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Wie­der kei­ne Stei­ge­rung der Re­al­löh­ne - Fis­kus pro­fi­tiert aber

Die Ta­rif­löh­ne stei­gen die­ses Jahr um fast drei Pro­zent: Doch bei den Men­schen kommt nur we­nig an. Die In­fla­ti­on zehrt das Lohn­plus wie­der auf. Al­lein der Staat pro­fi­tiert kräf­tig. Die De­bat­te über den Ab­bau "heim­li­cher Steu­er­er­hö­hun­gen" ge­winnt an Fahrt
Münzen, Münzhaufen Bei den Bür­gern kommt die Stei­ge­rung der Re­al­löh­ne nicht an

09.10.2013. (dpa) - Die deut­schen Ar­beit­neh­mer ha­ben trotz teils kräf­ti­ger Lohn­er­hö­hun­gen un­ter dem Strich nicht mehr Geld in der Ta­sche.

Die Re­al­löh­ne sind im zwei­ten Quar­tal die­ses Jah­res er­neut nicht ge­stie­gen, wie das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt am Diens­tag in Wies­ba­den be­rich­te­te.

Zwar nah­men die No­mi­nal­löh­ne ge­gen­über dem Vor­jah­res­zeit­raum um 1,5 Pro­zent zu.

Al­ler­dings klet­ter­ten im sel­ben Zeit­raum auch die Ver­brau­cher­prei­se ent­spre­chend stark, so dass das Lohn­plus kom­plett von der In­fla­ti­on auf­ge­zehrt wur­de.

Im ers­ten Quar­tal wa­ren die Re­al­löh­ne erst­mals seit 2009 so­gar um 0,1 Pro­zent ge­sun­ken, da die Prei­se stär­ker zu­ge­legt hat­ten. Pro­fi­tiert hat von dem Lohn­plus vor al­lem der Staat, der mehr Steu­ern ein­ge­stri­chen hat. Die ak­tu­el­len Zah­len wer­den die De­bat­te über Ent­las­tun­gen der Steu­er­zah­ler an­hei­zen. Da­zu soll das Pro­blem der "kal­ten Pro­gres­si­on" ge­mil­dert wer­den. Der Staat soll we­ni­ger an Geld­ent­wer­tung und "heim­li­cher Steu­er­er­hö­hung" ver­die­nen.

Hin­ter­grund ist, dass we­gen stei­gen­der Steu­er­sät­ze bei Lohn­zu­wäch­sen ganz nor­mal auch mehr Ein­kom­men­steu­ern an­fal­len. Zum Pro­blem wird dies, wenn die Lohn­zu­wäch­se brut­to le­dig­lich zu ei­nem Aus­gleich der Preis­stei­ge­rung füh­ren. Trotz In­fla­ti­ons­aus­gleichs sinkt die rea­le Kauf­kraft der Steu­er­zah­ler, der Fis­kus ver­dient trotz­dem. Ein Vor­stoß von Uni­on und FDP war zu­letzt am Wi­der­stand der Län­der auf­grund der Min­der­ein­nah­men ge­schei­tert.

Die Sta­tis­ti­ker füh­ren die Sta­gna­ti­on un­ter an­de­rem auf ge­stri­che­ne Son­der­zah­lun­gen zu­rück. Blie­ben sie un­be­rück­sich­tigt, wä­ren die Brut­to­ent­gel­te um 1,9 Pro­zent ge­klet­tert und hät­ten da­mit über der Preis­stei­ge­rung ge­le­gen. Stei­gen­de Re­al­löh­ne gel­ten als Stüt­ze für den pri­va­ten Kon­sum. Sie wa­ren in Deutsch­land nach ei­ner lan­gen Flau­te in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren mo­de­rat ge­stie­gen.

Im Schnitt ver­dien­te ein voll­zeit­be­schäf­tig­ter Ar­beit­neh­mer oh­ne Son­der­zah­lun­gen 3447 Eu­ro brut­to im Mo­nat. Die Span­ne reich­te von 2013 Eu­ro im Gast­ge­wer­be bis zu 4535 Eu­ro, die durch­schnitt­lich bei Ban­ken und Ver­si­che­run­gen ge­zahlt wur­den. Die höchs­ten Stei­ge­run­gen von 5,7 Pro­zent in­ner­halb der Jah­res­frist ver­buch­ten die ge­ring­fü­gig Be­schäf­tig­ten, was mit der zu Jah­res­be­ginn auf 450 Eu­ro an­ge­ho­be­nen Ver­dienst­gren­ze für Mi­ni-Job­ber zu tun ha­ben dürf­te. Die Voll­zeit­be­schäf­tig­ten be­ka­men no­mi­nal nur 1,2 Pro­zent mehr Geld.

Der Prä­si­dent des Steu­er­zah­ler­bun­des, Rei­ner Holz­na­gel, for­der­te in der "Bild"-Zei­tung (Diens­tag): "Die­se Steu­er­er­hö­hun­gen durch die Hin­ter­tür müs­sen end­lich ein En­de ha­ben. Die nächs­te Bun­des­re­gie­rung muss die­se Ge­rech­tig­keits­lü­cke schlie­ßen." Der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Uni­ons­frak­ti­on, Mi­cha­el Fuchs, sag­te, nach der Re­gie­rungs­bil­dung wer­de die Uni­on das The­ma zeit­nah an­pa­cken: "Wir wer­den den letz­ten Ent­wurf zum Ab­bau der kal­ten Pro­gres­si­on, der im Bun­des­rat ge­schei­tert ist, zü­gig wie­der her­vor­ho­len."

Das Auf­kom­men aus der Lohn- und Ein­kom­men­steu­er stieg für den Staat zwi­schen April und Ju­ni des Jah­res kräf­tig von rund 60,8 Mil­li­ar­den auf gut 97,1 Mil­li­ar­den Eu­ro. Für 2013 wur­de zu­letzt ein An­stieg auf fast 198 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­schätzt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 10. Februar 2015

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