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Ren­ten: Im Wes­ten plus 0,25 Pro­zent, im Os­ten plus 3,29 Pro­zent

Mit die­ser Über­ra­schung hat kaum je­mand ge­rech­net: Die Ren­ten le­gen im Os­ten in die­sem Jahr um ein Viel­fa­ches im Ver­gleich zum Wes­ten zu: Ei­ne Mo­nats­ren­te im Os­ten von 800 Eu­ro er­höht sich um 26,32 Eu­ro
Alter Mann mit Hund im Wald Wel­che Ren­ten­be­zü­ge er­hält man im Ru­he­stand?

21.03.2013. (dpa) - Die Ren­ten stei­gen in die­sem Jahr im Os­ten deut­lich stär­ker als im Wes­ten.

Für die rund vier Mil­lio­nen ost­deut­schen Rent­ner gibt es zur Jah­res­mit­te ei­ne Er­hö­hung um 3,29 Pro­zent.

Die et­wa 16 Mil­lio­nen Ru­he­ständ­ler im Wes­ten Deutsch­lands müs­sen sich mit ei­nem Mi­ni-Auf­schlag von 0,25 Pro­zent be­gnü­gen.

Die Zah­len gab das Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­um am Mitt­woch in Ber­lin be­kannt. Die Dif­fe­renz fällt sehr viel deut­li­cher aus als er­war­tet.

Als Grün­de da­für nennt das Mi­nis­te­ri­um den stär­ke­ren An­stieg der Löh­ne 2011 im Os­ten. Zu­dem wur­de die Ren­ten­an­he­bung im Wes­ten zu­sätz­lich durch ei­nen Ab­schlag im Zu­sam­men­hang mit der Ren­ten­ga­ran­tie ge­dämpft, die 2010 ei­ne Ren­ten­kür­zung ver­hin­der­te.

Zum 1. Ju­li er­höht sich da­mit ei­ne Mo­nats­ren­te von 800 Eu­ro im Wes­ten um 2 Eu­ro, im Os­ten um 26,32 Eu­ro. Bei ei­ner Ren­te von 1200 Eu­ro be­trägt der Auf­schlag 3 ge­gen 39,48 Eu­ro. Das Ren­ten­ni­veau im Os­ten klet­tert von bis­lang 88,8 Pro­zent auf dann 91,5 Pro­zent des West-Wer­tes.

Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) sag­te, die für die Ren­ten­an­pas­sung maß­geb­li­che Lohn­ent­wick­lung sei im Os­ten "merk­lich hö­her" als im Wes­ten aus­ge­fal­len. Sie freue sich für die ost­deut­schen Rent­ner, "dass sie beim Ren­ten­wert nun so deut­lich auf­ho­len kön­nen". Im Wes­ten zeich­ne sich erst 2014 "wie­der ein spür­ba­res Plus ab".

Im ver­gan­ge­nen Jahr gab es für die Rent­ner im Wes­ten ei­ne Er­hö­hung um 2,18 Pro­zent, im Os­ten um 2,26 Pro­zent. Ei­nen Ren­ten­auf­schlag in ähn­li­cher Grö­ßen­ord­nung für die Ost­rent­ner gab es zu­letzt mit 3,38 Pro­zent im Jahr 2009.

Ost­rent­ner sind je­ne Ru­he­ständ­ler, die - un­ab­hän­gig vom heu­ti­gen Wohn­ort - im Ge­biet der neu­en Bun­des­län­der und Ost-Ber­lins ge­ar­bei­tet und dort Bei­trä­ge zur Ren­ten­ver­si­che­rung be­zahlt ha­ben.

Den An­ga­ben des Mi­nis­te­ri­ums zu­fol­ge lag die Lohn­stei­ge­rung 2011 im Wes­ten bei 1,5 Pro­zent und bei 4,32 Pro­zent in den neu­en Län­dern. Im Wes­ten sei­en die zur Ren­ten­ver­si­che­rung bei­trags­pflich­ti­gen Ent­gel­te schwä­cher ge­stie­gen als in den neu­en Län­dern.

Die Ren­ten­ga­ran­tie nann­te die Mi­nis­te­rin "gold­rich­tig, denn sie hat die Ren­ten der äl­te­ren Ge­ne­ra­ti­on in der Kri­se ge­schützt und die deut­sche Wirt­schaft in schwie­rigs­ter La­ge sta­bil ge­hal­ten". Die Re­gie­rung ste­he im Sin­ne der Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit zu ih­rem Ver­spre­chen an die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on, dass die­se "die Kos­ten nicht al­lei­ne tra­gen muss".

Grund­sätz­li­che Kri­tik kam von der Links­frak­ti­on: Auch nach der Er­hö­hung wer­de ein Ost­rent­ner mit Durch­schnitts­ver­dienst nach 45 Ar­beits­jah­ren 108 Eu­ro we­ni­ger Ren­te als sein west­deut­scher Kol­le­ge ha­ben, sag­te Lin­ken-Ren­ten­ex­per­te Mat­thi­as W. Birk­wald. Dies sei "ein un­halt­ba­rer Zu­stand und muss drin­gend ge­än­dert wer­den." Der So­zi­al­ver­band VdK be­kräf­tig­te sei­ne For­de­rung, al­le Dämp­fungs­fak­to­ren in der Ren­ten­for­mel ab­zu­schaf­fen.

Än­de­run­gen for­der­ten auch die Ar­beit­ge­ber: "Es ist an der Zeit, dass der Ge­setz­ge­ber für ein ein­heit­li­ches Ren­ten­recht sorgt", so die Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung BDA. Es sei "nicht ver­mit­tel­bar", war­um die Ren­ten im Os­ten um mehr als drei Pro­zent­punk­te stär­ker stie­gen als im Wes­ten, "ob­wohl die Löh­ne im ver­gan­ge­nen Jahr im Wes­ten mit 2,6 Pro­zent um 0,4 Pro­zent­punk­te stär­ker ge­wach­sen sind als im Os­ten mit 2,2 Pro­zent".

Die Ren­ten­ga­ran­tie ver­hin­der­te trotz der ne­ga­ti­ven Lohn­ent­wick­lung ei­ne Ren­ten­kür­zung im Jahr 2010. Die Ren­ten fie­len da­durch rech­ne­risch zu hoch aus, im Wes­ten mehr als im Os­ten. Die­ser Über­hang wur­de im Wes­ten nun mit der Er­hö­hung teil­wei­se ver­rech­net. Im Os­ten war dies be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr ab­ge­schlos­sen.

Et­wa je­der vier­te Bun­des­bür­ger sorgt nicht aus­rei­chend für das Al­ter vor. "Ver­las­sen sich die 38 Mil­lio­nen Ar­beit­neh­mer le­dig­lich auf die staat­li­che Al­ters­ver­sor­gung, feh­len ih­nen nach heu­ti­ger Kauf­kraft im Schnitt 800 Eu­ro pro Mo­nat", warn­te Bernd Raf­fel­hü­s­chen vom For­schungs­zen­trum Ge­ne­ra­tio­nen­ver­trä­ge der Uni Frei­burg. Hin­ge­gen könn­ten die 16,6 Mil­lio­nen Ries­ter-Spa­rer ih­re Ren­ten­lü­cke schlie­ßen, geht aus dem vom For­schungs­zen­trum für Uni­on In­vest­ment er­stell­ten "Vor­sor­ge­at­las Deutsch­land" her­vor.

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Letzte Überarbeitung: 21. März 2015

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