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Mer­kel of­fen für ge­setz­li­che Re­ge­lung zur Ta­rif­ein­heit

Mer­kel will zur Ta­rif­ein­heit zu­rück­keh­ren und da­mit klei­ne­re Spar­ten­ge­werk­schaf­ten zu­rück­drän­gen
Ta­rifp­lu­ra­li­tät: Klei­ne Ge­werk­schaft er­zielt größ­te Wir­kung

17.10.2012 (dpa) - Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat sich of­fen für die For­de­rung der Ar­beit­ge­ber ge­zeigt, per Ge­setz zur Ta­rif­ein­heit zu­rück­zu­keh­ren und den Ein­fluss klei­ner Spar­ten­ge­werk­schaf­ten da­mit zu­rück­zu­drän­gen. "Ich möch­te, dass wir da zu ei­ner Lö­sung kom­men, in­so­fern soll­ten wir das noch ein­mal in An­griff neh­men", sag­te Mer­kel am Diens­tag auf dem Ar­beit­ge­ber­tag in Ber­lin.

An­ge­sichts der brei­ten Un­ter­stüt­zung für ei­nen sol­chen Schritt soll­te man sich ge­mein­sam an ei­nen Tisch set­zen: "Dann müss­te es doch bin­nen ei­nes Abends mög­lich sein, ein Ge­setz über die Ta­rif­ein­heit hin­zu­be­kom­men", sag­te die Kanz­le­rin un­ter dem Bei­fall der Gäs­te.

Mer­kel griff da­mit ei­nen Vor­stoß von Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent Die­ter Hundt auf. Der hat­te die Bun­des­re­gie­rung zu­vor mit Blick auf die jüngs­ten Ar­beits­kämp­fe zum Han­deln auf­ge­for­dert. "Das ist ei­ne Exis­tenz­be­din­gung für ei­ne funk­tio­nie­ren­de Ta­rif­part­ner­schaft, auch in Kran­ken­häu­sern oder Pfle­ge­hei­men, auf Flug­hä­fen oder beim Schie­nen­ver­kehr, bei Be­triebs­feu­er­weh­ren oder Vor­feld­lot­sen."

Streiks klei­ne­rer Ge­werk­schaf­ten hat­ten zu­letzt im Luft- oder im Schie­nen­ver­kehr er­heb­li­che Aus­wir­kun­gen ge­habt. "Mitt­ler­wei­le ha­ben sich wei­te­re neue Spar­ten­ge­werk­schaf­ten ge­bil­det, es ha­ben sich - schnel­ler als wir es für mög­lich ge­hal­ten ha­ben - ta­rif­wid­ri­ge Ar­beits­kämp­fe trotz be­ste­hen­der Ta­rif­ver­trä­ge ab­ge­spielt", kri­ti­sier­te Hundt. "Der Be­weis ist längst er­bracht: Ei­ne zu­kunfts­fä­hi­ge Ta­rif­au­to­no­mie braucht die ge­setz­li­che Re­ge­lung der Ta­rif­ein­heit."

Hundt wies dar­auf hin, dass sich ne­ben an­de­ren Ka­bi­netts­mit­glie­dern kürz­lich auch Wirt­schafts­mi­nis­ter Phil­ipp Rös­ler (FDP) für ei­nen sol­chen Schritt aus­ge­spro­chen hat­te. Mer­kel schlug ein ge­mein­sa­mes Tref­fen mit den Ar­beit­ge­ber­ver­bän­den (BDA) vor. Sie la­de DGB-Chef Mi­cha­el Som­mer gleich mit ein. "Dann ha­ben wir ei­ne schö­ne Ge­sprächs­run­de. Denn hier gibt es ja ei­ne sel­te­ne Har­mo­nie von BDA und DGB, und die wol­len wir dann auch voll aus­kos­ten - wenn es schon kei­ne vol­le Har­mo­nie in der Bun­des­re­gie­rung gibt."

SPD-Frak­ti­ons­chef Frank-Wal­ter St­ein­mei­er und sei­nen Grü­nen-Kol­le­gen Jür­gen Trit­tin stell­ten sich hin­ter den Vor­stoß. Sie äu­ßer­ten auf dem Ar­beit­ge­ber­tag aber er­heb­li­che Zwei­fel, ob die FDP die­sen Weg mit­ge­hen wer­de.

Der Grund­satz der Ta­rif­ein­heit ("Ein Be­trieb, ein Ta­rif­ver­trag") war 2010 vom Bun­des­ar­beits­ge­richt auf­ge­ho­ben wor­den. Er be­sag­te, dass bei der An­wen­dung von Ta­rif­ver­trä­gen ver­schie­de­ner Ge­werk­schaf­ten in ei­nem Be­trieb der je­weils sach­nächs­te bzw. spe­zi­ells­te an­ge­wandt wird, was grö­ße­re Ge­werk­schaf­ten in­fol­ge der Viel­zahl von ih­nen ver­ein­bar­ter Ta­rif­ver­trä­ge be­güns­tig­te.

Seit­her hat­ten im­mer wie­der Spar­ten­ge­werk­schaf­ten ih­re For­de­run­gen für ein­zel­ne Be­rufs­grup­pen mit Streiks durch­ge­setzt, die mas­si­ve Aus­wir­kun­gen hat­ten. Da­zu zähl­te im Früh­jahr un­ter an­de­rem der Ar­beits­kampf von et­wa 200 Be­schäf­tig­ten auf dem Vor­feld des Frank­fur­ter Flug­ha­fens.

Die Ar­beit­ge­ber hat­ten be­reits nach dem Ur­teil 2010 auf ei­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung ge­drun­gen. Der Deut­sche Ge­werk­schafts­bund (DGB) hat­te die Initia­ti­ve da­mals mit­ge­star­tet, sie war aber im San­de ver­lau­fen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 30. Juni 2014

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