HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 14/202

Zoll geht schär­fer ge­gen Schwarz­ar­bei­ter-Ban­den aus Eu­ro­pa vor

Erst am Diens­tag hat der Zoll bei Raz­zi­en ge­gen ei­nen Schwarz­ar­bei­ter-Ring sie­ben Ver­däch­ti­ge fest­ge­nom­men: Das Vor­ge­hen ge­gen ma­fiaar­ti­ge Netz­wer­ke soll nun Schwer­punkt der Fahn­der wer­den
Schwarzarbeitskontrolle Wie ge­hen die FKS-Fahn­der vor?

05.06.2014. (dpa) - Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um sagt eu­ro­pa­weit agie­ren­den Schwarz­ar­bei­ter-Ban­den den Kampf an.

Da­zu sol­len Fahn­der der beim Zoll an­hän­gi­gen "Fi­nanz­kon­trol­le Schwarz­ar­beit" (FKS) künf­tig ver­stärkt ge­gen kri­mi­nel­le und ma­fiaar­ti­ge Netz­wer­ke vor­ge­hen und sich mehr auf gro­ße Fäl­le kon­zen­trie­ren.

So soll der im­men­se Mil­li­ar­den-Scha­den für Staat und So­zi­al­kas­sen ein­ge­dämmt wer­den.

"Es hat sich in den letz­ten Jah­ren deut­lich ge­zeigt, dass es im Be­reich der Schwarz­ar­beit und il­le­ga­len Be­schäf­ti­gung ei­nen ho­hen Grad or­ga­ni­sier­ter Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät gibt", er­klär­te das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um am Mitt­woch in Ber­lin. Die Ban­den sei­en eu­ro­pa­weit bes­tens or­ga­ni­siert. Sie ar­bei­te­ten ab­ge­schot­tet und gin­gen höchst kon­spi­ra­tiv vor, was es Er­mitt­lern schwer­ma­che.

Statt sich auf mög­lichst vie­le Ver­fah­ren zu kon­zen­trie­ren, sol­len die rund 6700 FKS-Fahn­der auf "Klas­se statt Mas­se" set­zen: "Die Neu­aus­rich­tung der Ziel­vor­ga­ben führt zu ei­ner Ver­än­de­rung der Auf­ga­ben­er­le­di­gung weg von ei­nem bis­her über­wie­gend quan­ti­ta­ti­ven An­satz hin zu ei­nem stär­ke­ren - im Ein­zel­fall sehr zeit- und per­so­nal­in­ten­si­ven - qua­li­ta­ti­ven An­satz", heißt es.

Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) sag­te am Mitt­woch: "Schwarz­ar­beit ist kein Ka­va­liers­de­likt, son­dern wirk­lich schwe­re Wirt­schafts­kri­mi­na­li­tät." Wer schwarz ar­bei­te und il­le­gal Per­so­nen be­schäf­ti­ge, ver­ur­sa­che nicht nur enor­me fi­nan­zi­el­le Schä­den, son­dern ver­nich­te auch Ar­beits­plät­ze. Die Schwarz­ar­beit-Kon­trol­leu­re hät­ten in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren seit Be­ste­hen der FKS ei­ne Scha­dens­sum­me von ins­ge­samt rund 6,3 Mil­li­ar­den Eu­ro auf­ge­deckt: "Die Zah­len be­le­gen, wie wich­tig ei­ne ef­fek­ti­ve Kon­trol­le ist."

Nach Ex­per­ten­schät­zung wer­den jähr­lich bis zu 340 Mil­li­ar­den Eu­ro im Be­reich der Schwarz­ar­beit um­ge­setzt. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­te der Zoll im Kampf ge­gen il­le­ga­le Be­schäf­ti­gung und Schwarz­ar­beit aber nur ei­nen Scha­den von mehr als 777 Mil­lio­nen Eu­ro auf­ge­deckt, ein leich­ter An­stieg ge­gen­über dem Vor­jahr (752 Mil­lio­nen). 2013 über­prüf­ten FKS-Zöll­ner 523 000 Per­so­nen so­wie 64 000 Ar­beit­ge­ber. Ein­ge­lei­tet wur­den mehr als 135 000 Er­mitt­lungs­ver­fah­ren.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer sag­te, Schwarz­ar­beit füh­re auch zu Wett­be­werbs­ver­zer­run­gen. Des­halb sei­en Un­ter­neh­men an Bünd­nis­sen mit den Ge­werk­schaf­ten in ein­zel­nen Bran­chen in­ter­es­siert. Ent­schei­dend sei, die Ur­sa­chen für Schwarz­ar­beit zu be­kämp­fen. So soll­ten Lohn­zu­satz­kos­ten re­du­ziert und Bü­ro­kra­tie ab­ge­baut wer­den.

Erst am Diens­tag wur­den bei Raz­zi­en ge­gen ein mut­maß­li­ches Schwarz­ar­bei­ter-Netz­werk nach In­for­ma­tio­nen der "Süd­deut­schen Zei­tung" in Ber­lin und Mün­chen sie­ben Ver­däch­ti­ge fest­ge­nom­men. Nach zwei Ver­däch­ti­gen wer­de noch ge­fahn­det. Ei­ne Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft Mün­chen I be­stä­tig­te die Fest­nah­men, nann­te al­ler­dings zu­nächst kei­ne wei­te­ren De­tails.

Das Netz­werk soll laut der Zei­tung mit Hil­fe von Schein­fir­men und Schein­rech­nun­gen Jahr für Jahr 50 bis 100 Mil­lio­nen Eu­ro in schwar­ze Kas­sen ge­lei­tet ha­ben, aus de­nen dann Mau­rer, Flie­sen­le­ger, Dach­de­cker und an­de­re Bau­ar­bei­ter schwarz be­zahlt wor­den sei­en. Die Löh­ne sol­len 700, 600 oder gar nur 500 Eu­ro im Mo­nat be­tra­gen ha­ben. Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben sei­en gar nicht be­zahlt wor­den.

Schäu­b­le (CDU) hat­te zu­letzt trotz der Aus­wei­tung des Min­dest­lohns For­de­run­gen nach ei­ner Auf­sto­ckung der Schwarz­ar­beit-Kon­trol­leu­re um tau­sen­de Stel­len ab­ge­lehnt. Nun sag­te er, Per­so­nal- und Sach­kos­ten wür­den bei den Etat­be­ra­tun­gen für 2015 er­ör­tert.

Die Ge­werk­schaft IG Bau hält min­des­tens 10 000 Fahn­der für nö­tig. Auch die Zoll­ge­werk­schaft rech­net da­mit, dass zwi­schen 2000 und 2500 wei­te­re Mit­ar­bei­ter er­for­der­lich sind, wenn der Min­dest­lohn flä­chen­de­ckend und weit­ge­hend oh­ne Aus­nah­men ein­ge­führt wird und sei­ne Ein­hal­tung kon­trol­liert wer­den muss.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 2. Februar 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de