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15/091a Streit um Min­dest­lohn-Ge­setz - Än­de­run­gen bei Ar­beits­zeit-Re­geln?

Der Min­dest­lohn sorgt für Är­ger, et­wa beim Hand­werk: Mi­nis­te­rin Nah­les stemmt sich ge­gen Än­de­run­gen - doch bei wei­te­ren Re­ge­lun­gen zur Ar­beits­zeit könn­te sich et­was tun
Münzen, Münzhaufen Wird es Än­de­run­gen am Ge­setz ge­ben?

10.04.2015. (dpa) - Rund 100 Ta­ge nach dem Start des Min­dest­lohns in Deutsch­land spitzt sich der Streit um das Ge­setz zu.

Ar­beits­mi­nis­te­rin An­drea Nah­les (SPD) er­teil­te For­de­run­gen nach Än­de­run­gen am Don­ners­tag ei­ne Ab­sa­ge.

Aus der Wirt­schaft ka­men nach­drück­li­che Auf­for­de­run­gen zur Nach­bes­se­rung.

Der Par­la­ments­krei­ses Mit­tel­stand der Uni­ons-Frak­ti­on for­der­te Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) auf, "die Mi­nis­te­rin zu Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rungs­maß­nah­men an­zu­wei­sen".

An die­sem Frei­tag vor hun­dert Ta­gen wur­de die Lohn­un­ter­gren­ze von 8,50 Eu­ro ein­ge­führt. Am 23. April wol­len die Ko­ali­ti­ons­spit­zen mög­li­che Än­de­run­gen be­ra­ten. Nah­les si­cher­te - wie in der Ko­ali­ti­on ver­ab­re­det - ei­ne Be­stands­auf­nah­me zu. Der Min­dest­lohn ha­be kei­ne er­kenn­ba­ren Job­ver­lus­te oder spür­ba­ren Preis­stei­ge­run­gen ge­bracht. Vie­le Men­schen wür­den bes­ser­ge­stellt. Der Min­dest­lohn sei ein Er­folg.

Än­de­rungs­be­darf am Min­dest­l­ohn­ge­setz sieht Nah­les nicht. Dass der Ko­ali­ti­ons­aus­schuss sich mit ei­ner der größ­ten So­zi­al­re­for­men aus­ein­an­der­set­ze, fin­de sie gut. "Das heißt nicht, dass wir das Ge­setz in Fra­ge stel­len müs­sen." Sie zeig­te sich le­dig­lich mit Blick auf ein an­de­res Ge­setz, das Ar­beits­zeit­ge­setz, "ge­sprächs­be­reit" für pra­xis­nä­he­re Aus­ge­stal­tun­gen. Kon­kret wur­de sie da­bei nicht.

Die­ses Ge­setz sieht ei­ne Höchst­ar­beits­zeit von zehn St­un­den pro Tag vor - aus­nahms­wei­se von zwölf. Sol­che Aus­nah­men zu be­an­tra­gen, ist aber heu­te oft bü­ro­kra­tisch. Ex­per­ten hal­ten hier Ver­ein­fa­chun­gen für mög­lich. Ver­stö­ße wer­den heu­te zu­dem we­nig kon­trol­liert, zu­stän­dig sind Lan­des­be­hör­den. Das könn­te sich än­dern, weil we­gen des Min­dest­lohns künf­tig der Zoll den Ar­beit­ge­bern stär­ker auf die Fin­ger guckt.

Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer kri­ti­sier­te die Pflich­ten zur Auf­zeich­nung der Ar­beits­zeit. "Be­trie­be, die zum Bei­spiel viel hö­he­re Löh­ne als den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn zah­len, müs­sen voll­stän­dig von den bü­ro­kra­ti­schen Re­ge­lun­gen aus­ge­nom­men wer­den", sag­te Kra­mer der "Pas­sau­er Neu­en Pres­se" (Don­ners­tag). Der Ge­ne­ral­se­kre­tär des Zen­tral­ver­bands des Deut­schen Hand­werks, Hol­ger Schwan­ne­cke, sag­te der "Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung", die Do­ku­men­ta­ti­ons­pflicht zum Min­dest­lohn stel­le Zehn­tau­sen­de Fa­mi­li­en­be­trie­be un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht.

Nah­les ent­geg­ne­te, die­se Ver­pflich­tun­gen führ­ten nicht zu mons­trö­ser Bü­ro­kra­tie. Än­de­run­gen sei­en für sie hier kein The­ma. Rü­cken­de­ckung be­kam Nah­les von den Ge­werk­schaf­ten. "Die Pflicht zur Do­ku­men­ta­ti­on der Ar­beits­zeit ist un­ver­zicht­bar, um die Ein­hal­tung des Min­dest­loh­nes kon­trol­lie­ren zu kön­nen," sag­te Ver­di-Chef Frank Bsirs­ke der Deut­schen Pres­se-Agen­tur (dpa). Die Che­fin der Ge­werk­schaft Nah­rung-Ge­nuss-Gast­stät­ten (NGG), Mi­chae­la Ro­sen­ber­ger, sag­te der dpa, für die Kri­ti­ker schei­ne es "ei­ne neue Er­kennt­nis zu sein, dass man je­de ge­leis­te­te Ar­beits­stun­de zu be­zah­len und ent­spre­chen­de So­zi­al­ga­ben zu leis­ten hat".

Der Chef des CDU/CSU-Mit­tel­stands­krei­ses, Chris­ti­an von Stet­ten (CDU), for­der­te Mer­kel auf, Än­de­run­gen per Richt­li­ni­en­kom­pe­tenz durch­zu­set­zen. FDP-Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Ni­co­la Beer warf Nah­les schrof­fes Zu­rück­wei­sen al­ler Be­den­ken vor. Das ar­beit­ge­ber­na­he Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tut IW warn­te, der bis­her aus­ge­blie­be­ne Job­ab­bau durch den Min­dest­lohn kön­ne vor al­lem in Ost­deutsch­land noch kom­men. Lin­ke-Chef Bernd Ri­ex­in­ger sag­te, der Min­dest­lohn sei zu nied­rig und ha­be zu vie­le Aus­nah­men.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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