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Pro­gramm zur Schaf­fung von Jobs für Lang­zeit­ar­beits­lo­se um­strit­ten

Mehr als 92.000 Men­schen in Nie­der­sach­sen sind seit ei­nem Jahr oder län­ger oh­ne Job: SPD und Grü­ne im Land­tag wol­len ih­nen mit ei­nem öf­fent­li­chen Be­schäf­ti­gungs­pro­gramm hel­fen. CDU und FDP zwei­feln aber am Sinn des Vor­ha­bens
Münzen, Münzhaufen Was spricht da­für, was da­ge­gen?

29.10.2016. (dpa) - Trotz gu­ter Kon­junk­tur­la­ge will Nie­der­sach­sens Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) mit ei­nem Lan­des­pro­gramm 1.000 Stel­len für Lang­zeit­ar­beits­lo­se schaf­fen.

"Es soll ein Si­gnal von Nie­der­sach­sen aus­ge­hen, dass wir die­je­ni­gen nicht über­se­hen, die sich ab­ge­mel­det füh­len", sag­te Lies am Frei­tag im Land­tag.

Von der wirt­schaft­lich po­si­ti­ven Ent­wick­lung hät­ten vor al­lem die­je­ni­gen pro­fi­tiert, die kurz­fris­tig ar­beits­los wa­ren.

Für Lang­zeit­ar­beits­lo­se ha­be sich we­nig ge­än­dert.

Die Ab­ge­ord­ne­ten de­bat­tier­ten über ei­nen Vor­schlag der Frak­tio­nen von SPD und Grü­nen. Da­nach soll die Lan­des­re­gie­rung 2017 und 2018 je­weils 10 Mil­lio­nen Eu­ro für ein öf­fent­li­ches Be­schäf­ti­gungs­pro­gramm be­reit­stel­len. Es soll Lang­zeit­ar­beits­lo­sen Jobs in den Be­rei­chen Er­zie­hung, Bil­dung, Pfle­ge, Ge­sund­heit und Kul­tur bie­ten.

Die Maß­nah­me soll sich spe­zi­ell an Men­schen rich­ten, die über 50 Jah­re alt sind, seit mehr als zwei Jah­ren Ar­beits­lo­sen­geld be­zie­hen und we­gen wei­te­rer Ver­mitt­lungs­hin­der­nis­se ein­ge­schränkt sind.

Die Plä­ne se­hen vor, dass die Lang­zeit­ar­beits­lo­sen vor al­lem von Kom­mu­nen be­schäf­tigt wer­den sol­len. Die Be­zah­lung soll auf dem Ni­veau des Min­dest­lohns oder dar­über lie­gen. Das Job­cen­ter über­nimmt 75 Pro­zent des Ge­halts, der Ar­beit­ge­ber zahlt die rest­li­chen 25 Pro­zent. Ähn­li­che Pro­gram­me gibt es be­reits in meh­re­ren Bun­des­län­dern, bei­spiels­wei­se in Bre­men und Ba­den-Würt­tem­berg.

Nach Aus­kunft der Agen­tur für Ar­beit gab es in Nie­der­sach­sen im Sep­tem­ber 92.100 Lang­zeit­ar­beits­lo­se. Die Agen­tur de­fi­niert mit die­sem Be­griff Er­werbs­tä­ti­ge, die ein Jahr oder län­ger oh­ne Job wa­ren.

"Wir schaf­fen Per­spek­ti­ven und Job­chan­cen für Land­zeit­ar­beits­lo­se und er­hö­hen ihr Selbst­wert­ge­fühl", sag­te der SPD-Ab­ge­ord­ne­te Hol­ger An­s­mann.

Der CDU-Ab­ge­ord­ne­te Max Mat­t­hie­sen sieht auch die Not­wen­dig­keit, Lang­zeit­ar­beits­lo­sen zu hel­fen, zwei­felt aber an dem Sinn des Pro­gramms. "Die­ser An­trag zielt nur auf ei­nen sehr klei­nen Per­so­nen­kreis", sag­te Mat­t­hie­sen. Es sei sinn­vol­ler, die 10 Mil­lio­nen Eu­ro in Schu­lun­gen für die Mit­ar­bei­ter der Job­cen­ter zu in­ves­tie­ren. Dann könn­ten die­se den Lang­zeit­ar­beits­lo­sen bes­ser hel­fen, auf dem Ar­beits­markt wie­der Fuß zu fas­sen.

Nach An­sicht der FDP-Ab­ge­ord­ne­ten Ga­brie­la Kö­nig kön­ne das Mo­dell schnell zu Un­ge­rech­tig­kei­ten und Wett­be­werb un­ter den Ar­beits­lo­sen füh­ren, da es ei­ni­ge we­ni­ge be­vor­zu­ge. "Bei 1.000 Stel­len pro Jahr bräuch­ten wir 90 Jah­re, um al­le un­ter­zu­brin­gen."

Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) fin­det die Initia­ti­ve sinn­voll. An­ge­sichts der La­ge am Ar­beits­markt sei es drin­gend nö­tig, dass die Po­li­tik han­delt, er­klär­te der nie­der­säch­si­sche DGB-Vor­sit­zen­de Hart­mut Töl­le. "Das neue Lan­des­pro­gramm mit sei­nen 1.000 Plät­zen ist ein wich­ti­ger Schritt hin zu ei­ner So­zi­al­po­li­tik, die sich um die dau­er­haf­te Re­du­zie­rung von Ar­mut küm­mert."

Die Un­ter­neh­mer­ver­bän­de Nie­der­sach­sen be­wer­te­ten das Pro­gramm kri­tisch. Es be­ste­he die Ge­fahr, dass die ent­ste­hen­den Ar­beits­plät­ze ei­ne teu­re Ko­pie der Ein-Eu­ro-Jobs wür­den, sag­te Ge­schäfts­füh­rer Vol­ker Mül­ler. Um Ge­ring­qua­li­fi­zier­te und Lang­zeit­ar­beits­lo­se in Ar­beit zu brin­gen, be­dür­fe es ei­ner in­di­vi­du­el­len Qua­li­fi­zie­rung.

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Letzte Überarbeitung: 5. Oktober 2018

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