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Sie­mens streicht 1.700 Jobs in Deutsch­land - In­ter­es­sen­aus­gleich steht

Der Stel­len­ab­bau war an­ge­kün­digt, jetzt sind die De­tails fest­ge­zurrt: In der Sie­mens-An­triebs­spar­te fal­len 1.700 Jobs weg. Sor­gen gibt es vor al­lem um den baye­ri­schen Stand­ort Ruhstorf
Schild vor Rollgitter WIR SCHLIESSEN Wie be­grün­det Sie­mens die Ein­schnit­te?

28.09.2016. (dpa) - Der Elek­tro­kon­zern Sie­mens hat sich auf die Strei­chung von ins­ge­samt 1.700 Ar­beits­plät­zen in sei­ner Spar­te Pro­zess­in­dus­trie und An­trie­be fest­ge­legt.

Nach wo­chen­lan­gen Ver­hand­lun­gen ei­nig­te sich das Un­ter­neh­men mit Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tern auf ei­nen ent­spre­chen­den In­ter­es­sen­aus­gleich für die deut­schen Stand­or­te, wie ein Sie­mens-Spre­cher am Diens­tag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur sag­te.

Der Ab­bau fällt da­mit nur et­was ge­rin­ger aus als ur­sprüng­lich ge­plant: Zu­nächst war von rund 2.000 Stel­len in Deutsch­land und 2.500 Jobs welt­weit die Re­de ge­we­sen, die ge­stri­chen oder ver­la­gert wer­den soll­ten.

Be­trof­fen sind vor al­lem vier Stand­or­te in Bay­ern: In Nürn­berg geht es um 590 statt wie ur­sprüng­lich ge­plant um 730 Jobs und in Ruhstorf na­he Pas­sau um 600 statt 710 Ar­beits­plät­ze. In Bad Neu­stadt/Saa­le sol­len nun 330 Stel­len ge­stri­chen wer­den statt der zu­vor ge­plan­ten 370 Stel­len und an zwei Er­lan­ger Stand­or­ten 130 Jobs statt 160 wie in den ers­ten Pla­nun­gen vor­ge­se­hen. Der Ab­bau soll bis spä­tes­tens En­de Sep­tem­ber 2020 um­ge­setzt sein.

Bei den be­trof­fe­nen Be­schäf­tig­ten sor­gen die Plä­ne nach den Wor­ten von Bay­erns IG-Me­tall-Chef Jür­gen Wechs­ler für Ent­täu­schung. Zwar ha­be Sie­mens zu­ge­sagt, al­le Pro­duk­ti­ons­stand­or­te zu er­hal­ten, doch ge­be es gro­ße Sor­gen vor al­lem um Ruhstorf, sag­te er. Dort soll­ten le­dig­lich Tei­le der Elek­tro­mo­to­ren­fer­ti­gung er­hal­ten blei­ben. "Es gibt gro­ße Sor­gen, ob das, was hier ver­ein­bart ist, nach vier Jah­ren noch le­ben wird", sag­te Wechs­ler. An­ge­dacht ist dem Ver­neh­men nach auch, ein Ge­wer­be­cen­ter auf dem bis­he­ri­gen Sie­mens-Ge­län­de an­zu­sie­deln. Ein­zig be­ru­hi­gend sei, dass sich der Stel­len­ab­bau über vier Jah­re bis 2020 hin­zie­hen wer­de, sag­te Wechs­ler.

Er hat­te Sie­mens auf­ge­for­dert, die Ver­la­ge­rung von Pro­duk­ti­ons­ar­beits­plät­zen nach Ost­eu­ro­pa zu stop­pen. In be­grenz­tem Um­fang hät­ten die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter dies bei den Ver­hand­lun­gen auch er­reicht, "aber Sie­mens hält an sei­ner Ver­la­ge­rungs­stra­te­gie fest". Des­halb er­neue­re er auch sei­ne For­de­rung nach ei­nem Ver­la­ge­rungs­stopp bei dem Un­ter­neh­men.

Sie­mens hat­te die Ein­schnit­te vor al­lem mit der Nach­fra­ge­flau­te in der Öl- und Gas­bran­che be­grün­det, die Preis­druck und ei­ne man­geln­de Aus­las­tung der Wer­ke mit sich brin­ge. Das Ge­schäfts­feld mit zu­letzt welt­weit rund 45.000 Be­schäf­tig­ten bie­tet et­wa Ge­trie­be, Mo­to­ren, An­trie­be und Kupp­lun­gen für die Öl-, Gas- und Berg­bau­in­dus­trie. Da­mit ist es auch stark von der Roh­stoff­preis­ent­wick­lung ab­hän­gig.

Den be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­tern will der Elek­tro­kon­zern mög­lichst al­ter­na­ti­ve Jobs an an­de­ren Stel­len im Un­ter­neh­men bie­ten und sie da­für falls nö­tig auch ent­spre­chend qua­li­fi­zie­ren. Au­ßer­dem sind Ab­fin­dun­gen, Al­ters­teil­zeit oder Mög­lich­kei­ten zum Über­gang in Auf­fang­ge­sell­schaf­ten vor­ge­se­hen. Der­zeit sei noch of­fen, wie vie­le Mit­ar­bei­ter in­ner­halb des Kon­zerns auf an­de­re Ar­beits­plät­ze wech­seln könn­ten, sag­te der Spre­cher. Sie­mens hat­te die Kos­ten für die Maß­nah­men auf rund 200 bis 300 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­schätzt.

In ei­nem in­ter­nen In­ter­view, das dpa vor­liegt, er­klär­te Sie­mens-Per­so­nal­che­fin Ja­ni­na Ku­gel, die Ge­sprä­che sei­en nicht leicht ge­we­sen, im­mer­hin ge­he es "um schmerz­haf­te Ein­schnit­te". "Aber letzt­lich ha­ben wir al­le ein In­ter­es­se dar­an, das Ge­schäft wie­der nach­hal­tig wett­be­werbs­fä­hig auf­zu­stel­len und die Stand­or­te lang­fris­tig zu er­hal­ten." Mit den Ver­ein­ba­run­gen ha­be man "ei­nen Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung" ge­macht. Das Er­geb­nis bie­te die Chan­ce, die Spar­te zu sta­bi­li­sie­ren und den Blick nach vor­ne zu rich­ten, so Ku­gel.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 4. Oktober 2016

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