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Start-ups sind Licht­bli­cke - Aber kei­ne Grün­der­wel­le in Sicht

Fri­sche Ide­en für die deut­sche Wirt­schaft - die Start-up-Sze­ne in Deutsch­land ist nach ei­ner Eis­zeit wie­der auf­ge­lebt: Von ei­nem Grün­der-Boom kann aber wei­ter kei­ne Re­de sein. Wie passt das zu­sam­men?
Bildschirmarbeit War­um wer­den so we­nig neue Fir­men ge­grün­det?

02.02.2015. (dpa) - Sie brin­gen Schwung in die deut­sche Un­ter­neh­mens­land­schaft - aber bis­her nur ein biss­chen Schwung: Fin­di­ge Jung­un­ter­neh­mer set­zen mit ih­ren Ge­schäfts­ide­en auf Trends wie On­line­han­del und Smart­pho­ne-Spie­le und las­sen die Start-up-Sze­ne in Städ­ten wie Ber­lin, Ham­burg und Mün­chen auf­blü­hen.

Doch für ei­ne brei­te Grün­der­wel­le reicht das noch nicht - im Ge­gen­teil: Im ver­gan­ge­nen Jahr wur­den nach ers­ten Schät­zun­gen des Bon­ner In­sti­tuts für Mit­tel­stands­for­schung wie­der we­ni­ger Fir­men in Deutsch­land aus der Tau­fe ge­ho­ben - die Grün­der­flau­te ist al­so noch nicht zu En­de.

Die Grün­de da­für sind viel­fäl­tig: Man­geln­der Un­ter­neh­mer­geist und feh­len­der Mut, mit ei­ner Idee auch mal auf die Na­se zu fal­len, steu­er­recht­li­che Hür­den, aber auch die an­hal­tend gu­te La­ge am Ar­beits­markt - das al­les sorgt für we­nig Lust, aber auch für we­nig Druck, sich in die be­ruf­li­che Un­ab­hän­gig­keit zu be­ge­ben.

Weil Fach­kräf­te oh­ne­hin rar sind, wer­den gu­te Schul- und Hoch­schul­ab­sol­ven­ten schon früh von der Wirt­schaft um­wor­ben und brau­chen sich oft­mals kei­ne Ge­dan­ken über ein ei­ge­nes Un­ter­neh­men zu ma­chen. Und wer ei­nen Job hat in ei­ner zu­kunfts­träch­ti­gen Bran­che, der hat beim Chef gu­te Kar­ten, wenn er mehr Ge­halt oder fa­mi­li­en­freund­li­che­re Ar­beits­zei­ten aus­han­deln möch­te, sagt Marc Evers vom Deut­schen In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer­tag.

An­dre­as Bruck­schlögl ließ sich da­von nicht ab­hal­ten: Vor zwei­ein­halb Jah­ren grün­de­te er zu­sam­men mit drei Mit­strei­tern die Fir­ma On­Page.org. Die­se ent­wi­ckelt ei­ne Ana­ly­se-Soft­ware, die In­ter­net­auf­trit­te oder On­line-Shops auf Feh­ler­quel­len und Op­ti­mie­rungs­po­ten­zia­le durch­sucht und mitt­ler­wei­le knapp 30 Mit­ar­bei­ter zählt. Un­ter­neh­mer­geist hat der 25-Jäh­ri­ge schon als Schü­ler be­wie­sen, als er übers In­ter­net Ruck­sä­cke für das Ge­schäft sei­ner Mut­ter ver­kauf­te.

Spä­ter woll­te sich Bruck­schlögl dann gar nicht lan­ge mit ei­nem Stu­di­um auf­hal­ten: "Ich ha­be für mich per­sön­lich in der Theo­rie kei­nen Mehr­wert ge­se­hen, ich woll­te selbst et­was be­we­gen", sagt der Grün­der, der sich auch bei Po­li­ti­kern und Ma­na­gern für die In­ter­es­sen der Start-up-Sze­ne ein­setzt. Er sieht zwar po­si­tiv, dass vie­le Fir­men der "Old Eco­no­my" wie Bosch oder Sie­mens mitt­ler­wei­le Start-up-Pro­gram­me auf­le­gen - trotz­dem kom­me Deutsch­land längst noch nicht schnell ge­nug vor­an, um vor al­lem mit den USA Schritt hal­ten zu kön­nen, mahnt Bruck­schlögl.

Da­bei gibt es vie­le Chan­cen für in­no­va­ti­ve, jun­ge Un­ter­neh­men. Der On­line-Han­del et­wa dürf­te ein Wachs­tums­markt blei­ben, er­war­tet Start-up-Ex­per­te Alex­an­der Hü­s­ing. Aber auch elek­tro­ni­sche Lö­sun­gen für Ge­sund­heits- und Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen oder En­er­gie­ef­fi­zi­enz gel­ten als ge­fragt. Für die Sze­ne ins­ge­samt pro­gnos­ti­ziert Hü­s­ing ein lang­sa­mes, aber ste­ti­ges Wachs­tum in den kom­men­den Jah­ren. "Da­bei wird es viel mehr Start-ups ge­ben, die sich von vorn­her­ein in­ter­na­tio­nal auf­stel­len", sagt der Ex­per­te.

Das Ri­si­ko­ka­pi­tal da­für fließt in­zwi­schen mun­te­rer. "Die Fi­nan­zie­rungs­be­din­gun­gen für Start-ups ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich ver­bes­sert", sagt Hü­s­ing. "Es gibt mehr aus­län­di­sche Ka­pi­tal­ge­ber, die in deut­sche Start-ups in­ves­tie­ren, und es gibt auch mehr Geld für Start-ups, die schon äl­ter sind und dann meist grö­ße­re Sum­men, meist zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­be­trä­ge, be­nö­ti­gen."

Zu ähn­li­chen Er­geb­nis­sen kam auch ei­ne kürz­lich ver­öf­fent­lich­te Stu­die der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Ernst & Young: In­ner­halb von vier Jah­ren hat sich die Zahl der Ri­si­ko­ka­pi­tal-In­ves­ti­tio­nen in jun­ge Tech­no­lo­gie-Fir­men in Deutsch­land dem­nach fast ver­dop­pelt, und Ber­lin ist nach Lon­don eu­ro­pa­weit zum wich­tigs­ten Stand­ort für die di­gi­ta­le Grün­der­sze­ne und ih­re Geld­ge­ber ge­wor­den.

Auch DIHK-Ex­per­te Evers spricht an­ge­sichts die­ser Ent­wick­lun­gen von Licht­bli­cken. So lie­ßen sich bei den In­dus­trie- und Han­dels­kam­mern im ver­gan­ge­nen Jahr rund 1000 po­ten­zi­el­le Grün­der von IT-Start-ups be­ra­ten - dop­pelt so vie­le, wie noch 2006. Trotz­dem sei­en nur et­wa acht Pro­zent al­ler Grün­dun­gen tech­no­lo­gisch in­no­va­tiv, sagt Evers. "Das be­deu­tet Rang 14 in der Welt - da­mit kön­nen wir nicht zu­frie­den sein." Bei vie­len jun­gen Leu­ten ha­pe­re es zu­dem schon am öko­no­mi­schen Ba­sis­wis­sen, dies sei aber ei­ne wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für ei­ne ei­ge­ne Fir­ma. "Das Un­ter­neh­mer­tum muss noch ei­ne viel grö­ße­re Rol­le im Bil­dungs­sys­tem spie­len", for­dert Evers des­halb.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 10. Oktober 2016

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