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Sta­tis­tik: Frau­en ver­die­nen im Schnitt ein Fünf­tel we­ni­ger als Män­ner

Bis zum 20. März ar­bei­ten vie­le Frau­en in Deutsch­land sta­tis­tisch ge­se­hen um­sonst: Dies il­lus­triert, wie groß die Ver­dienst­un­ter­schie­de im Schnitt sind - trotz al­ler Be­stre­bun­gen zur Gleich­stel­lung. Mit ein Grund sind teil­wei­se höchst un­ter­schied­li­che Ar­beits­zei­ten
Was sind die Grün­de für die un­ter­schied­li­che Ent­loh­nung?

17.03.2015. (dpa) - Die Lohn­kluft zwi­schen Frau­en und Män­nern in Deutsch­land ist un­ver­än­dert groß - zu­min­dest im Schnitt.

Nach Be­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes ver­dien­ten Frau­en 2014 ein Fünf­tel (22 Pro­zent) we­ni­ger als Män­ner.

Mit 15,83 Eu­ro pro St­un­de lag ihr Brut­to­ver­dienst nach An­ga­ben der Wies­ba­de­ner Be­hör­de vom Mon­tag um fast fünf Eu­ro un­ter dem von Män­nern (20,20 Eu­ro).

Bun­des­frau­en­mi­nis­te­rin Ma­nue­la Schwe­sig (SPD) be­kräf­tig­te, es sei "an der Zeit, auch ge­setz­li­che Maß­nah­men zu er­grei­fen, um für mehr Lohn­ge­rech­tig­keit von Frau­en und Män­nern zu sor­gen". Nach ih­rem Wil­len soll ein "Ge­setz zur Ent­gelt­gleich­heit von Frau­en und Män­nern" noch in die­sem Jahr auf den Weg ge­bracht wer­den. Je­der Mit­ar­bei­ter soll das Recht be­kom­men, das Durch­schnitts­ge­halt von Kol­le­gen mit ver­gleich­ba­rer Tä­tig­keit zu er­fra­gen.

Doch es gibt auch Kri­tik an der Be­rech­nungs­me­tho­de des Bun­des­am­tes. Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Ge­samt­me­tall wen­det ein, die vor­ge­leg­te un­be­rei­nig­te Be­rech­nung sei "kein In­di­ka­tor für mög­li­che Dis­kri­mi­nie­rung, denn er ver­gleicht eben ge­ra­de nicht ver­gleich­ba­re Tä­tig­kei­ten mit­ein­an­der". Von den 22 Pro­zent Ver­dienst­un­ter­schied ent­fie­len 15 Punk­te auf das Be­rufs­wahl­ver­hal­ten und 5 Punk­te auf fa­mi­li­en­be­ding­te Aus­zei­ten.

Ähn­lich ar­gu­men­tiert das In­sti­tut der deut­schen Wirt­schaft (IW/Köln): "Die Vor­stel­lung, Frau­en wür­den sys­te­ma­tisch bei der Lohn­fin­dung ge­gen­über Män­nern be­nach­tei­ligt, ist ab­we­gig." Ta­rif­ver­trä­ge sei­en "grund­sätz­lich ge­schlechts­neu­tral".

Das Bun­des­amt führt als Haupt­grün­de für die un­ter­schied­li­che Ent­loh­nung an, Frau­en sei­en eher in schlech­ter be­zahl­ten Be­ru­fen tä­tig, näh­men häu­fi­ger Teil­zeit­jobs an und ar­bei­te­ten im Schnitt auf nied­ri­ge­ren Füh­rungs­stu­fen.

Nach ei­ner am Mon­tag ver­öf­fent­lich­ten Stu­die des In­sti­tuts Ar­beit und Qua­li­fi­ka­ti­on (IAQ) der Uni­ver­si­tät Duis­burg-Es­sen ar­bei­ten Frau­en in West­deutsch­land im Schnitt 10,6 St­un­den we­ni­ger in der Wo­che als ih­re männ­li­chen Kol­le­gen, im Os­ten be­trägt der Un­ter­schied 5,9 St­un­den. Zwar sei die Er­werbs­quo­te von Frau­en nach der Jahr­tau­send­wen­de deut­lich ge­stie­gen, er­klär­ten die For­scher. Doch die Un­ter­schie­de bei der Ar­beits­zeit zwi­schen den Ge­schlech­tern be­stün­den fort.

Al­ler­dings ver­die­nen Frau­en dem Bun­des­amt zu­fol­ge auch bei ähn­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­on und ähn­li­cher Tä­tig­keit im Schnitt sie­ben Pro­zent pro St­un­de we­ni­ger als männ­li­che Kol­le­gen.

In West­deutsch­land war der Ver­dienst­ab­stand zwi­schen den Ge­schlech­tern ("Gen­der Pay Gap") im ver­gan­ge­nen Jahr mit 23 Pro­zent ein­mal mehr deut­lich grö­ßer als im Os­ten (9 Pro­zent). Wäh­rend die Lohn­kluft im Wes­ten zu 2013 un­ver­än­dert blieb, wur­de sie im Os­ten um ei­nen Pro­zent­punkt grö­ßer. Seit 2009 wa­ren es gar drei Punk­te.

Das Bun­des­amt er­klär­te dies da­mit, dass die Ver­diens­te in der män­ner­do­mi­nier­ten In­dus­trie in Ost­deutsch­land von 2009 bis 2013 um 11,8 Pro­zent zu­leg­ten, wäh­rend es im Ge­sund­heits- und So­zi­al­we­sen, wo vie­le Frau­en ar­bei­ten, nur um 6,7 Pro­zent nach oben ging.

Das In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung (IAB/Nürn­berg) warn­te, die deut­sche Wirt­schaft müs­se sich spä­tes­tens bis zum Jahr 2020 auf ei­nen spür­ba­ren Fach­kräf­teen­g­pass ein­stel­len. Um die dro­hen­de Lü­cke zu ver­klei­nern, soll­te auch das Ar­beits­kräf­te­po­ten­zi­al bei Frau­en stär­ker aus­ge­schöpft wer­den. Da­zu müs­se al­ler­dings die Ver­ein­bar­keit von Be­ruf und Fa­mi­lie ver­bes­sert wer­den.

Der "Equal Pay Day" mar­kiert je­nen Tag, bis zu dem Frau­en über den Jah­res­wech­sel hin­aus ar­bei­ten müss­ten, um rech­ne­risch auf das durch­schnitt­li­che Jah­res­ge­halt männ­li­cher Be­schäf­tig­ter zu kom­men. In die­sem Jahr ist es der kom­men­de Frei­tag (20. März).

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 14. Juni 2016

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