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Wenn der Ro­bo­ter den Chef (fast) ab­schafft

Die Sin­gu­la­ri­tät: der Mo­ment, in dem die künst­li­che In­tel­li­genz die men­sch­li­che über­steigt. Dar­auf soll­ten sich al­le vor­be­rei­ten, rät die Sin­gu­la­ri­ty Uni­ver­si­ty im Si­li­con Val­ley. Nun geht sie auf Tour­nee, zum ers­ten Sin­gu­la­ri­ty-Gip­fel in Deutsch­land
Rentner und Jugendlicher an Laptop Was er­forscht die Sin­gu­la­ri­ty Uni­ver­si­ty?

07.04.2016. (dpa) - 98 Füh­rungs­kräf­te aus 44 Län­dern sit­zen dicht ge­drängt im gro­ßen Schu­lungs­raum der ka­li­for­ni­schen Sin­gu­la­ri­ty Uni­ver­si­ty, auf den Ti­schen liegt Le­go und an­de­res Spiel­zeug.

Je­der hat 14.000 Dol­lar da­für be­zahlt, sich sechs Ta­ge lang für die Zu­kunft brie­fen zu las­sen.

Sie hö­ren Plä­ne von der ei­ge­nen Ab­schaf­fung.

"Ich als CEO träu­me da­von, dass ei­nes Ta­ges ei­ne Form von künst­li­cher In­tel­li­genz den Groß­teil mei­nes Jobs er­le­digt", sagt Rob Nail, Chef der Sin­gu­la­ri­ty Uni­ver­si­ty.

"Ich glau­be, dass 70 bis 80 Pro­zent der Ent­schei­dun­gen, die ich je­den Tag tref­fe, auch von ei­nem Al­go­rith­mus ge­trof­fen wer­den könn­ten. Wir könn­ten die Platt­form so pro­gram­mie­ren, dass sie ge­nau­so gut ent­schei­det wie ich, wenn nicht so­gar bes­ser."

Manch­mal ver­ges­se er zum Bei­spiel, zu Mit­tag zu es­sen, sagt Nail. Er tref­fe dann sehr kurz­ent­schlos­sen und hung­rig Ent­schei­dun­gen. Und nett sei er auch nicht be­son­ders. "Je­der Ro­bo­ter wür­de das sehr viel kon­sis­ten­ter ma­chen."

Think Big ist das Mot­to der Sin­gu­la­ri­ty Uni­ver­si­ty im Si­li­con Val­ley, die sich 2008 un­ter an­de­rem mit dem Geld von Goog­le, Au­to­desk und Gen­en­tech auf dem NASA-For­schungs­ge­län­de ge­grün­det hat. Welt­wei­te Her­aus­for­de­run­gen wie En­er­gie und Jobs, Bil­dung, Welt­raum und Me­di­zin sol­len hier an­ge­gan­gen wer­den. Ei­ne Art Thinktank, zu­gleich Aus­bil­der und Star­t­up-Ac­ce­le­ra­tor.

Im­mer wie­der wer­den die Teil­neh­mer des "Exe­cu­ti­ve Pro­grams" auf­ge­for­dert: "Denkt zehn­mal grö­ßer! Wie sieht Eu­er Flug zum Mond aus?" Und bit­te kei­ne Angst vor neu­er Tech­nik. Ein Rat­schlag: "Kau­fen Sie sich ei­nen Te­le­prä­senz-Ro­bo­ter, da­mit Sie von über­all auf der Welt mit ih­rem Team kom­mu­ni­zie­ren kön­nen, als wä­ren Sie selbst im Raum." Oder: "Hö­ren Sie auf, die Nach­rich­ten zu schau­en. Die Welt ist viel bes­ser als uns die Me­di­en weis­ma­chen wol­len. Wer ei­ne ne­ga­ti­ve Welt­sicht hat, in­ves­tiert nicht in die Zu­kunft", sagt Pe­ter Dia­man­dis, Luft­fahr­tin­ge­nieur und Mit­be­grün­der der Uni­ver­si­ty.

Die Ma­na­ger er­fah­ren, wie sehr je­de In­dus­trie im Mo­ment an­fäl­lig ist für Dis­rup­ti­on, was so­viel heißt wie Stö­rung, Un­ter­bre­chung und für das Prin­zip steht, Märk­te an­zu­grei­fen und Markt­füh­rer zu ver­drän­gen. Die im­mer wie­der­keh­ren­de War­nung: "Ent­we­der Ihr dis­rup­ted Euch selbst oder Ihr wer­det dis­rup­ted."

Auch ein deut­scher Ma­na­ger nimmt an die­ser Brain­storm-Wo­che im Si­li­con Val­ley teil: Mar­tin Hof­mann, IT-Chef bei Volks­wa­gen. "Die gan­ze Au­to­bran­che er­fährt ge­ra­de Dis­rup­ti­on, da müs­sen wir jetzt in den An­griffs­mo­dus ge­hen, auch wenn vie­le Angst ha­ben vor Ver­än­de­rung." Hof­mann nennt die di­gi­ta­le Ein­stel­lung hier vor Ort ein "Er­we­ckungs­er­leb­nis".

Am 20. und 21. April hält die Sin­gu­la­ri­ty Uni­ver­si­ty ih­ren ers­ten deut­schen Gip­fel ab. Blu­mig wird ein «Hap­pe­ning mit ho­her Lern­kur­ve» ver­spro­chen, die meis­ten der 500 Ti­ckets á 1999 Eu­ro sind schon ver­kauft. Vie­le wol­len Si­li­con Val­ley-Luft schnup­pern, oh­ne da­für die Rei­se an die US-West­küs­te ma­chen zu müs­sen. Die Sin­gu­la­ri­ty-Vor­den­ker flie­gen ein, um die Deut­schen auf den letz­ten Stand zu brin­gen: Mo­bi­li­tät, Ro­bo­tik, 3D-Druck, ma­schi­nel­les Ler­nen und De­sign Thin­king.

Neil Ja­cob­stein, Gu­ru für Künst­li­che In­tel­li­genz an der Sin­gu­la­ri­ty Uni­ver­si­ty, rech­net et­wa für das Jahr 2030 mit dem Er­rei­chen der Su­per­in­tel­li­genz. Das wird ei­ne ganz neue Ar­beits­welt, ver­spricht er den Ma­na­gern: "Künst­li­che In­tel­li­genz ist rund um die Uhr ver­füg­bar, wird nie krank, braucht kei­nen Ur­laub und jam­mert nicht."

Nach­tei­le wie den Weg­fall man­cher Jobs wür­den rasch aus­ge­gli­chen. "der Mensch ist an­pas­sungs­fä­hig", sagt Ja­cob­stein. "Wir wer­den neue Jobs er­fin­den." Die Mensch­heit auf die­se Um­brü­che vor­zu­be­rei­ten, dar­in se­hen die Ex­per­ten um Ja­cob­stein ih­re Mis­si­on.

Zum Schluss geht wäh­rend des Work­shops doch noch ein Schau­dern durch den Raum. Ir­gend­wann könn­te der Mensch das ge­sam­te Goog­le-Wis­sen im Kopf ha­ben: Die Re­de ist da­von, dass das men­sch­li­che Ge­hirn sich in ab­seh­ba­rer Zeit mit der Cloud ver­bin­den las­sen wird. In et­wa 15 Jah­ren soll es so weit sein.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 23. November 2016

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