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16/263a Rechts­streit mit Zu­lie­fe­rer lähmt nun teils auch VW-Stamm­werk

Da­vid ge­gen Go­li­ath: Da­vid ge­gen Go­li­ath: Weil VW von ei­nem mit­tel­stän­di­schen Zu­lie­fe­rer kei­ne Tei­le mehr be­kommt, ge­rät der Au­to­bau­er in ech­te Schwie­rig­kei­ten: Doch der Aus­lö­ser ist kei­nes­falls hö­he­re Ge­walt wie et­wa ein Feu­er bei dem Tei­le­lie­fe­ran­ten. Er hält sei­ne Zu­sa­gen nach ei­ner Schlap­pe vor Ge­richt nicht ein. Die Hin­ter­grün­de sind du­bi­os
Was ist der Hin­der­grund für die Que­re­len?

18.08.2016. (dpa) - Beim Au­to­bau­er VW ist ein ju­ris­ti­scher Streit mit ei­nem Tei­le­zu­lie­fe­rer der­art es­ka­liert, dass die Fol­gen nun auch das Stamm­werk in Wolfs­burg tref­fen.

Wie ein VW-Spre­cher am Mitt­woch auf An­fra­ge sag­te, herr­schen in Wolfs­burg Pro­duk­ti­ons­eng­päs­se.

Im Em­der Pas­sat-Werk ist die La­ge be­reits der­art dra­ma­tisch, dass 7.200 Wer­ker in Kurz­ar­beit ge­hen sol­len.

Nun prüft VW auch "für Teil­be­rei­che der Pro­duk­ti­on am Stand­ort Wolfs­burg Fle­xi­bi­li­sie­run­gen der Ar­beits­zeit".

Da­mit ist in der Re­gel das Nut­zen von Zeit­kon­ten ge­meint oder aber, wie in Em­den, mög­li­cher­wei­se auch das Be­an­tra­gen von Kurz­ar­beit.

De­tails zu die­sen an­ste­hen­den "Fle­xi­bi­li­sie­run­gen" wa­ren am Mitt­woch zu­nächst eben­so un­klar wie An­ga­ben zur be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter­zahl, den Au­to­mo­del­len oder zur ver­mu­te­ten Dau­er der Eng­päs­se. Da aber nur von "Teil­be­rei­chen" die Re­de war, scheint das Pro­blem in Wolfs­burg auf ein­zel­ne Mon­ta­ge­li­ni­en be­grenzt - an­ders als das in Em­den der Fall ist. Wolfs­burg pro­du­ziert den Golf, den Ti­gu­an und den Tou­ran.

Der Au­to­bau­er er­klär­te zur La­ge: "Ein Lie­fe­rant von Volks­wa­gen hat die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Be­lie­fe­rung mit Bau­tei­len aus­ge­setzt. Dies führt zu ei­nem Eng­pass in der Pro­duk­ti­on." VW ha­be zwar ei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung er­wirkt, die den Lie­fe­ran­ten zum Neu­start der Be­lie­fe­rung ver­pflich­te. "Die­ser Ver­pflich­tung ist er [aber] bis­her nicht nach­ge­kom­men. Da die wei­te­re Ent­wick­lung der­zeit nicht ab­seh­bar ist, prü­fen wir für Teil­be­rei­che der Pro­duk­ti­on am Stand­ort Wolfs­burg Fle­xi­bi­li­sie­run­gen der Ar­beits­zeit", teil­te der Spre­cher mit.

Hin­ter­grund der Que­re­len, die Eu­ro­pas größ­ten Au­to­bau­er emp­find­lich be­ein­flus­sen, ist ein Rechts­streit mit ei­nem Zu­lie­fe­rer. Da­bei geht es ei­ner­seits um ei­ne GmbH aus Plau­en in Sach­sen, die Tex­til und Le­der fürs Fahr­zeu­gin­ne­re zu­lie­fert - et­wa Sitz­be­zü­ge. An­de­rer­seits geht es auch um ei­nen Guss­ex­per­ten, eben­falls aus Sach­sen, der für Au­to­ge­trie­be zu­lie­fert. Auch die­se zwei­te GmbH steht un­ter dem Dach ei­ner Un­ter­neh­mens­grup­pe mit Zen­tra­le in Wolfs­burg. Von­sei­ten die­ser Zu­lie­fe­rer war am Mitt­woch zu­nächst kei­ne Stel­lung­nah­me zu er­hal­ten.

Die Pro­ble­me mit den Sitz­be­zü­gen tra­fen und lähm­ten schließ­lich die Fa­brik in Em­den. Nun feh­len die ge­gos­se­nen Tei­le für die Ge­trie­be des­je­ni­gen Zu­lie­fe­rers, der zu dem sel­ben Mut­ter­kon­zern zählt.

Ein Spre­cher des Land­ge­richts Braun­schweig er­läu­ter­te am Mitt­woch auf An­fra­ge, dass die einst­wei­li­ge Ver­fü­gung ge­gen den Zu­lie­fe­rer als Er­geb­nis ei­ner münd­li­chen Ver­hand­lung zu­stan­de kam. Da­mit sei ei­ne Be­ru­fung vor dem Ober­lan­des­ge­richt mög­lich, die Frist da­für lie­ge bei ei­nem Mo­nat. VW ha­be vor Ge­richt glaub­haft ge­macht, dass der Au­to­bau­er die An­sprü­che ha­be. Dar­an hät­ten auch die Aus­füh­run­gen des Zu­lie­fe­rers für des­sen Ge­gen­for­de­run­gen nichts zu än­dern ver­mocht.

Wel­che Mit­tel wie et­wa Ver­trags­stra­fen VW nun noch in der Hand hat, war am Mitt­woch nicht zu er­fah­ren. Klar scheint, dass es sich sei­tens VW nicht um ei­nen Macht­po­ker han­deln dürf­te - denn ein gan­zes Werk oder wo­mög­lich bald wei­te­re Teil­be­rei­che in an­de­ren Fa­bri­ken ru­hen zu las­sen, ist für den Au­to­bau­er ei­ne klei­ne Ka­ta­stro­phe.

An­de­rer­seits zeigt die Si­tua­ti­on, wie ver­letz­lich die Au­to­her­stel­ler sind. VW hat ei­ne im Bran­chen­ver­gleich ho­he ei­ge­ne Fer­ti­gungs­tie­fe, macht al­so re­la­tiv viel in Ei­gen­re­gie. Den­noch: Oh­ne ei­ne gut ge­öl­te Ket­te mit ex­ter­nen Part­nern kommt das gan­ze Ge­bil­de Au­to­bau schnell in mas­si­ve Schwie­rig­kei­ten. Das zeigt sich auch bei an­de­ren Ge­le­gen­hei­ten, et­wa wenn der Schie­nen­gü­ter­ver­kehr streikt oder zen­tra­le Zu­lie­fe­rer wie der Air­bag­her­stel­ler Taka­ta Qua­li­täts­pro­ble­me hat und sich Rück­ru­fe von Au­tos so rasch in die Hun­dert­tau­sen­de mul­ti­pli­zie­ren.

Die VW-Ar­beits­neh­mer­ver­tre­ter fan­den deut­li­che Wor­te für die La­ge. Be­triebs­rat Gui­do Mehlhop sag­te: "Der Eng­pass beim Ma­te­ri­al ist mehr als är­ger­lich. Vor al­lem, wenn man weiß, dass das Land­ge­richt Braun­schweig den Zu­lie­fe­rer be­reits in der ver­gan­ge­nen Wo­che mit ei­ner einst­wei­li­gen Ver­fü­gung da­zu ver­pflich­tet hat, die Tei­le ver­trags­ge­mäß zu lie­fern. Aus Sicht des Be­triebs­ra­tes ist es völ­lig un­ver­ständ­lich, dass sich ein Un­ter­neh­men dem ein­fach wi­der­setzt. Of­fen­bar wird so ver­sucht, auf dem Rü­cken der Be­leg­schaft ei­nen Wirt­schafts­kri­mi zu in­sze­nie­ren." Es müs­se "schnellst­mög­lich" ei­ne Lö­sung her. "Das wä­re üb­ri­gens auch im In­ter­es­se der Be­schäf­tig­ten des Zu­lie­fe­rers. Die sind letzt­lich eben­so von dem frag­wür­di­gen Ge­schäfts­ge­ba­ren der Fir­ma be­trof­fen wie die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen bei Volks­wa­gen", sag­te Mehlhop.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 19. Oktober 2016

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