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Spra­che und Blei­be­per­spek­ti­ve brem­sen Flücht­lin­ge bei Job­su­che aus

Gu­ter Wil­le, Be­hör­den­wirr­warr und ent­täusch­te Hoff­nun­gen: Trotz zahl­rei­cher Pro­jek­te zur schnel­len Ein­glie­de­rung von Flücht­lin­gen in Aus­bil­dung oder Job müs­sen vie­le erst­mal war­ten. Sprach­pro­ble­me und die un­ge­klär­te Blei­be­per­spek­ti­ve brem­sen die Ar­beits­wil­li­gen
Was kön­nen die Ar­beits­wil­li­gen tun?

21.07.2016. (dpa) - Fast über­all in Nie­der­sach­sen ver­su­chen die Be­hör­den, Flücht­lin­gen so schnell wie mög­lich ei­nen Ein­stieg in Aus­bil­dung oder Ar­beit zu er­mög­li­chen.

Feh­len­de Sprach­kennt­nis­se und der un­ge­klär­te Auf­ent­halts­sta­tus aber brem­sen vie­le der Asyl­be­wer­ber aus, wie die Bi­lanz des Job­cen­ters Han­no­ver nach ei­nem hal­ben Jahr Be­ra­tung er­gab.

"Die Er­fah­rung zeigt, dass wir al­le noch sehr viel Ge­duld ha­ben müs­sen", sag­te Job­cen­ter-Ge­schäfts­füh­rer Diet­mar Lan­ger am Mitt­woch.

Von 1100 in ih­ren Un­ter­künf­ten auf­ge­such­ten Flücht­lin­gen wur­den 250 in Sprach­kur­se oder Prak­ti­ka ver­mit­telt.

86 Pro­zent sei­en jun­ge Män­ner un­ter 25, nur ein Fünf­tel ha­be ei­nen Be­rufs­ab­schluss, 70 Pro­zent aber be­rufs­prak­ti­sche Er­fah­run­gen.

Mit Trä­gern der frei­en Wohl­fahrts­pfle­ge küm­mert sich das Job­cen­ter in Han­no­ver um die Flücht­lin­ge, die noch nicht an­er­kannt sind. Noch wäh­rend die Asyl­be­wer­ber in den Un­ter­künf­ten auf ei­ne Ent­schei­dung war­ten, wer­den sprach­li­che und be­ruf­li­che Vor­aus­set­zun­gen und die ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen der Flücht­lin­ge in­ven­ta­ri­siert und ers­te Kur­se an­ge­bo­ten. "Wir müs­sen lei­der fest­stel­len, dass es an Sprach­kur­sen man­gelt, auch gibt es nicht aus­rei­chend In­te­gra­ti­ons­kur­se", mein­te Lan­ger. Frus­triert äu­ßer­ten sich et­li­che der Flücht­lin­ge, die auf ei­ge­ne Faust ei­nen po­ten­zi­el­len Ar­beit­ge­ber ge­fun­den hat­ten. We­gen der Vor­rangs­re­gel, dass zu­nächst Deut­sche oder EU-Aus­län­der auf of­fe­ne Stel­len ver­mit­telt wer­den, er­hiel­ten sie den Job nicht.

Be­reits von ih­rer ge­rin­gen Asyl­be­wer­ber­un­ter­stüt­zung schick­ten die Flücht­lin­ge Geld an die Fa­mi­lie in die Hei­mat, er­klär­te Be­ra­te­rin Sa­rah Zai­di in Han­no­ver. Für ih­re Flucht hät­ten vie­le in der Hei­mat al­les ver­kauft und sei­en nun dar­auf an­ge­wie­sen, so schnell wie mög­lich zu ar­bei­ten. "Wir wol­len ar­bei­ten und stu­die­ren und nicht schla­fen und rum­hän­gen", sag­te et­wa der ira­ki­sche Flücht­ling Ja­faar Hal­west (23), der in sei­ner Hei­mat als Com­pu­ter­tech­ni­ker ge­ar­bei­tet hat.

Tä­to­wie­rer Ha­di Paaho (22) aus dem Iran könn­te sei­nen Job in Han­no­ver gleich wie­der auf­grei­fen - noch aber hat er kei­ne Ar­beits­er­laub­nis. "In der Pra­xis funk­tio­niert die Ver­mitt­lung nicht", lau­tet das Fa­zit von Ali­re­za As­ka­ri (38) aus Te­he­ran, des­sen Vor­stel­lung von Deutsch­land als dem per­fekt or­ga­ni­sier­ten Land in den letz­ten Mo­na­ten et­li­che Krat­zer er­hal­ten hat.

Da­bei man­gelt es am gu­ten Wil­len für ei­ne schnel­le Ein­glie­de­rung bei den Be­hör­den in Nie­der­sach­sen al­lem An­schein nach nicht: Be­reits in den Erst­auf­nah­me­la­gern spre­chen Be­ra­ter der Ar­beits­agen­tur blei­be­be­rech­tig­te Flücht­lin­ge an und sam­meln Da­ten über Qua­li­fi­ka­ti­on und Wunsch­be­ruf, die dann für die wei­te­re Be­ra­tung ge­nutzt wer­den. In Han­no­ver or­ga­ni­siert au­ßer dem Job­cen­ter die Ar­beits­agen­tur Speed-Da­tings mit Ar­beit­ge­bern, in Göt­tin­gen wird in den Sprach­kur­sen über das Be­ra­tungs­an­ge­bot der Agen­tur in­for­miert. Agen­tur-Be­schäf­ti­ge kom­men auch in die klei­ne­ren Kom­mu­nen, et­wa im Harz, und bie­ten In­fo­ver­an­stal­tun­gen in Ge­mein­de­sä­len und Feu­er­wehr­häu­sern an.

Im Land­kreis Gos­lar er­hal­ten al­le Flücht­lin­ge im In­te­gra­ti­ons­zen­trum ei­nen Grund­la­gen­kurs. In Wol­fen­büt­tel ge­hen Mit­ar­bei­ter der Agen­tur re­gel­mä­ßig in die Volks­hoch­schu­le, wo die Sprach­kur­se für Flücht­lin­ge statt­fin­den, und stel­len sich und ihr Be­ra­tungs­an­ge­bot vor. In Ve­ch­ta gibt es im In­te­gra­ti­on-Point zwei Mal wö­chent­lich Be­ra­tun­gen, zu de­nen Flücht­lin­gen aus um­lie­gen­den Or­ten mit Bus­sen ge­bracht wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 17. Oktober 2016

Bewertung: Spra­che und Blei­be­per­spek­ti­ve brem­sen Flücht­lin­ge bei Job­su­che aus 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

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