HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 12/082

Ar­beits­mi­nis­te­rin wirbt für Ren­te mit 67

BMAS rührt die Wer­be­trom­mel für die schritt­wei­se An­he­bung des Ren­ten­ein­tritts­al­ters
Alter Mann mit Hund im Wald Im­mer spä­ter in den wohl­ver­dien­ten Ru­he­stand ...

22.02.2012 (dpa) - Die Ren­te mit 67 zählt si­cher­lich zu den un­po­pu­lärs­ten So­zi­al­re­for­men der ver­gan­ge­nen Jah­re. In der EU war Deutsch­land Vor­rei­ter, an­de­re Staa­ten sol­len jetzt fol­gen. Doch bis zu ei­ner al­ters­ge­rech­ten Ar­beits­welt ist in der Bun­des­re­pu­blik noch ein wei­ter Weg. Ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) will nun re­gel­mä­ßig al­le sechs Mo­na­te mit ei­nem "Fort­schritts­re­port" über die Ent­wick­lung des Ar­beits­mark­tes für Äl­te­re be­rich­ten - und da­mit für mehr Ak­zep­tanz der un­ge­lieb­ten Ren­te mit 67 wer­ben.

Ihr ers­ter Re­port, den die Mi­nis­te­rin am Diens­tag zu­sam­men mit DGB-Chef Mi­cha­el Som­mer und Hand­werks-Prä­si­dent Ot­to Kent­zler vor­ge­stell­te, ent­hält auf gut 50 Sei­ten ei­ne Men­ge Zah­len, vie­le bun­te Ta­bel­len, po­si­ti­ve Bei­spie­le über al­ters­ge­rech­te Ge­stal­tung von Ar­beits­ab­läu­fen und neue Er­geb­nis­se aus der Ar­beits­markt­for­schung. So steigt nach ei­ner Stu­die des Zen­trums für Eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­for­schung (ZEW) die Pro­duk­ti­vi­tät ei­nes Un­ter­neh­mens - je mehr äl­te­re und be­rufs­er­fah­re­ne Mit­ar­bei­ter ein­ge­setzt wer­den - mög­lichst auf al­ters­ge­recht ge­stal­te­ten Ar­beits­plät­zen.

Un­be­streit­bar ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren auch die Zahl der Äl­te­ren ge­stie­gen, die län­ger ar­bei­ten - mög­lichst bis zum Er­rei­chen des of­fi­zi­el­len Ren­ten­ein­tritts­al­ters. Die Zei­ten von Vor­ru­he­stand und groß­zü­gi­gen Ab­fin­dun­gen beim vor­zei­ti­gen Aus­schei­den Äl­te­rer aus dem Be­trieb schei­nen end­gül­tig vor­bei. Wa­ren 2.000 nur noch 19,9 Pro­zent der 60- bis 65-Jäh­ri­gen er­werbs­tä­tig, so wa­ren dies 2010 be­reits 40,8 Pro­zent. Nur in Groß­bri­tan­ni­en und in Schwe­den ist die­se Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te noch hö­her.

Doch sta­tis­ti­sche Aus­sa­gen ha­ben häu­fig meh­re­re Sei­ten. So ver­schweigt der Re­port, dass heu­te al­lein 860.000 in der Al­ters­grup­pe der 55 bis 64-Jäh­ri­gen le­dig­lich Mi­ni­jobs oder Ein-Eu­ro-Jobs aus­üben - bei den Äl­te­ren mit stei­gen­den­der Ten­denz. Auch Selbst­stän­di­ge wie so­ge­nann­te Schein-Selbst­stän­di­ge wer­den in der Er­werbs­tä­ti­gen­quo­te von 40,8 Pro­zent mit­ge­zählt. Von der Ley­en kün­dig­te an, dass man hier in ei­nem künf­ti­gen Be­richt stär­ker dif­fe­ren­zie­ren wol­le.

Nur müh­sam fin­det man in dem ers­ten "Fort­schritts­re­port" auch An­ga­ben über die Zahl der äl­te­ren so­zi­al­ver­si­che­rungs­pflich­tig Be­schäf­tig­ten. Nach Zah­len der Bun­des­agen­tur für Ar­beit wa­ren 2010 von den 60- bis 64-Jäh­ri­gen nur noch 27,5 Pro­zent in Ar­beit - wäh­rend dies von den 15- bis 65-Jäh­ri­gen ins­ge­samt 52,1 Pro­zent wa­ren.

Oh­ne deut­li­che­re Stei­ge­rung die­ser Er­werbs­quo­te bleibt aus Sicht vie­ler So­zi­al­ex­per­ten und der Ge­werk­schaf­ten der Start in die stu­fen­wei­se Ein­füh­rung der Ren­te mit 67 le­dig­lich ein Ren­ten­kür­zungs­pro­gramm. DGB-Chef Som­mer: "Die Be­schäf­tig­ten­quo­ten von Äl­te­ren ha­ben sich zwar leicht ver­bes­sert. Gleich­wohl lie­fern die Zah­len kei­nen Grund, die Ren­te mit 67 ein­zu­füh­ren."

Das se­hen von der Ley­en und Kent­zler na­tür­lich völ­lig an­ders. Kent­zler nahm in sei­ner Ei­gen­schaft als Vi­ze-Prä­si­dent der Bun­des­ver­ei­ni­gung der Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de an der Prä­sen­ta­ti­on teil. Doch trotz ih­rer un­ter­schied­li­chen Po­si­tio­nen ge­lob­ten die Ta­rif­part­ner wie von der Ley­en, ge­mein­sam an der Ver­bes­se­rung der Ar­beits­si­tua­ti­on Äl­te­rer zu ar­bei­ten. Denn of­fen­sicht­lich ist auch: Es man­gelt in vie­len Un­ter­neh­men im­mer noch an Wei­ter­bil­dung für Äl­te­re, an Ge­sund­heits­vor­sor­ge und vor al­lem an Stra­te­gi­en, wie mit psy­chi­schen Er­kran­kun­gen in­fol­ge von Ar­beits­über­las­tung um­zu­ge­hen ist.

Nach wie vor gilt: Je nied­ri­ger die Qua­li­fi­ka­ti­on ei­nes Mit­ar­bei­ters ist, je hö­her die Ar­beits­be­las­tung und je nied­ri­ger das Ein­kom­men - um­so ge­rin­ger ist die Er­werbs­be­tei­li­gung - wie der jüngs­te Mi­kro­zen­sus zeigt.

Be­son­ders schwie­rig ist auch nach wie vor die Si­tua­ti­on äl­te­rer Ar­beits­lo­ser - vor al­lem, wenn sie nur über ein­fa­che Qua­li­fi­ka­tio­nen ver­fü­gen und schon län­ger oh­ne Be­schäf­ti­gung sind. 2011 ist die Al­ters­ar­beits­lo­sig­keit von Äl­te­ren (55 bis 64 Jah­re) ge­gen­über dem Vor­jahr um 2 Pro­zent auf 543.000 ge­stie­gen - wäh­rend die all­ge­mei­ne Ar­beits­lo­sig­keit um 8,1 Pro­zent auf knapp 3 Mil­lio­nen ge­sun­ken ist.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 22. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de