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Pro­gno­se: Min­dest­lohn be­feu­ert Schat­ten­wirt­schaft

Fast vier Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land sol­len vom Min­dest­lohn pro­fi­tie­ren. Ei­ner Pro­gno­se zu­fol­ge be­güns­tigt er aber noch et­was an­de­res: die Schwarz­ar­beit. Die Schat­ten­wirt­schaft dürf­te laut Ex­per­ten da­her 2015 erst­mals seit lan­gem nicht wei­ter zu­rück­ge­hen
Schwarzarbeitskontrolle Wie viel Ar­beit­ge­ber um­ge­hen den Min­dest­lohn?

04.02.2015. (dpa) - Der seit Ja­nu­ar gel­ten­de Min­dest­lohn er­höht die Schat­ten­wirt­schaft in Deutsch­land ei­ner Stu­die zu­fol­ge in die­sem Jahr um 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro - und ver­hin­dert so erst­mals seit Jah­ren ei­nen wei­te­ren Rück­gang von Schwarz­ar­beit und il­le­ga­ler Be­schäf­ti­gung.

Ihr An­teil am Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) bleibt da­her un­ver­än­dert bei 12,2 Pro­zent, wie aus ei­ner am Diens­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die des Tü­bin­ger In­sti­tuts für An­ge­wand­te Wirt­schafts­for­schung (IAW) und der Uni­ver­si­tät Linz her­vor­geht.

Dem­nach war der Wert hier­zu­lan­de mit Aus­nah­me des Kri­sen­jahrs 2009 bis­her seit Jah­ren rück­läu­fig.

Ge­werk­schaf­ter war­nen je­doch da­vor, den Mi­ni­mal­lohn zu ver­teu­feln.

"Die ak­tu­el­le Ent­wick­lung ist auch durch den Min­dest­lohn be­dingt", er­klär­te IAW-Di­rek­tor Bern­hard Boock­mann, zu des­sen In­sti­tut als Fir­men­mit­glie­der un­ter an­de­rem der Au­to­bau­er Daim­ler und der Tech­nik­kon­zern Bosch ge­hö­ren. Für sich ge­nom­men hät­ten die ro­bus­te Kon­junk­tur und La­ge auf dem Ar­beits­markt laut der Pro­gno­se für ei­nen Rück­gang der Schat­ten­wirt­schaft ge­sorgt. Mit dem Be­griff wer­den so­wohl Schwarz­ar­beit als auch il­le­ga­le Be­schäf­ti­gung und kri­mi­nel­le Ak­ti­vi­tä­ten wie Heh­le­rei und Be­trug be­zeich­net.

"Über­se­hen wird die star­ke ord­nungs­po­li­ti­sche Funk­ti­on des Min­dest­lohns", be­ton­te al­ler­dings An­ne­lie Bun­ten­bach, Vor­stands­mit­glied des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) in Ber­lin. "Das Ar­gu­ment Schwarz­ar­beit wird im­mer wie­der miss­braucht, um ge­gen Steu­ern, So­zi­al­ab­ga­ben und hö­he­re Löh­ne zu po­le­mi­sie­ren, da­bei ist der Zu­sam­men­hang kei­nes­falls ein­deu­tig."

Der ge­setz­li­che Min­dest­lohn ist zum neu­en Jahr bun­des­weit ge­star­tet. Nach An­ga­ben des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums sol­len knapp vier Mil­lio­nen Men­schen von der Neu­re­ge­lung pro­fi­tie­ren.

Nach Schät­zung der Ex­per­ten dürf­te tat­säch­lich nur ein ver­gleichs­wei­se klei­ner Teil des Min­dest­lohns durch Schwarz­ar­beit um­gan­gen wer­den. Denn die not­wen­di­gen Lohn­stei­ge­run­gen in den da­für ty­pi­schen Bran­chen lie­gen den Fach­leu­ten zu­fol­ge ins­ge­samt bei et­wa 7 Mil­li­ar­den Eu­ro. Der er­war­te­te An­stieg der Schat­ten­wirt­schaft von 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro durch den Min­dest­lohn ist we­sent­lich ge­rin­ger.

Kri­ti­ker se­hen in ihm den­noch ein "ideo­lo­gi­sches Pres­ti­ge­pro­jekt der SPD". "Der Ein­heits­min­dest­lohn ist ein Son­der­kon­junk­tur­pro­gramm für die Schat­ten­wirt­schaft", er­klär­te et­wa der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche FDP-Lan­des­vor­sit­zen­de Mi­cha­el Theu­rer.

Schwarz ge­ar­bei­tet wird dem IAW zu­fol­ge be­son­ders häu­fig in Gast­stät­ten, Ho­tels so­wie Tei­len der Bau­wirt­schaft. Auch bei per­sön­li­chen Dienst­leis­tun­gen und in der Land­wirt­schaft wer­de ver­gleichs­wei­se häu­fig am Fis­kus vor­bei ver­dient, hieß es.

Mit Blick auf an­de­re Län­der steht die Bun­des­re­pu­blik aber nicht schlecht da: Im Ver­gleich zu an­de­ren OECD-Staa­ten, die sich der De­mo­kra­tie und Markt­wirt­schaft ver­pflich­tet füh­len, liegt Deutsch­land mit sei­ner Schat­ten­wirt­schaft im Mit­tel­feld - ähn­lich wie Frank­reich und skan­di­na­vi­sche Län­der. Düs­te­rer sieht es in den Kri­sen­län­dern Grie­chen­land, Ita­li­en, Por­tu­gal und Spa­ni­en aus. Hier liegt der An­teil der Schat­ten­wirt­schaft am BIP zwi­schen 18 und 22 Pro­zent.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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