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Streik bei der Luft­han­sa zeich­net sich seit lan­gem ab

Es geht um mehr als hö­he­ren Lohn
Fluggast und Pilot auf dem Rollfeld Bis­her kei­ne Ei­ni­gung in Sicht: die Pas­sa­gie­re der Luft­han­sa blei­ben am Bo­den
06.09.2012 (ots) - Das wa­ren noch Zei­ten, als die Luft­han­sa Kö­ni­gin im Luft­raum über Deutsch­land war und ih­re Ste­war­des­sen und Ste­wards zu den Bes­ser­ver­die­nern im Lan­de zähl­ten. Aus und vor­bei, seit Air Ber­lin sich zum ernst zu neh­men­den Kon­kur­ren­ten mit ver­gleich­ba­rem Ser­vice ge­mau­sert hat. Und Rya­n­air und Ea­sy­jet der Kra­nich-Air­line Kon­kur­renz ma­chen und bei Mi­ni-Ser­vice Bil­lig­ti­ckets ver­kau­fen.

Wie hart der Wett­be­werb auf den na­tio­na­len und eu­ro­päi­schen Stre­cken mitt­ler­wei­le ge­wor­den ist, be­kom­men in die­sen Ta­gen Zehn­tau­sen­de von ge­buch­ten Pas­sa­gie­ren zu spü­ren, die am Bo­den blei­ben. Wenn Ufo, die Ge­werk­schaft der Flug­be­glei­ter der Luft­han­sa, wahr­macht, wo­mit sie droht, dann kann mor­gen der Flug­ver­kehr in Deutsch­land so­gar weit­ge­hend zum Er­lie­gen kom­men.

In dem Ar­beits­kampf zwi­schen Ufo und Luft­han­sa ist die For­de­rung nach ei­ner Ge­halts­er­hö­hung um fünf Pro­zent eher zweit­ran­gig. Im Kern geht es - wie in vie­len an­de­ren Bran­chen auch - um die Sor­ge der Mit­ar­bei­ter, dass im­mer mehr Tei­le des Un­ter­neh­mens aus­ge­glie­dert und dann von ge­rin­ger be­zahl­tem Per­so­nal fort­ge­führt wird. Da­bei fürch­ten die Luft­han­sea­ten nicht al­lein "Leih­ar­bei­ter", son­dern selbst ir­gend­wann zu schlech­te­ren Kon­di­tio­nen aus­ge­glie­dert zu wer­den. Wie ver­ständ­lich und wahr­lich nicht un­be­rech­tigt die­se Sor­ge ist, be­stä­tigt die Luft­han­sa zu­min­dest in­di­rekt durch ei­nen ak­tu­el­len Test­ver­such. Für ih­re Flü­ge von und nach Ber­lin hat sie rund 230 Flug­be­glei­ter ei­ner Leih­ar­beits­fir­ma an­ge­heu­ert. Fol­ge des im­mer här­te­ren Kamp­fes um Pas­sa­gie­re samt sehr viel bil­li­ger ge­wor­de­nen Ti­ckets. Seit Lan­gem schreibt die Pre­mium­mar­ke Luft­han­sa im na­tio­na­len wie im eu­ro­päi­schen Ver­kehr ro­te Zah­len. Zu­gleich schrump­fen die Ge­win­ne auf den Lang­stre­cken an­ge­sichts ho­her Ke­ro­sin­kos­ten und der Kon­kur­renz staat­lich ge­för­der­ter Scheich-Air­lines.

So sieht sich die Luft­han­sa wohl be­grün­det ge­zwun­gen, ein Spar­pro­gramm durch­zu­zie­hen, will sie wett­be­werbs­fä­hig blei­ben. All das zeich­net sich seit Lan­gem ab. Und seit Län­ge­rem, näm­lich seit ei­nem Jahr, ver­han­deln Ufo und Luft­han­sa über ei­nen Kom­pro­miss. Da­bei ha­ben die Ver­hand­lungs­füh­rer der Air­line die Här­te und Ent­schlos­sen­heit ih­res Ge­gen­übers of­fen­kun­dig un­ter­schätzt. Die wie­der­um schei­nen von der Wir­kung ih­rer Kampf­maß­nah­men wie be­rauscht. Es wird höchs­te Zeit, dass bei­de Sei­ten zur Be­sin­nung kom­men. Um wei­te­ren Scha­den vom ge­mein­sa­men Un­ter­neh­men ab­zu­wen­den. Vor al­lem aber, um Zehn­tau­sen­de Pas­sa­gie­re nicht län­ger aus Ei­gen­in­ter­es­se in Gei­sel­haft zu neh­men. Der Kon­flikt be­stä­tigt im Üb­ri­gen ei­ne höchst be­denk­li­che Ent­wick­lung.

Was einst Eng­land an den Rand des wirt­schaft­li­chen Ru­ins führ­te, ist nun auch hier­zu­lan­de im­mer häu­fi­ger zu be­ob­ach­ten: Klei­ne Be­rufs­grup­pen las­sen ih­re Mus­keln spie­len, um ih­re Son­der­in­ter­es­sen durch­zu­set­zen. Dass sie da­bei wei­te Tei­le des Lan­des lahm­le­gen, ist wohl­kal­ku­liert. Die Lok­füh­rer ha­ben es vor­ge­macht, die Vor­feld­lot­sen am Frank­fur­ter Flug­ha­fen ver­sucht, die Flug­be­glei­ter zie­hen es ge­ra­de durch, und die Ärz­te dro­hen da­mit. Zu strei­ken ist ein Grund­recht; zu er­pres­sen nicht.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 30. September 2016

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