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Pi­lo­ten und Lok­füh­rer könn­ten er­neut strei­ken - Ge­sprä­che ge­schei­tert

Es ist ein Alp­traum für Rei­sen­de, aus dem es der­zeit kein Er­wa­chen gibt: Pi­lo­ten und Lok­füh­rer könn­ten dem­nächst schon wie­der strei­ken - und zwar um­fang­rei­cher als bis­her. Lö­sun­gen am Ver­hand­lungs­tisch schei­nen in wei­te Fer­ne zu rü­cken
Streik viele Streikende Was kommt auf die Rei­sen­den zu?

26.09.2014. (dpa) - Bei der Luft­han­sa und Deut­schen Bahn müs­sen sich Rei­sen­de in den kom­men­den Wo­chen auf mas­si­ve Aus­fäl­le und Ver­zö­ge­run­gen ge­fasst ma­chen.

Nach er­neut ge­schei­ter­ten Ge­sprä­chen mit den Ge­werk­schaf­ten von Pi­lo­ten und Lok­füh­rern dro­hen die bei­den Ta­rif­kon­flik­te zu es­ka­lie­ren: Nun könn­ten auch deut­lich län­ge­re oder so­gar un­be­fris­te­te Streiks in der Luft und auf der Schie­ne be­vor­ste­hen.

Kon­kre­te Zeit­räu­me ste­hen al­ler­dings noch nicht fest.

Die Ta­rif­ver­hand­lun­gen zwi­schen der Deut­schen Bahn und der Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL) wur­den nach An­ga­ben des Un­ter­neh­mens und der GDL am Don­ners­tag in Ber­lin ab­ge­bro­chen. Bahn-Per­so­nal­vor­stand Ul­rich We­ber kri­ti­sier­te in ei­ner Mit­tei­lung, die GDL ha­be sich "nicht ei­nen ein­zi­gen Mil­li­me­ter" be­wegt. Die Ge­werk­schaft zei­ge kei­ner­lei In­ter­es­se an ei­ner Ver­stän­di­gung.

Die GDL er­klär­te am Abend ih­rer­seits, sie ha­be das Schei­tern der Ta­rif­ver­hand­lun­gen er­klärt, weil die Bahn­füh­rung sich nicht be­wegt ha­be. Viel­mehr neh­me sie be­wusst wei­te­re Streiks in Kauf. Die Bahn ha­be er­neut als Vor­be­din­gung die Ta­rif­ein­heit ge­stellt. "Da­mit hat die Deut­sche Bahn die letz­te Chan­ce ver­tan, um Ar­beits­kämp­fe ab­zu­wen­den", er­klär­te GDL-Chef Claus We­sels­ky in ei­ner Stel­lung­nah­me.

Die GDL will auch für Zug­be­glei­ter und wei­te­res Per­so­nal ver­han­deln, das bis­lang die grö­ße­re Ei­sen­bahn- und Ver­kehrs­ge­werk­schaft (EVG) ver­tre­ten hat. Sie sei­en aber nicht be­reit, sich wei­ter der Haus­ge­werk­schaft EVG zu un­ter­wer­fen, er­klär­ten die Lok­füh­rer-Ver­tre­ter. Schließ­lich hät­ten 51 Pro­zent des Zug­per­so­nals die GDL be­auf­tragt, sich für die not­wen­di­gen Ver­bes­se­run­gen der Ar­beits- und Ein­kom­mens­be­din­gun­gen ein­zu­set­zen.

Bahn-Vor­stand We­ber da­ge­gen, die Bahn hät­te sich dies­mal ein­ver­stan­den er­klärt, "oh­ne Vor­be­din­gun­gen über al­le For­de­run­gen für Lo­ko­mo­tiv­füh­rer bi­la­te­ral mit der GDL zu ver­han­deln". Auch sei man be­reit ge­we­sen, über We­ge zu spre­chen, wie mit der GDL ein Ta­rif­ver­trag für die Zug­be­glei­ter er­reicht wer­den kön­ne.

Nach wo­chen­lan­ger Funk­stil­le im fest­ge­fah­re­nen Bahn-Ta­rif­kon­flikt hat­ten sich der Staats­kon­zern und die Lok­füh­rer wie­der an ei­nen Tisch ge­setzt. Nach bis­her zwei Warn­streiks ent­schei­den die Lok­füh­rer bis zum 2. Ok­to­ber in ei­ner Ur­ab­stim­mung dar­über, ob sie wie­der die Zü­ge ste­hen las­sen. Als nächs­tes könn­te dann nach frü­he­ren Be­teue­run­gen auch ein un­be­fris­te­ter Streik an­ge­kün­digt wer­den. Die GDL for­dert fünf Pro­zent mehr Lohn und ei­ne kür­ze­re Wo­chen­ar­beits­zeit.

Zu­vor hat­te am Vor­mit­tag die Pi­lo­ten-Ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit (VC) die ge­ra­de erst wie­der auf­ge­nom­me­nen Ta­rif­ge­sprä­che mit der Luft­han­sa für ge­schei­tert er­klärt und wei­te­re Streiks an­ge­kün­digt, oh­ne da­für ei­nen Ter­min zu nen­nen. Die VC will ih­re Ar­beits­kampf­maß­nah­men zwar wei­ter­hin "je­weils vor­her" der Öf­fent­lich­keit be­kannt­ge­ben, nennt da­für aber nicht mehr wie bis­lang ei­ne Frist von 24 St­un­den.

Erst vor zehn Ta­gen hat­te die Pi­lo­ten­ge­werk­schaft die be­reits ge­plan­te fünf­te Wel­le des Aus­stands kurz­fris­tig ab­ge­sagt und neue Ver­hand­lun­gen mit dem Un­ter­neh­men zu den Über­gangs­ren­ten der rund 5400 be­trof­fe­nen Flug­zeug­len­ker auf­ge­nom­men. Drei­mal wa­ren seit­dem die Kom­mis­sio­nen zu­sam­men­ge­kom­men und am Diens­tag die­ser Wo­che un­ver­rich­te­ter Din­ge aus­ein­an­der­ge­gan­gen, hieß es aus Un­ter­neh­mens­krei­sen.

Luft­han­sa-Per­so­nal­che­fin Bet­ti­na Vol­kens warf der VC vor, nicht an ei­ner part­ner­schaft­li­chen Lö­sung der Pro­ble­me in­ter­es­siert ge­we­sen zu sein. Beim Teil­pro­jekt "Jump" für kos­ten­güns­ti­ge­re Lang­stre­cken­flü­ge un­ter der Mar­ke Luft­han­sa hät­ten sich die Pi­lo­ten als ein­zi­ge nicht zu ent­spre­chen­den Re­ge­lun­gen be­reit­ge­fun­den. Luft­han­sa wol­le nun "im Rah­men der gel­ten­den Ta­rif­re­ge­lun­gen" an­de­re Pi­lo­ten in die Cock­pits set­zen. Nach Ein­schät­zung von Be­ob­ach­tern kom­men da­für Leih­ar­bei­ter oder Pi­lo­ten über Lea­sing-Mo­del­le in­fra­ge.

Nach ei­ner Ur­ab­stim­mung zu den Über­gangs­ren­ten hat die VC seit April in bis­lang vier Streik­wel­len 4300 Flü­ge mit rund 480 000 be­trof­fe­nen Pas­sa­gie­ren aus­fal­len las­sen. Ei­ne fünf­te Wel­le war am Mon­tag ver­gan­ge­ner Wo­che ab­ge­sagt wor­den, nach­dem die Luft­han­sa nach ih­ren An­ga­ben ein mo­di­fi­zier­tes An­ge­bot vor­ge­legt hat­te.

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Letzte Überarbeitung: 18. November 2015

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