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Ro­bo­ter rein, Mensch raus?

Die Au­to­ma­ti­sie­rung ver­än­dert vie­le Jobs grund­le­gend: Für vie­le Men­schen stellt sich die Fra­ge, wie aus­tausch­bar sie ei­gent­lich sind
Maschinenführer Nahaufnahme

28.12.2016 (dpa) - Sie sind ge­nüg­sam, wil­lig und wer­den nicht krank: Nach den Fa­brik­hal­len der In­dus­trie er­obern Ro­bo­ter auch an­de­re Wirt­schafts­zwei­ge.

Die Un­ter­neh­men schät­zen die ef­fi­zi­en­ten Hel­fer. Aber vie­le Be­schäf­tig­te ma­chen sich auch Sor­gen, ob sie nicht schon bald durch ma­schi­nel­le Kol­le­gen ver­drängt wer­den.

Wirt­schafts­ver­bän­de hal­ten da­ge­gen: Dank der Au­to­ma­ti­sie­rung wür­den Ar­bei­ten künf­tig über­haupt erst mög­lich, die es so heu­te noch gar nicht gibt - das dürf­te auch tau­sen­de neue Jobs schaf­fen.

Wel­che Be­ru­fe letzt­lich Ge­win­ner und wel­che Ver­lie­rer der Di­gi­ta­li­sie­rung sein wer­den, wird sich aber erst in Zu­kunft zei­gen.

In­dus­trie

Schon heu­te wer­den in der In­dus­trie vie­le Ar­beits­schrit­te von Ma­schi­nen über­nom­men. Doch die ver­netz­te Pro­duk­ti­on setzt auch in den Werks­hal­len ei­ne wei­te­re Au­to­ma­ti­sie­rungs­wel­le in Gang.

Das muss un­term Strich aber nicht zwangsläufig zu Job­ver­lus­ten führen, heißt es aus der Wirt­schaft: Schon heu­te lie­ge Deutsch­land bei der "Ro­bo­ter-Dich­te" welt­weit auf Platz drei hin­ter Südko­rea und Ja­pan - und trotz­dem sei die Beschäfti­gung auf ei­nem Re­kord­stand, erklärt der Ma­schi­nen­bau-Ver­band VD­MA.

Auch der Präsi­dent des Elek­tro­nik-Bran­chen­ver­ban­des ZVEI, Mi­cha­el Zie­se­mer, sagt: "Es können auch mehr Jobs ent­ste­hen als weg­fal­len." Die Di­gi­ta­li­sie­rung wer­de ei­ne Viel­zahl neu­er Geschäfts­mo­del­le und da­mit neue Stel­len her­vor­brin­gen. "Wer krea­tiv ist, ran­geht und sich Din­ge über­legt, hat je­de Men­ge Chan­cen."

Trans­port und Lo­gis­tik

Vor al­lem das ver­netz­te und au­to­ma­ti­sier­te Fah­ren dürf­te künf­tig vie­le Jobs überflüssig ma­chen. "In der Zu­kunft wird es kei­ne Lokführer mehr ge­ben, viel­leicht auch kei­ne Ta­xi­fah­rer und Lkw-Fah­rer mehr", glaubt et­wa Bay­erns DGB-Chef Mat­thi­as Je­na.

Stu­di­en pro­gnos­ti­zie­ren Ähn­li­ches: Be­reits in zehn Jah­ren könn­te je­der drit­te in Eu­ro­pa ver­kauf­te Last­wa­gen et­wa auf der Au­to­bahn au­to­ma­ti­siert fah­ren, er­war­tet et­wa die Be­ra­tungs­fir­ma McK­in­sey. Im Ge­gen­zug könn­ten rund um die Ro­bo­ter-Au­tos und -Lkw aber auch neue Ser­vice-Dienst­leis­tun­gen ent­ste­hen.

Büro

Schreib­ar­bei­ten, Auf­trags­ab­wick­lung und Ab­rech­nun­gen - Büro­f­ach­kräfte und kaufmänni­sche An­ge­stell­te er­le­di­gen nach Ex­per­ten­einschätzun­gen Ar­bei­ten, die heu­te schon zu ei­nem ho­hen Grad au­to­ma­ti­sier­bar sind.

Da­durch könn­ten auch vie­le Ar­beitsplätze auf dem Spiel ste­hen. Mehr als 1,6 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land sind in sol­chen Be­ru­fen tätig.

Verkäufer und Kas­sie­rer

Der Han­del wur­de als ei­ne der ers­ten Bran­chen von der Di­gi­ta­li­sie­rung er­fasst. Dem­ent­spre­chend lau­fen im On­line­han­del vie­le Pro­zes­se au­to­ma­ti­siert ab.

In sta­ti­onären Läden aber sit­zen meist noch Men­schen an den Kas­sen, ob­wohl sich auch das Be­zah­len au­to­ma­tisch re­geln lässt. Das macht auch der Ver­sandrie­se Ama­zon vor: Seit kur­zem tes­tet er in den USA ei­nen Su­per­markt oh­ne klas­si­sches Kas­sen­sys­tem und Ver­kaufs­per­so­nal. Ab­ge­rech­net wird per Smart­pho­ne-App und Kun­den­kon­to.

Land­wirt­schaft

Sie mel­ken die Kühe, füttern, mis­ten aus und hel­fen beim Ern­ten - Ro­bo­ter ha­ben längst auch auf den Bau­ernhöfen Ein­zug ge­hal­ten.

Wo bis­her meist viel Ar­beit von we­ni­gen Händen er­le­digt wer­den muss­te, sind ma­schi­nel­le Kol­le­gen ei­ne will­kom­me­ne Un­terstützung. Aus­sch­ließlich ma­schi­nell wird aber auch der Bau­ern­hof der Zu­kunft mit sei­nen vielfälti­gen Tätig­kei­ten wohl nicht funk­tio­nie­ren.

Kran­ken­haus und Al­ten­heim

Ro­bo­ter in der Pfle­ge - was in Ja­pan be­reits zum All­tag gehört, be­rei­tet vie­len Men­schen in Deutsch­land noch eher Un­be­ha­gen. Doch weil das men­sch­li­che Per­so­nal knapp ist, könn­ten Ro­bo­ter auch hier­zu­lan­de zur wich­ti­gen Stütze wer­den.

Im Ein­satz sind sie teils schon heu­te bei der Es­sens­ver­tei­lung oder beim Trans­port von Wäsche und Ste­ril­gut - und als präzi­se Hel­fer am OP-Tisch.

Rei­ni­gungs­diens­te

Auch im Haus­halt tun Ro­bo­ter schon ih­ren Dienst, und neue An­wen­dun­gen dürf­ten mit dem ver­netz­ten Zu­hau­se hin­zu­kom­men.

Der Welt-Ro­bo­ter-Ver­band IFR er­war­tet, dass von 2016 bis 2019 welt­weit ins­ge­samt rund 31 Mil­lio­nen Ro­bo­ter ver­kauft wer­den, die beim Ra­senmähen, Staub­sau­gen oder Fens­ter­put­zen hel­fen. As­sis­tenz­ro­bo­ter für Men­schen mit Be­hin­de­rung sind da noch nicht ein­ge­rech­net.

Die Haus­halts­hil­fe aus Fleisch und Blut aber wer­den sie nach Einschätzung des Hei­del­ber­ger In­sti­tuts für Trend- und Zu­kunfts­for­schung nicht er­set­zen. Man­che Haus­ar­beit kann von Men­schen ein­fach bes­ser und schnel­ler er­le­digt wer­den, und der Hilfs­be­darf in der al­tern­den Ge­sell­schaft bleibt groß.

Leh­rer und Er­zie­her

E-Learning gibt es zwar längst. Doch in Kin­der­gar­ten, Schu­le oder Aus­bil­dung geht es um mehr als um das rei­ne Ver­mit­teln von Stoff.

Übe­r­all da, wo So­zi­al­kom­pe­tenz, pädago­gi­sches Wis­sen und Em­pa­thie ge­fragt sind, wer­den Ro­bo­ter zu­min­dest auf ab­seh­ba­re Zeit kaum mit dem Men­schen mit­hal­ten können, ist Ka­tha­ri­na Deng­ler vom Nürn­ber­ger In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung über­zeugt.

Anwälte, In­ge­nieu­re und an­de­re aka­de­mi­sche Be­ru­fe

Zwar dürf­ten sol­che Be­ru­fe an­ge­sichts von Spe­zia­li­sie­rungs­grad und Kom­ple­xität we­ni­ger stark der Au­to­ma­ti­sie­rung aus­ge­setzt sein. In Teil­be­rei­chen wird künst­li­che In­tel­li­genz aber durch­aus ei­ne Rol­le spie­len, wenn es et­wa um die Prüfung großer Ver­trags­wer­ke geht.

Ten­den­zi­ell schütze ei­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dung bes­ser da­vor, er­setzt zu wer­den, sagt IAB-Ex­per­tin Deng­ler.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier: 

Letzte Überarbeitung: 16. Juni 2017

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