers, das Ein­ho­len von In­for­mie­ren über sei­ne Pro­duk­te, ein aus­ge­dehn­ter Spa­zier­gang oder ein Fri­seur­be­such. Vor al­lem soll­te man nie oh­ne Fra­gen an den Ar­beit­ge­ber in ein Vor­stel­lungs­ge­spräch ge­hen, denn die­ses dient nicht nur dem Ar­beit­ge­ber da­zu, den Kan­di­da­ten ken­nen zu ler­nen. Auch die Be­wer­ber ha­ben hier die Mög­lich­keit, ih­ren po­ten­ti­el­len neu­en Ar­beit­ge­ber nä­her zu be­trach­ten. Gu­te Fra­gen wer­den von Be­wer­bern er­war­tet.

Be­ach­tet man die­se Re­geln, läuft man nicht Ge­fahr, nach der Hälf­te des Ge­sprä­ches re­si­gniert das Hand­tuch zu wer­fen und mit den Wor­ten „Ich ge­be auf“ den Raum zu ver­las­sen, wie ein Be­wer­ber es laut der Be­fra­gung tat­säch­lich ge­tan hat.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

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