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Schle­cker-In­sol­venz: Schle­cker ver­öf­fent­licht Schließ­lis­te

Rund 2.000 Schle­cker-Fi­lia­len wer­den ge­schlos­sen: Ver.di ver­han­delt über rund 280 Fi­lia­len - er­neu­te Ab­sa­ge für Staats­hil­fe aus Ber­lin
Schild vor Rollgitter WIR SCHLIESSEN

15.03.2012. Ehin­gen/Ber­lin (dpa) - Schle­cker macht Ernst: Min­des­tens 2000 Fi­lia­len wer­den in ein­ein­halb Wo­chen schlie­ßen. Wäh­rend die in­sol­ven­te Dro­ge­rie­ket­te am Mitt­woch die Schließ­lis­te ver­öf­fent­lich­te, be­gan­nen die Mit­ar­bei­te­rin­nen der in­sol­ven­ten Dro­ge­rie­ket­te mit den Vor­be­rei­tun­gen für den Räu­mungs­ver­kauf und Ra­batt­ak­tio­nen von bis zu 30 Pro­zent. Über­nächs­ten Sams­tag (24. März) sol­len die be­trof­fe­nen Lä­den zum letz­ten Mal öff­nen. Wel­che der an­nä­hernd 12 000 be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen ih­re Jobs ver­lie­ren, steht erst fest, wenn der So­zi­al­plan aus­ge­han­delt ist.

Auf der 40 Sei­ten lan­gen Schließ­lis­te sind Märk­te von Aa­chen bis im nie­der­baye­ri­schen Zwie­sel auf­ge­führt. Nach An­ga­ben ei­nes Spre­chers sind die An­ga­ben der Fi­li­al­schlie­ßun­gen noch vor­läu­fig, so­lan­ge der In­sol­venz­ver­wal­ter, Arndt Gei­witz, mit dem Be­triebs­rat ver­han­delt. Wei­ter wird um Staats­hil­fen für die Dro­ge­rie­ket­te ge­strit­ten - Bund und Län­der schie­ben sich ge­gen­sei­tig den «Schwar­zen Pe­ter» zu.

Mög­li­cher­wei­se kann es bei den Schlie­ßun­gen nach dpa-In­for­ma­tio­nen noch zu klei­nen Ver­än­de­run­gen kom­men - doch ist das Aus für die Lä­den ziem­lich si­cher. Von rund 400 wei­te­ren Fi­lia­len, die noch auf wa­cke­li­gen Fü­ßen stan­den, sind dem Ver­neh­men nach rund 120 ge­ret­tet, über 280 spricht Gei­witz noch mit den Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern. Un­längst zähl­te Schle­cker in Deutsch­land noch rund 5400 Fi­lia­len.

Wel­che Mit­ar­bei­te­rin­nen ih­re Jobs ver­lie­ren, ist noch un­klar. Die ge­naue Zahl der Ent­las­sun­gen steht aber erst fest, wenn der So­zi­al­plan für die in­sol­ven­te Dro­ge­rie­ket­te aus­ge­han­delt ist. Ver­di und die Be­triebs­rä­tin­nen er­hiel­ten am Mitt­woch ei­ne ers­te Na­mens­lis­te. «Ich ge­he da­von aus, dass wir am kom­men­den Wo­chen­en­de zu Ent­schei­dun­gen kom­men wer­den», sag­te Bern­hard Fran­ke, der zu­stän­di­ge Ver­di-Ver­hand­lungs­füh­rer.

Doch ge­ra­de bei der Aus­wahl der Ent­las­sun­gen nach Be­triebs­zu­ge­hö­rig­keit, Al­ter und an­de­ren Kri­te­ri­en sei­en die Ent­schei­dun­gen ex­trem schwie­rig. Gei­witz will 11 750 Stel­len strei­chen, um ab April mit schwar­zen Zah­len das Un­ter­neh­men wei­ter­zu­füh­ren. Ein Ver­di-Spre­che­rin er­klär­te, der Ge­werk­schaft feh­le wei­ter ein Kon­zept, wie es mit den ver­blei­ben­den Fi­lia­len wei­ter­ge­hen sol­le. Am Don­ners­tag sei­en bun­des­weit Be­triebs­ver­samm­lun­gen und Kund­ge­bun­gen ge­plant.

Die Dis­kus­si­on um Staats­hil­fen wird der­wei­len im­mer hef­ti­ger. Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um stell­te klar, dass in­sol­ven­te Fir­men wie Schle­cker nicht für Pro­gramm­kre­di­te der Staats­bank KfW an­trags­be­rech­tigt sei­en. Wirt­schafts­staats­se­kre­tär Bern­hard Heit­zer ver­wies in ei­nem am Mitt­woch be­kannt­ge­wor­de­nen Schrei­ben an Ba­den-Würt­tem­bergs Fi­nanz­mi­nis­ter Nils Schmid und die Stutt­gar­ter Ar­beits­mi­nis­te­rin Kat­rin Alt­pe­ter (bei­de SPD) dar­auf, dass das Land zu­stän­dig sei, in dem das Un­ter­neh­men sit­ze. Auch hät­ten die Län­der ei­ge­ne För­der­insti­tu­te.

Im Stutt­gar­ter Land­tag gab es ei­ne hef­ti­ge Kon­tro­ver­se. «Wol­len Sie ei­sig schwei­gen?», frag­te Schmid am Mitt­woch in ei­ner ak­tu­el­len De­bat­te im Stutt­gar­ter Land­tag die Frak­tio­nen von CDU und Li­be­ra­len. «Die Uhr tickt.» Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Phil­ipp Rös­ler (FDP) ha­be sich quer­ge­stellt und ei­nen 70-Mil­lio­nen-Kre­dit für die Trans­fer­ge­sell­schaft ver­wei­gert. «Die­se Frau­en ha­ben nicht die Gleich­gül­tig­keit und Hoch­nä­sig­keit des Herrn Rös­ler ver­dient.» Schmid woll­te sich am Mitt­woch bei ei­nem Tref­fen mit Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en (CDU) noch­mals für Hil­fen stark ma­chen.

Die Op­po­si­ti­on hielt dem Mi­nis­ter schäd­li­chen Ak­tio­nis­mus vor. «Das ist pri­mär kei­ne staat­li­che Auf­ga­be, sich da ein­zu­mi­schen», sag­te der li­be­ra­le Frak­ti­ons­chef Hans-Ul­rich Rül­ke. Schmid be­trei­be «rei­nen Po­pu­lis­mus auf dem Rü­cken der Schle­cker-Mit­ar­bei­ter». Es ge­be 3800 of­fe­ne Stel­len für Ver­käu­fe­rin­nen und Kauf­leu­te im Land. Zu­dem könn­ten vie­le Frau­en bei den Schle­cker-Kon­kur­ren­ten dm, Ross­mann und Mül­ler un­ter­kom­men.

Ver­di dräng­te er­neut auf die Staats­hil­fen - das «Schwar­zer-Pe­ter-Spiel» müs­se end­lich auf­hö­ren, for­der­te Ge­werk­schafts­chef Frank Bsirs­ke. Vie­le Be­schäf­tig­te sei­en über 50 und nicht gut aus­ge­bil­det - ih­nen kön­ne ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft hel­fen.

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Letzte Überarbeitung: 18. Dezember 2013

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