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ARBEITSRECHT AKTUELL // 19/109

Re­al­ein­kom­men sind seit 1991 ge­stie­gen

Den meis­ten Deut­schen steht seit 1991 mehr Ein­kom­men zur Ver­fü­gung, doch ge­ra­de Ge­ring­ver­die­ner ste­hen heu­te schlech­ter dar
Ansteigendes Diagramm mit Jahreszahlen, Anstieg, Zuwachs

07.05.2019. (dpa/fle) - Die Deut­schen ha­ben im Schnitt ein deut­lich hö­he­res Ein­kom­men als noch An­fang der Neun­zi­ger­jah­re.

Die Zu­wäch­se sind da­bei al­ler­dings sehr un­gleich ver­teilt.

Die re­al ver­füg­ba­ren Jah­res­ein­kom­men der pri­va­ten Haus­hal­te in Deutsch­land sind ei­ner am Diens­tag ver­öf­fent­lich­ten Un­ter­su­chung des Deut­schen In­sti­tuts für Wirt­schafts­for­schung (DIW Ber­lin) zu­fol­ge zwi­schen 1991 und 2016 im Durch­schnitt um 18 Pro­zent ge­stie­gen.

Ba­sis sind die ak­tu­ells­ten ver­füg­ba­ren Da­ten der Längs­schnitt­stu­die So­zio­o­eko­no­mi­sches Pa­nel (SO­EP).

Am stärks­ten pro­fi­tier­ten die Top­ver­die­ner. Bei den 10 Pro­zent der Be­völ­ke­rung, die am meis­ten ver­die­nen, leg­te das Ein­kom­men zwi­schen 1991 und 2016 um 35 Pro­zent zu. Nur noch 2 Pro­zent be­trug der Zu­wachs bei den 10 Pro­zent der Men­schen, die am zweit­we­nigs­ten ver­die­nen. Und bei dem Zehn­tel, das am we­nigs­ten ver­dient, sank das Ein­kom­men so­gar um 8 Pro­zent.

Das könn­te nach Ein­schät­zung der Stu­di­en­au­to­ren an der ab 2010 ge­stie­ge­nen Zu­wan­de­rung lie­gen. Mi­gran­ten ver­dien­ten in den ers­ten Jah­ren in der Re­gel nur sehr we­nig.

In­ter­es­sant sind die un­ter­schied­li­chen Ver­dienst­zu­wäch­se vor al­lem, wenn man sie mit der Ein­kom­men­zu­frie­den­heit in den ver­schie­de­nen Grup­pen ver­gleicht. Die­se sub­jek­ti­ven Selbst­ein­schät­zun­gen, die das SO­EP bis 2017 in Be­fra­gun­gen er­fasst hat, zei­gen, dass mit der Hö­he des Ein­kom­mens auch die Zu­frie­den­heit steigt - ei­ne gro­ße Über­ra­schung ist das nicht. Aber: Auch die un­te­ren Grup­pen mit ge­rin­gen Ein­kom­mens­zu­wäch­sen oder so­gar -rück­gän­gen wa­ren 2017 zu­frie­de­ner als in den Neun­zi­gern.

Auch dies könn­te nach Ein­schät­zung der Au­to­ren un­ter an­de­rem an der Zu­wan­de­rung lie­gen: Die Wahr­neh­mung der ei­ge­nen Zu­frie­den­heit sei "im­mer ab­hän­gig von so­zia­len Ver­glei­chen", sag­te Ste­fan Lie­big, Di­rek­tor des SO­EP. Vie­le Mit­glie­der der un­te­ren Ein­kom­mens­grup­pe sei­en Mi­gran­ten be­zie­hungs­wei­se Ge­flüch­te­te. Und die­se ver­gli­chen sich häu­fig mit Men­schen in ih­ren Her­kunfts­län­dern, de­nen es noch schlech­ter ge­he.

Ei­ne wei­te­re schlech­te Nach­richt: Das Ar­muts­ri­si­ko nimmt der Er­he­bung zu­fol­ge in Deutsch­land zu. Als arm ha­ben die Au­to­ren die Men­schen de­fi­niert, die we­ni­ger als 60 Pro­zent des so­ge­nann­ten Me­di­an­haus­halts­net­to­ein­kom­mens ver­die­nen, als arm gilt folg­lich et­wa ein Ein­per­so­nen­haus­halt mit we­ni­ger als 1200 EUR Ein­kom­men pro Mo­nat. Der An­teil der Men­schen mit ei­nem so nied­ri­gen Ein­kom­men lag in den Neun­zi­ger­jah­ren noch bei rund 11 Pro­zent und 2016 be­reits bei 16,6 Pro­zent.

"Um die vor­an­schrei­ten­de so­zia­le Spal­tung zu stop­pen, brau­chen wir drin­gend ei­ne ge­rech­te Steu­er­po­li­tik, ei­nen Min­dest­lohn von 12,80 EUR und ei­ne Sta­bi­li­sie­rung der Ren­ten", for­der­te Ve­re­na Ben­te­le, Prä­si­den­tin des So­zi­al­ver­bands VdK Deutsch­land, vor dem Hin­ter­grund der DIW-Stu­die.

Den Men­schen im un­ters­ten Ein­kom­mens­be­reich hilft ge­ra­de der Min­dest­lohn aus Sicht von SO­EP-Mit­ar­bei­ter Mar­kus Grab­ka, ei­nem der Stu­di­en­au­to­ren, al­ler­dings nicht zwin­gend. Der Min­dest­lohn ha­be zwar ei­nen Ef­fekt auf die St­un­den­löh­ne, lan­de aber nicht un­be­dingt eins zu eins bei den Mit­ar­bei­tern, weil Ar­beit­ge­ber Ar­beits­zeit re­du­zie­ren könn­ten, um Lohn­kos­ten zu spa­ren. In der un­ters­ten Ein­kom­mens­grup­pe be­fän­den sich zu­dem vie­le Men­schen, die nicht er­werbs­tä­tig sei­en, et­wa Rent­ner.

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Letzte Überarbeitung: 21. Oktober 2019

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