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Sel­le­ring un­ter­mau­ert For­de­rung nach mehr Ta­rif­bin­dung der Fir­men

Ei­ne hö­he­re Ta­rif­bin­dung in der Wirt­schaft Meck­len­burg-Vor­pom­merns ge­hört zu den zen­tra­len wirt­schafts­po­li­ti­schen Zie­len der Lan­des­re­gie­rung: Vor al­lem die SPD macht Druck. Die Löh­ne im Nord­os­ten lie­gen weit un­ter dem Bun­des­schnitt
Tariflohn, Lohn und Gehalt, Tarifvertrag, Tarifverhandlungen Wie kön­nen An­rei­ze für ei­ne hö­he­re Ta­rif­bin­dung ge­setzt wer­den?

10.02.2017. (dpa) - Un­ge­ach­tet wach­sen­der Kri­tik von Un­ter­neh­mern drängt Mi­nis­ter­prä­si­dent Er­win Sel­le­ring (SPD) im Ver­ein mit den Ge­werk­schaf­ten wei­ter auf ei­ne hö­he­re Ta­rif­bin­dung der Fir­men.

Ziel sei, dass mehr Be­trie­be im Land Ta­rif­lohn zah­len, sag­te Sel­le­ring am Don­ners­tag nach ei­nem Tref­fen mit der Füh­rung des DGB Nord in Schwe­rin.

Dies lie­ge so­wohl im In­ter­es­se der Wirt­schaft, die da­mit gu­te Fach­kräf­te bin­den kön­ne, als auch der Be­schäf­tig­ten.

"Denn dort, wo Ta­rif­lohn ge­zahlt wird, fal­len Löh­ne meist hö­her aus als im nicht­ta­rif­ge­bun­de­nen Be­reich", sag­te Sel­le­ring.

Vom wirt­schaft­li­chen Auf­schwung müss­ten auch die Ar­beit­neh­mer pro­fi­tie­ren.

Im Bünd­nis für Ar­beit sol­le nun be­ra­ten wer­den, wie An­rei­ze für ei­ne hö­he­re Ta­rif­bin­dung ge­setzt wer­den kön­nen. Sel­le­ring be­für­wor­tet Än­de­run­gen bei der Wirt­schafts­för­de­rung und bei der Ver­ga­be öf­fent­li­cher Auf­trä­ge. Schon jetzt er­hal­ten Un­ter­neh­men oh­ne Ta­rif­bin­dung et­was ge­rin­ge­re In­ves­ti­ti­ons­zu­schüs­se, bei der Auf­trags­ver­ga­be durch das Land spielt Ta­rif­bin­dung bis­lang aber kei­ne Rol­le. "Wir wol­len si­cher­stel­len, dass Un­ter­neh­men bei der Ver­ga­be öf­fent­li­cher Auf­trä­ge zu­min­dest kei­nen Nach­teil ha­ben, wenn sie ih­ren Be­schäf­tig­ten Ta­rif zah­len. Das ist ein Ge­bot der Fair­ness", er­klär­te Sel­le­ring.

SPD und CDU hat­ten sich im Ko­ali­ti­ons­ver­trag dar­auf ver­stän­digt, un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Ta­rif­au­to­no­mie auf ei­ne hö­he­re Ta­rif­bin­dung der Un­ter­neh­men hin­zu­wir­ken. Wirt­schafts­mi­nis­ter Har­ry Gla­we (CDU) ist bis­lang aber Vor­schlä­ge für Än­de­run­gen im För­der- und Ver­ga­be­recht schul­dig ge­blie­ben.

DGB-Nord-Chef Uwe Pol­ka­ehn be­grüß­te die Be­reit­schaft der Lan­des­re­gie­rung, für ein hö­he­res Lohn­ni­veau ein­zu­tre­ten: "Ziel muss es sein, Fach­kräf­te durch gu­te Ar­beits- und Aus­bil­dungs­be­din­gun­gen re­gio­nal zu bin­den – da­zu kön­nen die Ta­rif­part­ner ih­ren Bei­trag leis­ten, aber auch die Res­sorts der Lan­des­re­gie­rung", er­klär­te Pol­ka­ehn. Er for­der­te, die Ver­ga­be von Wirt­schafts­för­de­rungs­mit­tel noch stär­ker an die Schaf­fung un­be­fris­te­ter, ta­rif­ge­bun­de­ner Ar­beits­plät­ze zu bin­den. Die Lan­des­re­gie­rung selbst kön­ne zu­dem mit ei­ner bes­se­ren Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Pri­vat­le­ben und Auf­stiegs­chan­cen für Frau­en "mit gu­tem Bei­spiel vor­an­ge­hen".

Die Wirt­schafts­ver­bän­de kon­sta­tie­ren zwar zu­neh­men­de Pro­ble­me, den Fach­kräf­te­nach­wuchs zu si­chern, se­hen die Be­stre­bun­gen der Po­li­tik aber kri­tisch. Die per­ma­nen­te For­de­rung von Po­li­tik und Ge­werk­schaf­ten nach hö­he­rer Ta­rif­bin­dung ge­he an den Rea­li­tä­ten im Land vor­bei. "Wir ha­ben vie­le klei­ne Un­ter­neh­men, meist mit we­ni­ger als 20 Be­schäf­tig­ten. Für die macht die Bin­dung an ei­nen Flä­chen­ta­rif kei­nen Sinn", er­klär­te der Prä­si­dent des Un­ter­neh­mer­dach­ver­ban­des, Tho­mas Lam­busch. "Wer Be­trie­be mit staat­li­chen Re­geln zwangs­be­glü­cken oder ei­ne Ta­rif­bin­dung po­li­tisch er­zwin­gen will, der ver­lässt den Bo­den der So­zia­len Markt­wirt­schaft", warn­te er.

Er­he­bun­gen zu­fol­ge un­ter­liegt nur et­wa je­des vier­te Un­ter­neh­men im Nord­os­ten ei­ner Ta­rif­bin­dung, rund 40 Pro­zent ori­en­tie­ren sich bei der Lohn­ge­stal­tung aber an be­ste­hen­den Ta­rif­ver­trä­gen. Das Lohn­ni­veau liegt in Meck­len­burg-Vor­pom­mern bei 79 Pro­zent des Bun­des­durch­schnitts.

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Letzte Überarbeitung: 24. Mai 2018

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