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Plei­te­wel­le in der So­lar­in­dus­trie greift wei­ter um sich

Sturz der (So­lar-) Ti­ta­nen: Nach Q-Cells stellt auch So­vel­lo stellt ei­nen In­sol­venz­an­trag
Me­ga­trend So­lar­in­dus­trie: Ver­passt ihn Deutsch­land?
15.05.2012 (dpa) - Die Plei­te­wel­le in der deut­schen So­lar­bran­che reißt ein wei­te­res Schwer­ge­wicht mit sich. Der Zel­len- und Mo­dul­her­stel­ler So­vel­lo stell­te am Mon­tag In­sol­venz­an­trag beim Amts­ge­richt Des­sau-Roß­lau, wie das Ge­richt mit­teil­te. Ziel sei ei­ne In­sol­venz in Ei­gen­ver­wal­tung. Das Un­ter­neh­men zähl­te zu­letzt rund 1.200 Mit­ar­bei­ter.

So­vel­lo ist wie Q-Cells im "So­lar Val­ley" be­hei­ma­tet, ei­nem Zen­trum der deut­schen So­lar­in­dus­trie im Drei­län­der­eck Sach­sen, Sach­sen-An­halt und Thü­rin­gen. Q-Cells mit 1.300 Be­schäf­tig­ten am Stamm­sitz hat­te am 2. April eben­falls In­sol­venz an­ge­mel­det. Auch So­lon in Ber­lin ist plei­te. Der US-Her­stel­ler First So­lar will zu­dem sei­ne Wer­ke in Frank­furt (Oder) auf­ge­ben.

Die Bran­che wird der­zeit von hef­ti­ger Kon­kur­renz aus Asi­en und sin­ken­der staat­li­cher För­de­rung er­schüt­tert. In der ver­gan­ge­nen Wo­che wa­ren ers­te Be­rich­te auf­ge­taucht, wo­nach So­vel­lo eben­falls plei­te sei. Zu­dem war von ge­plan­ter Kurz­ar­beit die Re­de. Ein Spre­cher des Un­ter­neh­mens war am Mon­tag für ei­ne Stel­lung­nah­me nicht zu er­rei­chen.

Die Ge­werk­schaft IG BCE nann­te den In­sol­venz­an­trag ei­nen Be­frei­ungs­schlag. "In­sol­venz be­deu­tet noch nicht aus Aus", sag­te der zu­stän­di­ge Be­zirks­lei­ter Er­hard Kop­pitz. Es sei nun Auf­ga­be des künf­ti­gen In­sol­venz­ver­wal­ters und der Be­triebs­rä­te, so vie­le Ar­beits­plät­ze wie mög­lich zu ret­ten.

So­vel­lo war im Jahr 2005 als Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men von Q-Cells und dem US-Her­stel­ler Ever­green So­lar ge­grün­det wor­den. Nach­ein­an­der wur­den drei Pro­duk­ti­ons­li­ni­en auf­ge­baut. Vor zwei Jah­ren wur­de das Un­ter­neh­men von ei­nem Pri­va­te-Equi­ty-In­ves­tor über­nom­men und die frü­he­re Ak­ti­en­ge­sell­schaft in ei­ne GmbH um­ge­wan­delt.

Die Be­son­der­heit von So­vel­lo ist, dass die Wa­fer für die So­lar­mo­du­le in ei­nem spe­zi­el­len Ver­fah­ren zwi­schen zwei Fä­den di­rekt aus der Si­li­zi­um­schmel­ze ge­zo­gen wer­den. Da­durch ent­fällt der üb­li­che Weg, bei dem die dün­nen Wa­fer - die die Grund­la­ge der Zel­len bil­den - aus gro­ßen Blö­cken her­aus­ge­sägt wer­den. Die Vor­tei­le lie­gen in ei­nem ge­rin­ge­ren Ma­te­ri­al- und En­er­gie­ver­brauch.

Un­ter­des­sen wer­den die Hil­fe­ru­fe für die Bran­che lau­ter. Nach­dem die Bun­des­län­der in der ver­gan­ge­nen Wo­che be­reits die vom Bund ge­plan­ten Kür­zun­gen bei der Ein­spei­se­ver­gü­tung vor­erst ge­stoppt hat­ten, wer­den auch di­rek­te Ein­grif­fe des Staa­tes ge­for­dert.

So sprach sich der frü­he­re IWH-Chef Ul­rich Blum für ei­nen Ein­stieg des Staa­tes in die an­ge­schla­ge­ne So­lar­bran­che im Os­ten aus. "Der Staat könn­te sich zeit­wei­se an den Un­ter­neh­men be­tei­li­gen. Dies wä­re ein­fach, da er über För­der­mit­tel und Kre­di­te schon heu­te ein gro­ßer Gläu­bi­ger der Un­ter­neh­men ist", sag­te Blum in ei­nem In­ter­view mit der "Mit­tel­deut­schen Zei­tung". Blum war Prä­si­dent des In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung in Hal­le und ist jetzt Pro­fes­sor an der Uni Hal­le.

Es müs­se ein Über­gang or­ga­ni­siert wer­den, um die Fir­men zu hal­ten und kon­kur­renz­fä­hig zu ma­chen, sag­te Blum. Die Schwie­rig­kei­ten von Q-Cells, So­lon oder First So­lar sei­en erst der An­fang. "Die In­sol­venz­wel­le bei den So­lar­fir­men be­ginnt erst", sag­te Blum.

Die Wirt­schaft in den neu­en Län­dern be­nö­ti­ge aber ei­nen neu­en Tech­no­lo­gie­zy­klus, um an das Pro­duk­ti­ons­ni­veau des Wes­tens zu kom­men. "So­lar ist für Ost­deutsch­land, was für Süd­deutsch­land nach dem Zwei­ten Welt­krieg die Fahr­zeug­in­dus­trie war", sag­te Blum. Die er­neu­er­ba­ren En­er­gi­en sei­en ein welt­wei­ter Me­ga­trend, der nur al­le 20 bis 30 Jah­re vor­kom­me. "Wenn die neu­en Län­der die­sen ge­gen­wär­ti­gen Zy­klus ver­pas­sen, wird so schnell auch kein neu­er kom­men."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

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