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Schle­cker-Mit­ar­bei­ter er­war­ten ih­re Kün­di­gung

Schle­cker-Mit­ar­bei­ter vor dem Aus - Mil­lio­nen bei Grün­der­fa­mi­lie
Schild vor Rollgitter WIR SCHLIESSEN Die St­ei­ne sind ge­fal­len: Be­triebs­schlie­ßung bei Schle­cker
04.06.2012 (dpa) - Nach dem Aus der in­sol­ven­ten Dro­ge­rie­markt­ket­te Schle­cker müs­sen sich tau­sen­de Be­schäf­tig­te auf die Su­che nach ei­nem neu­en Job ma­chen. Die Fa­mi­lie um Fir­men­grün­der An­ton Schle­cker be­sitzt noch 35 bis 40 Mil­lio­nen EUR Pri­vat­ver­mö­gen, wie das "Han­dels­blatt" be­rich­te­te.

Das Geld sei zum größ­ten Teil im Be­sitz der Kin­der, be­stä­tig­ten ehe­ma­li­ge Ma­na­ger des Un­ter­neh­mens der Zei­tung. Die Schle­cker-Plei­te ha­be das Ver­mö­gen der Fa­mi­lie aber ex­trem ab­ge­schmol­zen: 2011 war es noch auf 1,65 Mil­li­ar­den ge­schätzt wor­den - in­klu­si­ve Un­ter­neh­mens­wert.

Den Mil­lio­nen­be­trag, der noch üb­rig ist, ha­ben die Schle­cker-Kin­der Lars (40) und Mei­ke (38) laut "Han­dels­blatt" mit der Leih­ar­beits­agen­tur "Me­ni­ar" (Men­schen in Ar­beit) er­wirt­schaf­tet. Das Su­b­un­ter­neh­men be­schäf­tig­te rund 4.300 Leih­ar­bei­ter, die an Schle­cker ver­mit­telt wur­den. Sie ver­dien­ten deut­lich we­ni­ger als Schle­cker-An­ge­stell­te. Ein Groß­teil des Ver­mö­gens ha­be die Fa­mi­lie aus­ge­ge­ben, um die Ver­lus­te seit 2004 in Hö­he von rund 650 Mil­lio­nen aus­zu­glei­chen. Der Rest ist Be­stand­teil der In­sol­venz­mas­se, dar­un­ter auch die Sport­wa­gen. Die Vil­la der Schle­ckers ge­hört der Frau des Fir­men­pa­tri­ar­chen.

In­sol­venz­ver­wal­ter Arndt Gei­witz hol­te in­des zu ei­ner Kri­tik-Ti­ra­de vor al­lem an der Fa­mi­lie Schle­cker aus. Noch bis kurz vor der K.O.-Ent­schei­dung ha­be Gei­witz auf ei­nen Ret­tungs­bei­trag der Fa­mi­lie ge­setzt, zi­tier­te "Der Spie­gel" den In­sol­venz­ver­wal­ter. Doch die Fa­mi­lie "war ent­we­der nicht be­reit oder nicht in der La­ge", die ge­for­der­te Sum­me von bis zu neun Mil­lio­nen EUR zu be­zah­len, sag­te Gei­witz. "Aber die Fa­mi­lie hat noch Ver­mö­gen, und ich ha­be ge­fragt, ob sie be­reit sei, ei­ne Ver­lust­fi­nan­zie­rung zu leis­ten."

Das al­te Schle­cker-Ma­nage­ment sei über­for­dert ge­we­sen, sag­te Gei­witz laut dem Be­richt. Die in­ter­ne La­ge des Kon­zerns sei oh­ne­hin "viel dra­ma­ti­scher" ge­we­sen, als er nach den ers­ten Wo­chen ver­mu­tet hät­te.

An dem Schle­cker-Aus tra­ge auch die FDP ei­ne Mit­schuld, sag­te Gei­witz. Sie hat­te En­de März ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft für rund 10.000 Schle­cker-Be­schäf­tig­te ver­hin­dert. Es gä­be "ei­ne ge­wis­se Nä­he zwi­schen par­tei­po­li­ti­schen Pro­ble­men und den Äu­ße­run­gen von Herrn (Phil­ipp) Rös­ler", so Gei­witz. Die FDP müs­se nun die Fol­gen auch klar be­nen­nen und dür­fe nicht nur auf die Ar­beits­agen­tur ver­wei­sen. "Das hat nicht nur uns den Gar­aus ge­macht, son­dern war auch ei­ne Far­ce für die Be­trof­fe­nen."

Nach mo­na­te­lan­gem Rin­gen hat­ten die Gläu­bi­ger am Frei­tag das Aus Schle­ckers be­schlos­sen. Mög­li­che In­ves­to­ren hät­ten zu we­nig ge­bo­ten. Die 13.200 Schle­cker-Be­schäf­tig­ten müs­sen nun bis En­de Ju­ni mit ih­rer Kün­di­gung rech­nen. In den kom­men­den Ta­gen be­ginnt in den rund 2.800 Fi­lia­len der Aus­ver­kauf, wie ein Spre­cher von Gei­witz sag­te.

Streit gibt es er­neut in der Po­li­tik. Der So­zi­al­flü­gel der CDU for­der­te am Sams­tag ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft. Sonst hät­ten die Mit­ar­bei­ter kei­ne Chan­ce auf dem Ar­beits­markt, sag­te CDA-Bun­des­vi­ze Chris­ti­an Bä­um­ler in Stutt­gart. Han­deln müs­se Ba­den-Würt­tem­bergs Lan­des­re­gie­rung, weil sich mit Ehin­gen der Sitz Schle­ckers dort be­fin­de.

Ein kla­res Nein kam von der FDP. Ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft wür­de nicht wei­ter­füh­ren, sag­te der Vor­sit­zen­de der FDP-Bun­des­tags­frak­ti­on, Rai­ner Brü­der­le, am Sams­tag. "Jetzt kommt es dar­auf an, dass die Bun­des­agen­tur für Ar­beit schnell mit ih­rer Ex­per­ti­se han­delt", sag­te Brü­der­le der dpa.

Un­ter­des­sen mach­te Deutsch­lands zweit­größ­te Dro­ge­rie­ket­te Ross­mann den Schle­cker-Mit­ar­bei­tern nur we­nig Hoff­nun­gen auf ei­nen neu­en Job. "Wir wer­den si­cher auch ehe­ma­li­ge Schle­cker-Mit­ar­bei­ter ein­stel­len", sag­te Fir­men­chef Dirk Roß­mann am Sams­tag. Ei­ne Be­vor­zu­gung dür­fe es aber schon vom Ge­setz her nicht ge­ben, be­ton­te ein Spre­cher von Ross­mann. Die Über­nah­me ein­zel­ner Fi­lia­len sei mög­lich.

Per­spek­ti­ven gibt es für die Schle­cker-Toch­ter­fir­men Ihr­Platz und Schle­cker-XL. Der Münch­ner In­ves­tor Du­bag wird sie ei­nem Me­di­en­be­richt zu­fol­ge über­neh­men. Du­bag wol­le die 342 XL-Märk­te zu Ihr­Platz-Fi­lia­len um­wan­deln, be­rich­te­te am Sams­tag die "Neue Os­na­brü­cker Zei­tung" und be­rief sich auf An­ga­ben des Ihr­Platz-In­sol­venz­ver­wal­ters Wer­ner Schnei­der. Ihr­Platz ver­fügt bis­her über rund 490 Fi­lia­len un­ter ei­ge­ner Mar­ke, knapp 350 wür­den bei er­folg­rei­chem Deal noch hin­zu kom­men.

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Letzte Überarbeitung: 24. August 2016

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