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Streik­ge­fahr bei Luft­han­sa schwin­det - Teil­ei­ni­gung mit Flug­be­glei­tern

Bei der streik­ge­plag­ten Luft­han­sa kehrt lang­sam Ru­he ein: Im Ta­rif­kon­flikt mit den Flug­be­glei­tern wur­de ei­ne wich­ti­ge Teil­ei­ni­gung er­zielt. Doch noch hat Sch­lich­ter Mat­thi­as Platz­eck ei­ni­ge Ar­beit vor sich
Was hat Platz­eck er­reicht?

23.01.2016. (dpa) - Pas­sa­gie­re der Luft­han­sa müs­sen in den kom­men­den Mo­na­ten kei­ne wei­te­ren Streiks der Flug­be­glei­ter mehr fürch­ten.

Noch vor dem of­fi­zi­el­len Be­ginn der Sch­lich­tung ei­nig­ten sich Un­ter­neh­men und die Ge­werk­schaft Ufo auf ei­nen Ta­rif­ver­trag zu Ge­halts­stei­ge­run­gen und auf Eck­punk­te zur Al­ters­ver­sor­gung des Ka­bi­nen­per­so­nals.

Dies teil­ten bei­de Sei­ten am Frei­tag in Frank­furt nach mehr­tä­gi­gen Sch­lich­tungs-Vor­ge­sprä­chen un­ter Vor­sitz des SPD-Po­li­ti­kers Mat­thi­as Platz­eck mit.

Noch of­fe­ne Spe­zi­al­fra­gen zur Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on der Flug­be­glei­ter sol­len in ei­ner Sch­lich­tung bis zum 30. Ju­ni 2016 un­ter Vor­sitz des frü­he­ren Mi­nis­ter­prä­si­den­ten von Bran­den­burg er­le­digt wer­den.

Hier­für wur­den die De­tails des Sch­lich­tungs­ver­fah­rens und wei­te­re Ver­hand­lungs­strän­ge fest­ge­legt. Auch un­ge­klär­te De­tails zu den Ren­ten könn­ten noch in die Sch­lich­tung ge­ge­ben wer­den. Bis En­de Ju­ni darf Ufo die rund 19.000 Flug­be­glei­ter we­gen der ver­ein­bar­ten Frie­dens­pflicht nicht zu Streiks auf­ru­fen.

"Wir freu­en uns sehr, dass wir die Sch­lich­tung be­gin­nen und an ei­nem ge­mein­sa­men Ziel ar­bei­ten. Das ist ein wich­ti­ges Si­gnal für un­se­re Mit­ar­bei­ter, Kun­den und Ak­tio­nä­re", er­klär­te Luft­han­sa- Per­so­nal­vor­stand Bet­ti­na Vol­kens. Nach dem Bo­den­per­so­nal ha­ben die Flug­be­glei­ter da­mit als zwei­te Be­rufs­grup­pe der Luft­han­sa die Um­stel­lung des Ren­ten­sys­tems auf fes­te Un­ter­neh­mens­bei­trä­ge ak­zep­tiert. Bis­lang hat Luft­han­sa die ab­so­lu­te Hö­he der Be­triebs­ren­ten ga­ran­tiert und da­mit auch das Zins­ri­si­ko über­nom­men. Da­für wa­ren in der Bi­lanz ho­he Rück­stel­lun­gen not­wen­dig, die das Ei­gen­ka­pi­tal be­las­te­ten.

Noch of­fen ist der Ta­rif­kon­flikt bei den Pi­lo­ten. Sie ha­ben be­reits 13 mal ge­streikt. Die Flug­be­glei­ter hat­ten im No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res sie­ben Ta­ge lang die Ar­beit nie­der­ge­legt und da­mit den här­tes­ten Streik in der Ge­schich­te der Luft­han­sa or­ga­ni­siert. Seit April 2014 ha­ben die bei­den Be­rufs­grup­pen dem Un­ter­neh­men ei­nen Scha­den von rund 500 Mil­lio­nen Eu­ro zu­ge­fügt.

Die Flug­be­glei­ter sol­len für das bei Luft­han­sa ge­schäft­lich sehr er­folg­rei­che Jahr 2015 ei­ne Ein­mal­zah­lung von 3000 Eu­ro er­hal­ten. Zu Be­ginn die­ses Jah­res greift ei­ne Stu­fen­er­hö­hung von 2,2 Pro­zent, wie bei­de Sei­ten mit­teil­ten. Die Lauf­zeit des Ge­halts­ta­rif­ver­tra­ges en­det am 30. Sep­tem­ber 2016, so dass ein neu­er Ab­schluss in der Sch­lich­tung gleich mit­be­ra­ten wer­den soll. Das Ver­fah­ren soll wie bis­lang mög­lichst ge­räusch­los ab­lau­fen, mach­te Sch­lich­ter Platz­eck klar: "Das Mot­to lau­tet: Sch­lich­ten und Schwei­gen."

Bei den Ren­ten­fra­gen sind noch ei­ni­ge De­tails of­fen, die mög­li­cher­wei­se in die Sch­lich­tung über­führt wer­den müs­sen. Soll­te hier kei­ne Ei­ni­gung er­zielt wer­den, wä­re da­her auch noch ein Schei­tern der Re­ge­lun­gen zu Über­gangs- und Be­triebs­ren­ten denk­bar. "Mit die­sem Ver­fah­ren ist es uns ge­lun­gen, al­le of­fe­nen Fra­ge­stel­lun­gen ei­nem Lö­sungs­me­cha­nis­mus zu­zu­füh­ren und den Mit­ar­bei­tern in die­ser Zeit aus­rei­chend Pla­nungs­si­cher­heit zu ge­ben", er­klär­te Ufo-Chef Ni­coley Baublies. Auf je­den Fall wer­den die Ufo-Mit­glie­der in ei­ner Ur­ab­stim­mung das end­gül­ti­ge Er­geb­nis be­wer­ten.

Die har­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen ha­ben auch ih­re Spu­ren im Be­triebs­kli­ma der Luft­han­sa hin­ter­las­sen. Das Ver­trau­en der Be­leg­schaft in die Füh­rung war im Herbst auf ei­nen Tief­punkt ge­sun­ken, wie aus ei­ner Luft­han­sa-in­ter­nen Um­fra­ge her­vor­geht, die dem Nach­rich­ten­ma­ga­zin "Der Spie­gel" vor­liegt. In der von den Streiks be­son­ders stark be­trof­fe­nen Pas­sa­gier­spar­te ga­ben nur knapp 30 Pro­zent der Be­frag­ten an, sich noch mit den Un­ter­neh­mens­zie­len iden­ti­fi­zie­ren. Nur fünf Pro­zent wa­ren der Mei­nung, dass Kon­zern­chef Cars­ten Sp­ohr und sei­ne Vor­stands­kol­le­gen ei­nen ehr­li­chen Um­gang mit den Mit­ar­bei­tern pfleg­ten.

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Letzte Überarbeitung: 1. September 2016

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