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SPD will Punk­teystem für Ein­wan­de­rer - Drei Jah­re Blei­be­recht

Der Knatsch in der Ko­ali­ti­on ist vor­pro­gram­miert: Die SPD prescht mit ei­ner Ide­en­lis­te für ein Ein­wan­de­rungs­ge­setz vor - welt­weit soll um die bes­ten Köp­fe ge­wor­ben wer­den. Die Uni­on zeigt we­nig In­ter­es­se
Wie funk­tio­niert das Punk­te­sys­tem?

03.03.2015. (dpa) - Die SPD will mit ei­nem Punk­te­sys­tem nach ka­na­di­schem Vor­bild Hun­dert­tau­sen­de qua­li­fi­zier­te Ein­wan­de­rer nach Deutsch­land lo­cken.

Das sieht ein Po­si­ti­ons­pa­pier für ein Ein­wan­de­rungs­ge­setz vor, das der Deut­schen Pres­se-Agen­tur vor­liegt.

"Mit ei­nem sol­chen Sys­tem ge­winnt bei­spiels­wei­se Ka­na­da je­des Jahr rund 250 000 qua­li­fi­zier­te Ein­wan­de­rer", heißt es in dem Pa­pier, das Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann am Diens­tag­mit­tag in Ber­lin vor­stel­len will.

Je­des Jahr sol­le ei­ne Quo­te fest­ge­legt wer­den, wie vie­le Zu­wan­de­rer für wel­che Bran­chen man braucht.

Be­wer­ber be­kä­men ge­mäß Be­darf, Sprach­kennt­nis­sen und Aus­bil­dung ei­ne Punkt­zahl. Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gun­gen wür­den zu­nächst auf drei Jah­re be­fris­tet - die­se wür­den ent­fris­tet, wenn der Be­wer­ber nach­weist, dass er sei­nen Le­bens­un­ter­halt si­chern kann. Die deut­sche Wirt­schaft sieht neue Ein­wan­de­rungs­re­geln als Ve­hi­kel ge­gen ei­nen dro­hen­den gro­ßen Fach­kräf­te­man­gel. Nach Vor­la­ge des Po­si­ti­ons­pa­piers will Op­per­mann mit der Uni­on in ei­ne of­fe­ne De­bat­te ein­tre­ten - doch Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber (CDU) hat be­reits im Vor­feld Zwei­fel an den SPD-Plä­nen an­ge­mel­det.

Die SPD be­tont, das Punk­te­sys­tem könn­te als Pi­lot­pro­jekt zu­nächst be­fris­tet wer­den. "An­schlie­ßend wür­de über ei­ne Ver­län­ge­rung ent­schie­den." Vor al­lem sol­len auch IT-Spe­zia­lis­ten kom­men. Auf­grund der de­mo­gra­fi­schen Ent­wick­lung ver­lie­re Deutsch­land bis 2025 bis zu 6,7 Mil­lio­nen Er­werbs­fä­hi­ge, warnt die Par­tei.

"Je nach Be­darf kann zur Steue­rung ei­ne jähr­li­che Quo­te fest­ge­legt wer­den, wie vie­le Per­so­nen über das Punk­te­sys­tem kom­men kön­nen." Das Sys­tem kön­ne mit ei­ner Be­wer­ber­da­ten­bank kom­bi­niert wer­den, in die Ar­beit­ge­ber Ge­su­che ein­stel­len.

Um aus­zu­schlie­ßen, dass Ar­beit­ge­ber Dum­ping­löh­ne zah­len, müs­se ein Ar­beits­ver­trag vor­lie­gen, "der min­des­tens ta­rif­li­ches Lohn­ni­veau ga­ran­tiert", heißt es im Pa­pier. "Wir müs­sen un­ser lei­der nach wie vor noch prä­sen­tes Image im Aus­land als Nicht-Ein­wan­de­rungs­land los­wer­den und deut­lich ma­chen, dass wir nicht fra­gen, wo­her je­mand kommt, son­dern was je­mand kann", so die SPD.

Es ge­be über 50 Auf­ent­halts­ti­tel. Ein­wan­de­rungs­re­geln sei­en über meh­re­re Ge­set­ze ver­streut. Des­halb sol­len die di­ver­sen Ein­wan­de­rungs­vor­schrif­ten in ei­nem Ge­setz ge­bün­delt wer­den.

Deutsch­land sei laut OECD zwar der­zeit schon das zweit­be­lieb­tes­te Ein­wan­de­rungs­land welt­weit. 2013 ha­be es die höchs­te Ein­wan­de­rung und mit 429 000 Per­so­nen den höchs­ten Wan­de­rungs­ge­winn seit über 20 Jah­ren ge­ge­ben. Die größ­te Grup­pe kom­me da­bei aus süd- und ost­eu­ro­päi­schen Län­dern. Die Frei­zü­gig­keit für Ar­beit­neh­mer in der EU sei für Deutsch­land ein gro­ßer Glücks­fall, die Ein­wan­de­rer sei­en über­wie­gend gut aus­ge­bil­det. Wenn sich die eu­ro­päi­schen Nach­barn wirt­schaft­lich er­ho­len, könn­ten sie aber zu­rück­keh­ren.

Da­her brau­che es mehr Zu­wan­de­rung aus den Staa­ten au­ßer­halb der EU. Wich­tig sei als wei­te­rer Bau­stein die bes­se­re und schnel­le­re An­er­ken­nung aus­län­di­scher Ab­schlüs­se. Der­zeit ar­bei­te­ten 300 000 bis 500 000 Ein­wan­de­rer un­ter­halb ih­rer Qua­li­fi­ka­ti­on. Im Aus­land sol­le die Zahl deut­scher Schu­len er­höht wer­den, eben­so die Zahl aus­län­di­scher Stu­den­ten an deut­schen Unis. Fer­ner müs­se ge­prüft wer­den, ob Flücht­lin­ge ei­nen bes­se­ren Zu­gang zum Ar­beits­markt be­kom­men könn­ten - wich­tig sei­en auch viel mehr Sprach­kur­se.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 11. April 2016

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