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Trotz Re­kord­be­schäf­ti­gung kein Gol­de­ner Ok­to­ber auf dem Ar­beits­markt

Im Ok­to­ber be­kommt der Ar­beits­markt oft ei­nen kräf­ti­gen Schub: Da­von kann in die­sem Jahr nicht die Re­de sein - trotz Re­kord­be­schäf­ti­gung. Von den neu ge­schaf­fe­nen Jobs pro­fi­tie­ren Ar­beits­lo­se kaum
Fünf Arbeitnehmer Was sa­gen die Ar­beits­lo­sen­zah­len aus?

31.10.2013. (dpa) - Kein Gol­de­ner Ok­to­ber auf dem deut­schen Ar­beits­markt: Die flaue Kon­junk­tur hat trotz Re­kord­be­schäf­ti­gung nur für ei­ne schwa­che Herbst­be­le­bung ge­sorgt und die Hoff­nung auf ei­nen Job­auf­schwung wei­ter ge­dämpft.

Zu­gleich heiz­ten die neu­es­ten Da­ten die Dis­kus­si­on um ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn an.

Die Zahl der Ar­beits­lo­sen sank im Ok­to­ber le­dig­lich um 48 000 auf 2,801 Mil­lio­nen, wie die Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) am Mitt­woch in Nürn­berg mit­teil­te.

Die sai­son­üb­li­che Ab­nah­me der Ar­beits­lo­sen­zah­len fiel da­mit ge­rin­ger aus als im Schnitt der ver­gan­ge­nen drei Jah­re.

"Im Zu­ge der Herbst­be­le­bung ist die Zahl der ar­beits­lo­sen Men­schen im Ok­to­ber wei­ter ge­sun­ken. Al­ler­dings fiel der Rück­gang mo­de­rat aus", be­rich­te­te BA-Chef Frank-Jür­gen Wei­se.

Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sank im Ver­gleich zum Sep­tem­ber um 0,1 Punk­te auf 6,5 Pro­zent - und da­mit auf das Ni­veau vom Vor­jahr.

"Wir rech­nen auch in den kom­men­den Mo­na­ten mit ei­ner sta­bi­len Ent­wick­lung", sag­te Wei­se.

Der BA-Chef räum­te je­doch ein, dass sich die Bun­des­agen­tur al­lein da­mit nicht zu­frie­den­ge­ben kön­ne. Ein sta­bi­ler Ar­beits­markt sei zwar gut. "Aber ein dy­na­mi­scher Ar­beits­markt muss un­ser Ziel sein", füg­te Wei­se hin­zu. Wer jetzt ei­ne Stel­le ha­be, un­ter­lie­ge nur ei­nem ge­rin­gen Ri­si­ko, sei­nen Job zu ver­lie­ren. "Gleich­zei­tig sind die Ver­mitt­lungs­chan­cen für Ar­beits­lo­se ge­sun­ken", sag­te Wei­se. Für die kom­men­den drei Mo­na­te rech­net der BA-Chef mit kei­nen grö­ße­ren Ver­än­de­run­gen auf dem Ar­beits­markt.

Die Zahl der Er­werbs­tä­ti­gen stieg im Sep­tem­ber - dem ak­tu­ells­ten ver­füg­ba­ren Wert - auf das Re­kord­ni­veau von 42,16 Mil­lio­nen. Da­mit gab es in Deutsch­land so vie­le Ar­beits­plät­ze wie noch nie. Im Ver­gleich zum Vor­jahr hat­ten 250 000 mehr Män­ner und Frau­en ei­nen Job. Die Bun­des­agen­tur räum­te ein, dass Ar­beits­lo­se von den neu ent­ste­hen­den Ar­beits­plät­zen aber ver­hält­nis­mä­ßig we­nig pro­fi­tie­ren. Statt Er­werbs­lo­ser stell­ten Un­ter­neh­men oft Zu­wan­de­rer aus den EU-Län­dern ein.

BA-Vor­stands­mit­glied Hein­rich Alt warn­te den­noch vor fal­schen Schlüs­sen. Zu­wan­de­rer aus dem EU-Aus­land wür­den drin­gend auf dem deut­schen Ar­beits­markt ge­braucht, um die wach­sen­de De­mo­gra­fie-Lü­cke zu schlie­ßen: In­zwi­schen stei­ge wie­der die Zahl der Bun­des­bür­ger, die al­ters­be­dingt aus dem Ar­beits­le­ben aus­schei­den. "Qua­li­fi­zier­te Zu­wan­de­rer sor­gen in vie­len Un­ter­neh­men für den Wachs­tums­sprung, der dann auch an­de­ren er­laubt, in den Ar­beits­markt zu ge­lan­gen", sag­te der für Hartz IV zu­stän­di­ge Vor­stand.

Als "wei­ter­hin schwie­rig" be­schrieb BA-Vor­stands­mit­glied Rai­mund Be­cker die La­ge auf dem Lehr­stel­len­markt. Ei­nen Mo­nat nach dem Be­ginn des neu­en Aus­bil­dungs­jah­res ge­be es in Deutsch­land noch im­mer 21 000 un­ver­sorg­te Lehr­stel­len-Be­wer­ber. Das sei­en rund 5400 mehr als im Vor­jahr. Wei­te­re 62 500 jun­ge Leu­te hät­ten sich für ei­nen län­ge­ren Schul­be­such ent­schie­den, näh­men an Be­rufs­vor­be­rei­tungs­kur­sen teil oder jobb­ten, hoff­ten aber trotz­dem noch auf ei­ne Lehr­stel­le, be­rich­te­te er. Dem stün­den 33 500 un­be­setz­te Lehr­stel­len ge­gen­über.

Die am­tie­ren­de Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) be­wer­te­te den An­stieg der Er­werbs­tä­ti­gen­zahl über die Re­kord­mar­ke von 42 Mil­lio­nen am Mitt­woch als ein er­mu­ti­gen­des Si­gnal. "Nach wie vor ist ge­nug Ar­beit in Deutsch­land da", er­klär­te sie. Ein ho­her Be­schäf­ti­gungs­stand sei die bes­te Grund­la­ge für aus­kömm­li­che Steu­er­ein­nah­men und so­li­de So­zi­al­kas­sen. "Die Hür­den in den Ar­beits­markt müs­sen für Ar­beits­lo­se über­wind­bar blei­ben", sag­te sie mit Blick auf SPD-For­de­run­gen nach ei­nem ge­setz­li­chen Min­dest­lohn.

Da­ge­gen spra­chen sich Lin­ke und Grü­ne nach­drück­lich für ei­nen ge­setz­li­chen Min­dest­lohn aus. Nur so las­se sich der Miss­brauch von Werk­ver­trä­gen und Leih­ar­beit be­kämp­fen, be­ton­te die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Links­frak­ti­on im Bun­des­tag, Sa­bi­ne Zim­mer­mann. Die ak­tu­el­len Ar­beits­markt­zah­len zeig­ten aber auch, dass es noch wei­te­re of­fe­ne Bau­stel­len auf dem Ar­beits­markt ge­be.

Die Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te Bri­git­te Poth­mer hält in der ak­ti­ven Ar­beits­markt­po­li­tik ei­nen ra­di­ka­len Kurs­wech­sel für er­for­der­lich. "Statt wei­ter zu kür­zen, muss end­lich mehr in die Qua­li­fi­zie­rung von Ar­beits­lo­sen in­ves­tiert wer­den", ver­lang­te sie in ei­ner Mit­tei­lung.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 6. Juni 2014

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