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Ge­spann­te Stim­mung bei Sie­mens vor dem IG-Me­tall-Ak­ti­ons­tag

Er wis­se nicht, in wel­cher Welt man­cher Ge­werk­schaf­ter ei­gent­lich le­be, sagt Sie­mens-Chef Ka­e­ser. "In un­se­rer je­den­falls nicht." Ge­meint hat er die IG Me­tall, die an­ge­sichts mas­si­ver Job­kür­zun­gen zu Pro­tes­ten am 9. Ju­ni auf­ruft: Al­le Har­mo­nie ist auf­ge­braucht
Arbeitnehmer Krawatte Mitte Was ist für den Ak­ti­ons­tag ge­plant?

08.06.2015. (dpa) - Die Stim­mung bei Sie­mens ist ge­reizt.

Wie­der geht es um Stel­len­ab­bau, wie­der gibt es Streit.

Und der Ton wird schär­fer.

Die IG Me­tall ruft am Diens­tag (9. Ju­ni) zum Ak­ti­ons­tag auf, ins­ge­samt wer­den et­wa 5000 De­mons­tran­ten er­war­tet.

Das Mot­to: "Stand­ort D stär­ken - Mar­gen­wahn stop­pen".

Die Ge­werk­schaft kämpft ge­gen die Strei­chung von wei­te­ren 2200 Stel­len in Deutsch­land.

Die meis­ten sol­len im schwä­cheln­den En­er­gie­ge­schäft weg­fal­len, be­son­ders be­trof­fen sind die Stand­or­te im nord­rhein-west­fä­li­schen Mül­heim so­wie in Ber­lin. Ins­ge­samt be­lau­fen sich die ge­plan­ten Kür­zun­gen bei Sie­mens auf rund 13 100 Ar­beits­plät­ze, 5100 da­von in Deutsch­land. Zu­letzt be­schäf­tig­te Sie­mens 342 000 Men­schen, 114 000 da­von in Deutsch­land.

Sie­mens-Chef Joe Ka­e­ser will sein Un­ter­neh­men, das schon län­ger Wett­be­wer­bern wie dem US-Erz­ri­va­len Ge­ne­ral Electric hin­ter­her­hinkt, pro­fi­ta­bler ma­chen. Sie­mens kämpft im Strom­er­zeu­gungs­ge­schäft mit ei­nem schwie­ri­gen Markt­um­feld, sin­ken­den Prei­sen und ei­ner Nach­fra­ge­flau­te bei gro­ßen Gas­tur­bi­nen. Ein Grund: Die En­er­gie­wen­de in Deutsch­land. Die ha­be Sie­mens hier die Ba­sis für das Ge­schäft ent­zo­gen, sag­te Ka­e­ser der Mit­ar­bei­ter­zei­tung "Sie­mens-Welt". Wäh­rend man in Deutsch­land zu Kür­zun­gen ge­zwun­gen sei, baue man in an­de­ren Be­rei­chen der Welt Jobs auf, auch im En­er­gie­ge­schäft. "Die­se Si­tua­ti­on zeigt, wie dra­ma­tisch sich un­se­re Märk­te ver­scho­ben ha­ben."

Die IG Me­tall sieht das frei­lich an­ders. "Pro­duk­ti­on an ver­meint­lich bil­li­ge­re Stand­or­te zu ver­la­gern oder ganz zu strei­chen, ist kein zu­kunfts­ori­en­tier­tes Kon­zept", heißt es im Auf­ruf zum Ak­ti­ons­tag. Der fin­det bun­des­weit statt, zen­tra­le Ak­tio­nen sind in Duis­burg, Nürn­berg und Ber­lin ge­plant. Die Stim­mung ist schlecht. Sie­mens hat et­li­che Um­bau­ten, Ver­käu­fe und Stel­le­strei­chun­gen hin­ter sich. Die Ver­un­si­che­rung sei groß, eben­so die Furcht vor wei­te­ren Ein­schnit­ten. "Ak­tu­ell nimmt die Be­dro­hungs­la­ge wie­der zu", sagt IG-Me­tall-Vor­stand und Sie­mens-Auf­sichts­rat Jür­gen Ker­ner in dem Auf­ruf.

Ge­werk­schafts­kol­le­gen wer­den teil­wei­se noch deut­li­cher, so deut­lich, dass auch Ka­e­ser das hört und - un­ge­wöhn­lich di­rekt - dar­auf ein­geht. "Ich ha­be da­von ge­hört und auch, dass sich der Stand­ort Mül­heim hier be­son­ders her­vor­tut, wo ein ein­zel­ner Ge­werk­schafts­funk­tio­när uns so­gar als welt­fremd be­zeich­net", sag­te Ka­e­ser der "Sie­mens-Welt". Er fra­ge sich an­ge­sichts der La­ge in wel­cher Welt sol­che Kol­le­gen leb­ten. "In un­se­rer je­den­falls nicht." Die IG Me­tall in NRW ist em­pört, die Stim­mung dürf­te kaum ver­söhn­li­cher ge­wor­den sein. Auch Ka­e­ser ist sau­er, schon frü­her soll sich der Kon­zern­boss be­klagt ha­ben, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­tre­ter im Auf­sichts­rat um die La­ge wüss­ten, aber aus Pro­fi­lie­rungs­grün­den drau­ßen zum Kampf rie­fen.

Die IG Me­tall wie­der­um wirft Ka­e­ser und der Kon­zern­füh­rung vor, nur mit Stel­len­strei­chun­gen zu ar­bei­ten. "Die wah­ren Pro­ble­me lie­gen an­ders­wo: Sie­mens muss nä­her an die Kun­den rü­cken, tech­no­lo­gisch auf­ho­len", heißt es bei der Ge­werk­schaft. Da wür­de Ka­e­ser si­cher nicht wi­der­spre­chen. Nä­her an den Kun­den heißt aber aus sei­ner Sicht auch nä­her an den Kun­den mit der Pro­duk­ti­on. "Das ist die bit­ters­te al­ler er­for­der­li­chen Maß­nah­men", sag­te Ka­e­ser. Dem en­er­gie­po­li­ti­schen Struk­tur­wan­del in Deutsch­land fie­len in der Spar­te Power Ge­ne­ra­ti­on 1600 Mit­ar­bei­ter zum Op­fer. "Ge­gen­läu­fig bau­en wir in den Län­dern, wo die Kun­den be­stel­len, auch über 1000 Mit­ar­bei­ter wie­der auf."

Und so dürf­te die jüngs­te Er­folgs­mel­dung von Sie­mens Ar­gu­men­te für bei­de Sei­ten lie­fern. Für rund acht Mil­li­ar­den Eu­ro be­stellt das um­strit­te­ne Re­gime in Kai­ro für den ste­tig wach­sen­den En­er­gie­be­darf Ägyp­tens Wind- und Gas­kraft­wer­ke bei den Münch­nern. Es ist der größ­te Ein­zel­auf­trag in der Ge­schich­te des Elek­tro­kon­zerns, al­lein 24 Gas­tur­bi­nen für die drei ge­plan­ten Kraft­wer­ke ste­hen auf dem Be­stell­schein - Tur­bi­nen, die Sie­mens hier­zu­lan­de nicht los­wird. Für die Fer­ti­gung der Ro­tor­blät­ter für die Wind­kraft­wer­ke wird Sie­mens in der Re­gi­on Ain Soukhna bis zu 1000 Jobs schaf­fen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 28. September 2016

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