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Das lang­sa­me Ster­ben des ehe­ma­li­gen Kir­chen­kon­zerns Welt­bild

Einst war Welt­bild das un­ter­neh­me­ri­sche Flagg­schiff der ka­tho­li­schen Kir­che: Das ist lan­ge her. Nach der Plei­te des Kon­zerns 2014 wur­de Welt­bild ver­klei­nert und teils zer­schla­gen - In­sol­venz­ma­na­ger ha­ben im Um­feld den­noch wei­ter gut zu tun
Fünf Arbeitnehmer Mit­ar­bei­ter von Welt­bild ban­gen um ih­re Jobs.

29.07.2015. (dpa) - Vor ei­nem Jahr ju­bel­ten die Welt­bild-Mit­ar­bei­ter noch über das Düs­sel­dor­fer Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men Dro­ege, das nach der Plei­te des Augs­bur­ger Kir­chen­kon­zerns die Mehr­heit über­nahm.

Das sieht in­zwi­schen an­ders aus.

Be­schäf­tig­te und die Ge­werk­schaft Ver­di wer­fen Kon­zern­chef Dro­ege nun vor, den Me­di­en­händ­ler ka­putt zu spa­ren und wirt­schaft­lich sinn­lo­se Mas­sen­ent­las­sun­gen zu for­dern: "Wal­ter Dro­ege hat die Ver­trä­ge, die im Rah­men des Be­triebs­über­gangs nach der In­sol­venz aus­ge­han­delt wur­den, nicht ein­ge­hal­ten", heißt es auf dem Welt­bild-Blog von Ver­di.

Am Diens­tag kam nun die nächs­te Hi­obs­bot­schaft: Dro­eges Schwei­zer Dienst­leis­tungs­toch­ter Al­so, die nach der In­sol­venz die Welt­bild-Lo­gis­tik über­nom­men hat­te, dreht den Geld­hahn zu. Der Al­so-Kon­zern ha­be ent­schie­den, bei der Augs­bur­ger Toch­ter "die wei­te­re Fi­nan­zie­rung des lau­fen­den Ge­schäf­tes ein­zu­stel­len".

Im ers­ten Halb­jahr ha­be die Toch­ter vier Mil­lio­nen Eu­ro Ver­lust ge­macht, hieß es. Fol­ge: Die Al­so Lo­gis­tics Ser­vices GmbH will nun ein In­sol­venz­ver­fah­ren in Ei­gen­ver­wal­tung be­an­tra­gen und dann ei­nen Sa­nie­rungs­kurs um­set­zen.

Rund 450 Mit­ar­bei­ter, na­he­zu die Hälf­te der ehe­ma­li­gen Welt­bild-Be­leg­schaft in Augs­burg, ban­gen nun wie­der um ih­re Jobs. "Wir sind in der­sel­ben Si­tua­ti­on wie letz­tes Jahr", mein­te Ver­di-Se­kre­tär Tho­mas Gür­le­beck. "Die Mit­ar­bei­ter zah­len jetzt die Ze­che für Dro­eges Kurs des Nich­t­um­satz­ma­chen­wol­lens." Das Pro­blem bei dem Lo­gis­ti­ker sei, dass man es nicht ge­schafft ha­be, ne­ben dem Pa­ket­ver­sand für Welt­bild wei­te­res Dritt­ge­schäft her­ein­zu­ho­len.

Einst war Welt­bild das un­ter­neh­me­ri­sche Flagg­schiff der ka­tho­li­schen Kir­che in Deutsch­land. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg wur­de das Un­ter­neh­men als christ­li­cher Ma­ga­zin- und Buch­ver­lag ge­grün­det. Ab den 1970er Jah­ren ent­stand dar­aus ein Ka­ta­log­ver­sand für Bü­cher.

Es folg­te die Er­öff­nung von Fi­lia­len und die Ex­pan­si­on nach Ös­ter­reich und in die Schweiz. Doch im In­ter­net-Zeit­al­ter konn­te sich Welt­bild nie rich­tig ge­gen den On­line-Gi­gan­ten Ama­zon be­haup­ten. An­fang 2014 schlit­ter­te das Mut­ter­haus in die Plei­te.

Seit­dem ver­lo­ren schon zahl­rei­che Mit­ar­bei­ter ih­re Jobs, und Buch­hand­lun­gen wur­den im gro­ßen Stil ge­schlos­sen oder ver­kauft. Er­geb­nis: Welt­bild schrumpf­te ein ums an­de­re Mal. Wo­hin die Rei­se geht, ist selbst für Ver­di-Mann Gür­le­beck un­klar. Er ver­mu­tet, Dro­ege wol­le letzt­lich ein schlan­kes Un­ter­neh­men mit nied­ri­gen Löh­nen.

Zu­letzt ver­han­del­te der Be­triebs­rat wie­der mit den Chefs der jet­zi­gen Welt­bild-Ge­sell­schaft und dem Lo­gis­ti­ker Al­so über ei­nen neu­en Stel­len­ab­bau. Da es kei­ne Ver­stän­di­gung gab, rich­te­te das Ar­beits­ge­richt ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le für bei­de Fir­men ein. Dort ste­hen nun wei­te­re 60 Jobs bei Welt­bild so­wie 150 bei Al­so im Feu­er. Wo­bei nach dem In­sol­venz­an­trag oh­ne­hin die Kar­ten neu ge­mischt wer­den dürf­ten.

So oder so rei­ßen für die Mit­ar­bei­ter des frü­he­ren Welt­bild-Kon­zerns die schlech­ten Nach­rich­ten nicht ab. Erst zum Jah­res­an­fang hat­te Welt­bild 67 nicht lu­kra­ti­ve Lä­den an ei­nen in der Bran­che fast völ­lig un­be­kann­ten In­ves­to­ren ver­kauft, der die Welt­bild-Lä­den als Buch­han­dels­ket­te "Le­sens­art" wei­ter­füh­ren woll­te. Die Bruch­lan­dung kam für das Un­ter­neh­men aus Ahaus in Nord­rhein-West­fa­len in der ver­gan­ge­nen Wo­che: Auch "Le­sens­art" ist plei­te und nun ein Fall für das In­sol­venz­ge­richt.

Aus Augs­burg er­hiel­ten die in der Re­pu­blik ver­streu­ten ehe­ma­li­gen Welt­bild-Mit­ar­bei­ter da kei­ne Un­ter­stüt­zung. Die Welt­bild-Füh­rung be­ton­te in ei­ner Er­klä­rung, dass man über­rascht und an­sons­ten selbst von der "Le­sens­art"-In­sol­venz nicht be­trof­fen sei - zeig­te dar­über hin­aus aber we­nig Ein­füh­lungs­ver­mö­gen mit den Be­schäf­tig­ten, die ein paar Mo­na­te zu­vor noch auf den Welt­bild-Ge­halts­zet­teln stan­den. Ähn­lich fiel auch die Er­klä­rung am Diens­tag bei der In­sol­venz des Lo­gis­ti­kers aus: Welt­bild und Al­so sei­en völ­lig "ge­trenn­te Un­ter­neh­men", sag­te Welt­bild-Chef Pa­trick Hof­mann le­dig­lich.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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