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ARBEITSRECHT AKTUELL // 12/308

Pen­deln zur Ar­beit bringt Pro­ble­me mit sich

Die ver­lo­re­ne Zeit - Pen­deln kann krank ma­chen
War­ten auf den Zug - das stresst!
17.09.2012 (dpa/tmn) – Ihr Mor­gen ist durch­ge­tak­tet: Um 6.00 Uhr klin­gelt bei Kers­tin Götz in Pop­pen­richt in Bay­ern der We­cker. Um 6.25 Uhr fährt sie mit dem Au­to zum Bahn­hof. Dann noch schnell zum Bä­cker und ei­nen Kaf­fee ho­len. Um 6.47 Uhr geht ihr Zug nach Re­gens­burg, ein kur­zer Fuß­marsch und um 7.45 Uhr ist sie bei der Ar­beit. Götz macht die­se Tour an fünf Ta­gen in der Wo­che. Ei­ne Stre­cke ist 75 Ki­lo­me­ter lang. Sie ge­nießt es, auf dem Dorf zu woh­nen und trotz­dem nach ih­rem Stu­di­um nicht auf ei­nen gu­ten Job ver­zich­ten zu müs­sen. Trotz­dem sagt sie: "Man ist schon im­mer ganz schön fer­tig."

Ih­re Pro­ble­me ken­nen al­le, die täg­lich zur Ar­beit pen­deln. "Die Pen­del­be­reit­schaft steigt mit hö­he­rem Ein­kom­men und hö­he­rer Qua­li­fi­ka­ti­on. Die­ser Trend ver­schwimmt aber im­mer mehr", sagt An­net­te Haas vom In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung. Auch Be­völ­ke­rungs­grup­pen mit ge­rin­ge­rem Ein­kom­men müss­ten im­mer mo­bi­ler sein.

Laut den Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts sind Fern­pend­ler pro Stre­cke im Schnitt 74 Mi­nu­ten un­ter­wegs. Als Fern­pend­ler gel­ten al­le, die min­des­tens 60 Mi­nu­ten für Hin- und Rück­weg un­ter­wegs sind. Die Mehr­heit der Fern­pend­ler fährt an fünf Ta­gen die Wo­che die Stre­cke. Zwi­schen Wohn­ort und Ar­beits­ort lie­gen im Durch­schnitt 55 Ki­lo­me­ter. Über die Hälf­te der Fern­pend­ler fährt mit dem Au­to. Et­was we­ni­ger (43 Pro­zent) neh­men die öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel.

Kers­tin Götz hat sich für die Bahn ent­schie­den, weil sie sich den Stress bei der Au­to­fahrt er­spa­ren woll­te. Da­mit hat sie laut dem Pend­ler­for­scher Stef­fen Häf­ner ge­nau rich­tig ge­han­delt: "Das Fah­ren mit den öf­fent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln ist ge­sün­der und ner­ven­scho­nen­der", sagt er. Am bes­ten sei es, ei­ne Ver­bin­dung zu neh­men, bei der Be­schäf­tig­te mög­lichst we­nig um­stei­gen müs­sen. Im­mer wie­der ei­nen Sitz­platz su­chen zu müs­sen, emp­fin­den vie­le als stres­sig.

Au­ßer­dem könn­ten Pend­ler die Zeit in Bus und Bahn auch viel bes­ser nut­zen. Das gel­te vor al­lem für län­ge­re Fahr­ten. "Man kann le­sen oder ar­bei­ten", sagt Ver­kehrs­for­scher Bas­ti­an Chlond. Man­che könn­ten so­gar schla­fen.

Um die Fahrt an­ge­neh­mer zu ma­chen, soll­ten sich Pend­ler ei­ne Be­schäf­ti­gung su­chen. Egal, was der Ein­zel­ne kon­kret macht: Laut Stef­fen Häf­ner ist nur wich­tig, der Fahr­zeit über­haupt ei­nen Sinn zu ge­ben. Dann wer­den die St­un­den we­ni­ger als ver­schwen­det wahr­ge­nom­men und in der Fol­ge tre­ten we­ni­ger psy­chi­sche Pro­ble­me auf.

Kers­tin Götz macht das so: Sie hat im­mer et­was zu le­sen da­bei. Meist ver­sucht sie, Ita­lie­nisch zu ler­nen, das sie bei ih­rer Ar­beit braucht: "Aber ich ha­be ge­dacht, ich schaf­fe viel mehr, meis­tens bin ich ein­fach viel zu er­le­digt", sagt sie.

Doch nicht nur dar­über kla­gen Pend­ler. Vie­le Pend­ler lit­ten auch un­ter Ma­gen-Darm-Pro­ble­men, Rü­cken­schmer­zen, Kopf­schmer­zen und Schlaf­stö­run­gen, so Häf­ner. Auch tre­ten psy­chi­sche Er­kran­kun­gen häu­fi­ger auf. Das geht et­wa aus dem Fehl­zei­ten­re­port der Kran­ken­kas­se AOK für das Jahr 2012 her­vor. "Wir konn­ten fe­stel­len, dass Be­schäf­tig­te, bei de­nen der Ar­beits­platz mehr als 50 Ki­lo­me­ter vom Wohn­ort ent­fernt ist, öf­ter we­gen psy­chi­schen Er­kran­kun­gen feh­len", sagt Hel­mut Schrö­der, Her­aus­ge­ber des Fehl­zei­ten­re­ports.

Und es be­steht noch ei­ne an­de­re Ge­fahr: "Vie­le Pend­ler lei­den auch un­ter Ge­wichts­pro­ble­men. Denn die Ver­lo­ckung, sich has­tig schnell am Bahn­hof et­was hin­ein­zu­sch­lin­gen, ist groß", so Häf­ner. Bes­ser sei es, zu war­ten, bis man zu Hau­se ist und dann ei­ne ge­mein­sa­me Mahl­zeit mit der Fa­mi­lie ein­zu­neh­men.

Um die ge­sund­heit­li­chen Fol­gen des Pen­delns in den Griff zu be­kom­men, rät er, in der Frei­zeit et­was Sport zu trei­ben. Auch soll­ten die Wo­chen­en­den nicht zu voll­ge­packt wer­den. Denn Pend­ler müs­sen sich in der Frei­zeit noch stär­ker als an­de­re Ar­beit­neh­mer von den Stra­pa­zen der Wo­che er­ho­len.

Kers­tin Götz hat sich in­zwi­schen an das Pen­deln ge­wöhnt. Häu­fig wird sie schon beim Ein­stei­gen an­ge­spro­chen. "Ich ken­ne ein­fach die Hälf­te al­ler Mit­fah­rer mitt­ler­wei­le, das sind schon so rich­ti­ge Grüpp­chen." Wäh­rend der Fahrt sei­ne Ru­he zu ha­ben, sei des­halb manch­mal gar nicht so leicht. Wenn ihr nicht nach Re­den zu­mu­te ist und sie sich zu­rück­zie­hen will, hilft des­halb oft nur eins: Kopf­hö­rer auf­set­zen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 18. Februar 2016

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