HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/222

Ren­te mit 63 bleibt An­lass zum Streit

Was wur­de ge­klatscht auf der ei­nen Sei­te und was wur­de ge­schimpft auf der an­de­ren Sei­te, als die Ren­te mit 63 ver­gan­ge­nes Jahr Ge­setz wur­de: Über­fäl­lig, hieß es von Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern. Ein Tief­schlag, mo­nier­ten Ar­beit­ge­ber. Und heu­te?
Alter Mann mit Hund im Wald Wor­über herrscht Un­mut?

18.08.2015. (dpa) - Im Streit über die Ren­te mit 63 wol­len sich die Wo­gen auch gut ein Jahr nach de­ren Start nicht glät­ten.

Der Chef der IG Me­tall Ba­den-Würt­tem­berg, Ro­man Zit­zels­ber­ger, warf den Ar­beit­ge­bern am Mon­tag vor, mit über­zo­ge­ner Kri­tik von ei­ge­nen Ver­säum­nis­sen ab­zu­len­ken.

So hät­ten vie­le Un­ter­neh­mer nicht ver­stan­den, dass für ei­nen Ge­ne­ra­tio­nen­wech­sel in der Fir­ma gro­ße An­stren­gun­gen nö­tig sei­en, et­wa in Fort- und Wei­ter­bil­dun­gen.

Ar­beit­neh­mer mit 45 Bei­trags­jah­ren hät­ten sich ei­ne frü­he­re Ren­te und da­mit mehr Le­bens­qua­li­tät red­lich ver­dient.

Ar­beit­ge­ber­ver­tre­ter ver­wei­sen hin­ge­gen auf das Pro­blem des Fach­kräf­te­man­gels, der sich durch die Ren­te mit 63 ver­schär­fe. Der Süd­west­me­tall-Vor­sit­zen­de Ste­fan Wolf sag­te, wenn er könn­te, wür­de er die früh­zei­ti­ge Ren­te so­fort zu­rück­dre­hen.

Im Süd­wes­ten wur­den nach An­ga­ben der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) bis En­de Ju­li gut 20 000 An­trä­ge auf die ab­schlags­freie Ren­te vor dem 65. Le­bens­jahr ge­stellt. Hin­zu kom­men An­trä­ge, die über DRV Bund und die Knapp­schaft Bahn-See ge­stellt wer­den. Ei­ne Zahl für Ba­den-Würt­tem­berg da­zu liegt der DRV nicht vor, ei­ne Schät­zung woll­te ein DRV-Spre­cher nicht ma­chen.

Sei­nen Un­mut zum The­ma Ren­te mit 63 äu­ßer­te der Prä­si­dent des Ba­den-Würt­tem­ber­gi­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tags (BWIHK), Pe­ter Ku­litz. Die­se Vor­ga­be ha­be gra­vie­ren­de Ne­ga­tiv­fol­gen für die Wirt­schaft, sagt Ku­litz. "Wir ha­ben da­vor ge­warnt, dass uns das Fach­kräf­te ent­zieht." Sol­che War­nun­gen sei­en Wirk­lich­keit ge­wor­den.

Un­ter den An­trag­stel­lern sei­en we­ni­ger kör­per­lich ge­beu­tel­te Hand­wer­ker, son­dern vor al­lem Fach­ar­bei­ter aus der Au­to­bran­che, dem Ma­schi­nen­bau und dem Ein­zel­han­del. "Die sa­gen sich ganz ra­tio­nal, ich kann kaum noch mehr Ren­te krie­gen - al­so ge­he ich doch mit 63 in Ren­te." Für die hän­de­rin­gend nach Fach­kräf­ten su­chen­de Wirt­schaft sei das ein schwe­rer Rück­schlag, sag­te Ku­litz.

Süd­west­me­tall-Chef Wolf sag­te mit Blick auf den de­mo­gra­fi­schen Wan­del, in ei­ni­gen Jah­re wer­de man über ei­ne Ren­te mit 69 spre­chen. Sol­che Äu­ße­run­gen von der Ar­beit­ge­ber­sei­te lie­ßen bei Ver­di-Lan­des­che­fin Le­ni Brey­mai­er die Alarm­glo­cken schril­len. Sie warn­te da­vor, das Ren­ten­al­ter von 67 auf­zu­wei­chen, an­zu­he­ben oder fle­xi­bel zu ge­stal­ten. "Na­tür­lich kann der Pro­fes­sor mit 75 auf sei­ner Ter­ras­se noch schlaue Auf­sät­ze schrei­ben." Aber bei Schicht­ar­bei­tern und Ver­käu­fern mit har­ten, eher schlecht be­zahl­ten Jobs sei das an­ders, zu­mal sie im Schnitt deut­lich frü­her ster­ben.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de