HENSCHE RECHTSANWÄLTE, FACHANWALTSKANZLEI FÜR ARBEITSRECHT

ARBEITSRECHT AKTUELL // 15/028

Streit um Ar­beits­schutz - Nah­les "sehr ver­är­gert" über Ar­beit­ge­ber

40 Jah­re alt wird die Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung zum Schutz der Be­schäf­tig­ten im März: Doch zum Ge­burts­tag kracht es. Ei­ne No­vel­le ent­zweit Ar­beit­ge­ber und Re­gie­rung - auch die Ko­ali­ti­on ist sich un­eins
AN unter Baggerschaufel Wel­che Än­de­rung der Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung soll es ge­ben?

27.01.2015. (dpa) - Kurz vor ge­plan­ten Neu­re­ge­lun­gen zum Ar­beits­schutz in Deutsch­land hat Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) Kri­tik der Wirt­schaft un­ge­wöhn­lich scharf zu­rück­ge­wie­sen.

"Über Ih­re Kri­tik und Ih­re Äu­ße­run­gen (...) bin ich sehr ver­är­gert", schrieb Nah­les an Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer.

Der Brief lag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin vor.

We­sent­li­che Sach­ver­hal­te des Ent­wurfs zur Än­de­rung der Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung wür­den falsch dar­ge­stellt.

Kra­mer wol­le die Po­li­tik des Bun­des­ar­beits­mi­nis­te­ri­ums in Miss­kre­dit brin­gen, so Nah­les. "Ich se­he dies als ei­nen An­griff auf mei­ne Per­son und die Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter mei­nes Mi­nis­te­ri­ums, die mit gro­ßem En­ga­ge­ment und ho­her Sach­kennt­nis tä­tig sind." Kra­mer hat­te un­ter an­de­rem ge­sagt: "Man glaubt, in Ab­sur­dis­tan zu sein." In­fol­ge hat­ten auch Uni­ons­po­li­ti­ker ge­gen die Plä­ne pro­tes­tiert.

Die Ver­ord­nung soll­te dem Ver­neh­men nach kom­men­de Wo­che ab­schlie­ßend das Ka­bi­nett pas­sie­ren. Am Mon­tag kün­dig­te CDU-Ge­ne­ral­se­kre­tär Pe­ter Tau­ber aber an, "dass (...) ei­ne Um­set­zung nur dann mög­lich sein wird, wenn das nicht zu ei­nem zu­sätz­li­chen bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand führt". Man sei im Ge­spräch.

Kra­mer hat­te Nah­les in ei­nem Schrei­ben ge­be­ten, dem Ent­wurf ih­res ei­ge­nen Hau­ses im Bun­des­ka­bi­nett nicht zu­zu­stim­men. Auch öf­fent­lich kri­ti­sier­te der Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent un­ter an­de­rem, Fir­men soll­ten Te­le­ar­beits­plät­ze bei Mit­ar­bei­tern zu Hau­se künf­tig kon­trol­lie­ren. Zu­dem soll­ten auch in Ar­chi­ven und an­de­ren we­nig ge­nutz­ten Räu­men al­le Vor­ga­ben zu Be­leuch­tung und Tem­pe­ra­tur gel­ten. Nicht er­kannt ha­be die Po­li­tik den bü­ro­kra­ti­schen Auf­wand hin­ter den harm­los klin­gen­den von Be­am­ten ge­mach­ten Pa­ra­gra­fen.

Nah­les wies die Kri­tik in ih­rem Vier-Sei­ten-Brief zu­rück. Die Än­de­run­gen wür­den seit 2012 dis­ku­tiert. Ein Ex­per­ten­gre­mi­um - der Aus­schuss für Ar­beits­stät­ten (AS­TA) - ha­be ent­schei­den­de Hin­wei­se ge­ge­ben. Kra­mers Ar­beit­ge­ber­ver­band BDA sei im AS­TA maß­geb­lich ver­tre­ten.

Auch in­halt­lich lässt Nah­les die Kri­tik nicht gel­ten. So ge­be es für Te­le­ar­beits­plät­ze schon Vor­schrif­ten ei­nes Ge­set­zes und ei­ner an­de­ren Ver­ord­nung. Die Neu­re­ge­lung ver­ein­fa­che die La­ge und be­rück­sich­ti­ge Ar­beit­ge­ber­in­ter­es­sen. An Kra­mer schrieb Nah­les, dass dies in sei­nem Haus wohl"«nicht rich­tig er­kannt und be­wer­tet" wur­de.

Der AS­TA-Vor­sit­zen­de Ernst-Fried­rich Pernack be­stä­tig­te Nah­les` Dar­stel­lung. Dem­nach wa­ren auch die nun ge­gen den Ent­wurf Sturm lau­fen­den Ar­beit­ge­ber an der Ver­ord­nung stets be­tei­ligt. Mas­si­ve Ab­leh­nung ha­be es in dem Gre­mi­um nie ge­ge­ben, sag­te Pernack der dpa. "Die neue Ar­beits­stät­ten­ver­ord­nung ent­hält grund­sätz­lich kei­ne neu­en An­for­de­run­gen. Dies gilt auch für Te­le­ar­beits­plät­ze."

Rück­halt für Nah­les kommt von der SPD im Bun­des­tag. "Wir hal­ten die Plä­ne für sinn­voll", sag­te SDP-Frak­ti­ons­vi­ze Ca­ro­la Rei­mann der dpa. Die CDU-Wirt­schafts­po­li­ti­ker Mi­cha­el Fuchs und Cars­ten Lin­ne­mann hat­ten die Plä­ne at­ta­ckiert. Die IG Me­tall poch­te auf die No­vel­lie­rung. "Ab­surd ist nicht die Ver­ord­nung. Ab­surd ist die rea­le Ar­beits­welt, in der die ein­fachs­ten Ar­beits­stan­dards oh­ne Vor­schrift nicht ein­ge­hal­ten wer­den", sag­te Vor­stands­mit­glied Hans-Jür­gen Ur­ban der dpa.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 27. Juli 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Sie möchten regelmäßig ausführliche, praxisnahe und verständliche Artikel zum Arbeitsrecht, Informationen zu Gesetzesänderungen und zu aktuellen Gerichtsurteilen erhalten? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!
NEWSLETTER
Anrede Vorname
Email Nachname
  Abmelden

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de