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Re­gie­rung will Ein­fluss von Klein­ge­werk­schaf­ten ein­schrän­ken

Es scheint wie die Qua­dra­tur des Krei­ses: Spar­ten­ge­werk­schaf­ten wie die GDL sol­len im Streit­fall zum Ein­len­ken ge­drängt wer­den - oh­ne das Streik­recht zu be­schnei­den. Das letz­te Wort hat wohl Karls­ru­he.
Fünf Arbeitnehmer Was be­inhal­tet der Ge­set­zes­vor­schlag zur Ta­rif­ein­heit?

29.10.2014. (dpa) - Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) will Ta­rif­kämp­fe klei­ner Ge­werk­schaf­ten wie der­zeit bei der Bahn per Ge­setz ein­däm­men.

Ei­ni­gen sich meh­re­re Ge­werk­schaf­ten in ei­nem Be­trieb nicht, soll nur noch der Ta­rif­ver­trag der Ge­werk­schaft mit den meis­ten Mit­glie­dern gel­ten.

Im Streit­fall sol­len Ar­beits­ge­rich­te ent­schei­den.

Das sieht der Ge­setz­ent­wurf zur Ta­rif­ein­heit vor.

Nah­les ver­si­cher­te: "Das Streik­recht bleibt un­an­ge­tas­tet."

Klei­ne­re Ge­werk­schaf­ten se­hen die­ses Recht aber in Ge­fahr und kün­dig­ten Wi­der­stand an. Die Ar­beit­ge­ber be­grüß­ten den Vor­stoß. Die Streiks der Lok­füh­rer­ge­werk­schaft GdL und der Luft­han­sa-Pi­lo­ten hat­ten die Ru­fe nach dem Ge­setz lau­ter wer­den las­sen. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te 2010 ent­schie­den: In ei­nem Be­trieb darf es meh­re­re Ta­rif­ver­trä­ge ne­ben­ein­an­der ge­ben. Die da­ma­li­ge Re­gie­rung war mit dem Plan ge­schei­tert, die Ta­rif­ein­heit wie­der­her­zu­stel­len.

"Es geht nicht dar­um, mit die­sem Ge­setz Streiks zu ver­hin­dern", sag­te Nah­les. Doch bei sich an­bah­nen­den Streiks soll­ten güt­li­che We­ge ein­ge­schla­gen, Kol­li­sio­nen zwi­schen zwei Ge­werk­schaf­ten ver­mie­den wer­den. Die Ta­ri­fland­schaft sol­le nicht wei­ter zer­fled­dert wer­den.

Nah­les mach­te deut­lich, dass es nach dem für Mit­te 2015 ge­plan­ten In­kraft­tre­ten Bahn­streiks wie der­zeit wo­mög­lich nicht mehr gibt. Sie ver­mied aber ei­ne Pro­gno­se zu den ge­nau­en Aus­wir­kun­gen des Ge­set­zes. "Es ist auch durch­aus mög­lich, dass in den ak­tu­el­len Kon­flik­ten bei Bahn oder Luft­han­sa in dem ei­nen oder an­de­ren Fall es sich her­aus­stellt, dass ei­ne Ge­werk­schaft eben nicht die Mehr­heit der Ar­beit­neh­mer ver­tritt." Künf­ti­ge Ta­rif­aus­ein­an­der­set­zun­gen könn­ten an­ders ver­lau­fen als in die­sem Jahr.

Die Fest­stel­lung im Kon­flikt­fall, wer die meis­ten Mit­glie­der in ei­nem Be­trieb hat, sol­le mit Hil­fe ei­nes No­tars ge­sche­hen. Ihm sol­len die Ge­werk­schaf­ten ih­re Mit­glie­der­zah­len of­fen­le­gen. Ge­werk­schaf­ten sol­len laut dem der Nach­rich­ten­agen­tur dpa vor­lie­gen­den Ent­wurf ei­ne Es­ka­la­ti­on aber ver­mei­den. So könn­ten sie ab­stim­men, für wel­che Be­rufs­grup­pe sie in ei­nem Be­trieb zu­stän­dig sei­en. Der Ent­wurf soll nach Ka­bi­netts­be­schluss am 3. De­zem­ber im Bun­des­tag be­ra­ten wer­den.

Der Be­am­ten­bund (dbb) und die Ärz­te­ge­werk­schaft Mar­bur­ger Bund (MB) set­zen nun auf das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt. "Ich ge­he da­von aus, dass ein Ar­beits­ge­richt beim ers­ten Kon­flikt­fall das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an­ru­fen wird", sag­te Klaus Dau­der­städt, Vor­sit­zen­der von dbb be­am­ten­bund und ta­rif­uni­on, der dpa. Ein MB-Spre­cher sag­te: "Im Fal­le ei­ner ge­setz­li­chen Re­ge­lung wer­den wir zum frü­hest­mög­li­chen Zeit­punkt ge­gen das Ge­setz Ver­fas­sungs­be­schwer­de er­he­ben." Akut be­droht wä­ren die MB-Arzt-Ta­rif­ver­trä­ge. Nah­les hin­ge­gen be­ton­te, der Ent­wurf sei ver­fas­sungs­ge­mäß.

Bei­de Or­ga­ni­sa­tio­nen war­fen Nah­les vor, ei­ne Be­gren­zung des Streik­rechts zu be­trei­ben und dies ver­schlei­ern zu wol­len. Dau­der­städt sprach von po­li­ti­scher Feig­heit. MB-Chef Ru­dolf Hen­ke sag­te der dpa, die Be­schnei­dung des Streik­rechts wer­de be­wusst ge­leug­net, um den Rück­halt des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) für das Ge­setz nicht zu ge­fähr­den.

Der DGB woll­te sich nicht äu­ßern. Die DGB-Ge­werk­schaft Berg­bau, Che­mie, En­er­gie be­grüß­te, "dass die Ko­ali­ti­on ei­nen Weg er­öff­nen will, die Ta­rif­ein­heit zu stär­ken, oh­ne in die Ko­ali­ti­ons­frei­heit ein­zu­grei­fen", wie ihr Chef Mi­cha­el Vas­si­lia­dis sag­te.

Die Pi­lo­ten­ge­werk­schaft Ver­ei­ni­gung Cock­pit hielt Nah­les vor, die Macht klei­ne­rer Ge­werk­schaf­ten bre­chen zu wol­len. Der Deut­sche Jour­na­lis­ten-Ver­band warn­te, ei­ne ef­fek­ti­ve Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung wä­re mit dem Ge­setz nicht mehr mög­lich. Lin­ke-Chef Bernd Ri­ex­in­ger twit­ter­te: "Frau Nah­les lügt!" Das Streik­recht wer­de be­schnit­ten.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer be­grüß­te die An­kün­di­gun­gen: "Das Ri­si­ko, je­der­zeit ei­nem Ar­beits­kampf durch klei­ne Ge­werk­schaf­ten aus­ge­setzt zu sein, wür­de lang­fris­tig die Ta­rif­au­to­no­mie ge­fähr­den." Auch der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall so­wie Bay­erns Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Il­se Ai­gner (CSU) be­grüß­ten die Vor­la­ge.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 1. Dezember 2015

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