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Stahl-Ta­rif­part­ner ei­ni­gen sich - IG Me­tall will Bil­dungs­teil­zeit

In der deut­schen Stahl­bran­che re­gelt erst­mals ein Ta­rif­ver­trag den Ein­satz von Werk­ver­trags­fir­men: Doch die IG Me­tall will mehr. In der nächs­ten Run­de für Me­tall und Elek­tro geht es um den Ein­stieg in ei­ne neue Art der Ar­beits­zeit­ver­kür­zung
Handschlag Playmobil Erst­mals wur­den ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen zu Werk­ver­trä­gen ge­trof­fen

09.07.2014. (dpa) - Mit Lohn­stei­ge­run­gen und stren­gen Re­geln zum Ein­satz von Werk­ver­trags­fir­men ist der Ta­rif­streit in der nord­west­deut­schen Stahl­in­dus­trie bei­ge­legt wor­den.

Die rund 75 000 Be­schäf­tig­ten er­hal­ten ab Ju­li für die nächs­ten 17 Mo­na­te in zwei Schrit­ten mehr Geld.

In den ers­ten zehn Mo­na­ten gibt es 2,3 Pro­zent mehr, ab 1. Mai 2015 für sechs Mo­na­te noch ein­mal 1,7 Pro­zent.

Dar­auf ver­stän­dig­ten sich Ar­beit­ge­ber und IG Me­tall am Diens­tag­mor­gen nach rund 14-stün­di­gen Ver­hand­lun­gen in Gel­sen­kir­chen.

Erst­mals sei es der IG Me­tall ge­lun­gen, für ei­ne Schlüs­sel­bran­che ta­rif­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen zu so­ge­nann­ten Werk­ver­trä­gen zu ver­ein­ba­ren, sag­te der Zwei­te Vor­sit­zen­de der Ge­werk­schaft, Jörg Hof­mann. Nach An­ga­ben ei­ner Ge­werk­schafts­spre­che­rin wer­den da­mit Stan­dards für die Be­schäf­tig­ten mit Werk­ver­trä­gen et­wa zu Ent­loh­nung, Ar­beits­zei­ten und Si­cher­heit ver­bind­lich ge­re­gelt. Die Ver­ga­be von Ar­bei­ten an Su­b­un­ter­neh­men wer­de künf­tig durch den Be­triebs­rat ge­prüft. Bis­lang ha­be es der­ar­ti­ge Re­ge­lun­gen le­dig­lich in Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen ge­ge­ben, hieß es.

In Brüs­sel be­schloss der Ge­werk­schafts­vor­stand un­ter­des­sen ers­te For­de­run­gen für die Ver­hand­lun­gen in der mit 3,7 Mil­lio­nen Be­schäf­tig­ten weit grö­ße­ren Me­tall- und Elek­tro­bran­che. Zwei freie Jah­re mit über 80 Pro­zent Lohn­fort­zah­lung für ein Stu­di­um oder ei­nen hö­he­ren Be­rufs­ab­schluss: So könn­te bei­spiels­wei­se die Bil­dungs­teil­zeit aus­se­hen, die die IG Me­tall in der deut­schen Schlüs­sel­in­dus­trie durch­set­zen will. Nach dem Vor­bild der Al­ters­teil­zeit wür­den in dem Bei­spiel die Be­schäf­tig­ten zwei Jah­re in Voll­zeit vor­ar­bei­ten und auch in die­ser Zeit ge­rin­ge­re Be­zü­ge, aber kaum ge­min­der­te Ren­ten­bei­trä­ge er­hal­ten.

Vor al­lem An- und Un­ge­lern­te be­nö­tig­ten bes­se­re be­ruf­li­che Ent­wick­lungs­chan­cen, be­grün­de­te der Ge­werk­schafts­vor­stand sei­nen For­de­rungs­be­schluss. "Feh­len­de Zeit und feh­len­des Geld für be­ruf­li­che Ent­wick­lung sind die größ­ten Hemm­nis­se", sag­te der Zwei­te Vor­sit­zen­de Hof­mann. Auch die be­reits seit 2010 ta­rif­lich ver­an­ker­te Al­ters­teil­zeit muss nach der jüngs­ten Re­form der ge­setz­li­chen Ren­te neu ver­han­delt wer­den. Ei­ne Lohn­for­de­rung will die Ge­werk­schaft erst En­de No­vem­ber zum Ver­hand­lungs­start auf­stel­len.

Ar­beit­ge­ber-Chef Rai­ner Dul­ger si­gna­li­sier­te, dass auch Ge­samt­me­tall die Al­ters­teil­zeit er­hal­ten will. Sie müs­se aber ge­rech­ter ge­stal­tet wer­den, um die­je­ni­gen zu stüt­zen, die auf­grund von Be­las­tun­gen vor­zei­tig aus­schei­den müss­ten. Aus- und Wei­ter­bil­dung sei in den Be­trie­ben ge­leb­ter All­tag. "Mit ei­ner be­zu­schuss­ten Bil­dungs­teil­zeit wür­de letzt­end­lich der Schicht­ar­bei­ter dem In­ge­nieur das Mas­ter­stu­di­um be­zah­len - das wä­re un­ge­recht", sag­te Dul­ger in Ber­lin. Nach den Vor­stel­lun­gen der IG Me­tall soll­ten Äl­te­re we­ni­ger ar­bei­ten und Jün­ge­re auch we­ni­ger ar­bei­ten. "Ich fra­ge mich, wer die Ar­beit über­haupt noch ma­chen soll."

In der Stahl­bran­che ver­stän­dig­ten sich Ar­beit­ge­ber und Ge­werk­schaft nach et­li­chen Warn­streiks in der vier­ten Run­de dar­auf, dass die bis­he­ri­gen An­sprü­che aus der Al­ters­teil­zeit auch nach Ein­füh­rung der Ren­te mit 63 nach 45 Bei­trags­jah­ren er­hal­ten blei­ben. We­gen des neu­en Ge­set­zes hät­ten sonst zahl­rei­che Stahl­ar­bei­ter mit fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen rech­nen müs­sen. Dar­über hin­aus soll die un­be­fris­te­te Über­nah­me der Aus­zu­bil­den­den, die nun mo­nat­lich 36 Eu­ro mehr be­kom­men, bis 2018 ver­län­gert wer­den.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. November 2015

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