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Stu­die: Vie­len Schau­spie­lern und Mu­si­kern droht Al­ters­ar­mut

Die Ga­gen für Schau­spie­ler und Mu­si­ker sind oft er­schre­ckend nied­rig: Ei­ne Stu­die hat nun die pre­kä­re La­ge von Künst­lern un­ter die Lu­pe ge­nom­men. Ein Gü­te­sie­gel soll hel­fen, Miss­stän­de ab­zu­schaf­fen
Wie kann das Gü­te­sie­gel hel­fen?

21.05.2016. (dpa) - Vie­len Schau­spie­lern und Mu­si­kern droht we­gen nied­ri­ger Ga­gen und nur zeit­wei­ser En­ga­ge­ments Al­ters­ar­mut.

Das geht aus ei­ner Stu­die über ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen her­vor.

Vier von fünf Künst­lern se­hen dem­nach ih­re Ar­beit als zu schlecht ver­gü­tet an und be­fürch­ten Al­ters­ar­mut.

Mehr als zwei Drit­tel be­kla­gen, dass zum Bei­spiel Pro­ben nicht be­zahlt wür­den.

Die Stu­die auf Grund­la­ge von 22 Ex­per­ten­in­ter­views und ei­ner trotz ho­her Be­tei­li­gung als nicht re­prä­sen­ta­tiv gel­ten­den Um­fra­ge wur­de von der Künst­ler­initia­ti­ve "art but fair" er­stellt. Part­ner wa­ren die ge­werk­schafts­na­he Hans Böck­ler Stif­tung und die Kul­tur­po­li­ti­sche Ge­sell­schaft. Die 2013 von dem Ha­ge­ner Mu­si­cal-Pro­du­zen­ten Jo­han­nes Ma­ria Schatz ge­grün­de­te Initia­ti­ve "art but fair" kämpft für bes­se­re Löh­ne und Ar­beits­be­din­gun­gen in der Bran­che.

Je kurz­fris­ti­ger ein En­ga­ge­ment sei, um­so schlech­ter sei­en die Ar­beits­be­din­gun­gen und um­so nied­ri­ger die Ga­gen, sag­te "art but fair"-Grün­der Schatz am Don­ners­tag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Fest an­ge­stell­te Künst­ler sei­en von den Miss­stän­den da­ge­gen we­ni­ger be­trof­fen. Frau­en wür­den au­ßer­dem in der Thea­ter- und Mu­sik­thea­ter­bran­che schlech­ter als Män­ner in ver­gleich­ba­ren Po­si­tio­nen be­zahlt.

Um die Miss­stän­de ab­zu­schaf­fen, setzt die Initia­ti­ve nun auf ein Gü­te­sie­gel für fair ar­bei­ten­de In­sti­tu­tio­nen. "Das müss­te so et­was wie ein Kul­tur-TÜV sein", sag­te Schatz. Ver­ge­ben soll­te es ein un­ab­hän­gi­ges In­sti­tut. Die bis­he­ri­ge frei­wil­li­ge Selbst­ver­pflich­tung in der Bran­che ha­be da­ge­gen ih­re Zie­le nicht er­reicht. "Wir wer­den das Pro­jekt ein­stamp­fen", sag­te Schatz.

Im Jahr 2014 ver­dien­ten laut der Stu­die die bei der Künst­ler­so­zi­al­kas­se ver­si­cher­ten dar­stel­len­den Künst­ler durch­schnitt­lich knapp 15.000 Eu­ro brut­to im Jahr und Mu­si­ker knapp 13.000 Eu­ro. Das Durch­schnitts­ein­kom­men fest an­ge­stell­ter Künst­ler liegt mit knapp 35.000 Eu­ro deut­lich hö­her.

In der Um­fra­ge ga­ben 40 Pro­zent der Künst­ler ein durch­schnitt­li­ches Net­to-Ein­kom­men aus künst­le­ri­scher Tä­tig­keit von un­ter 10.000 Eu­ro im Jahr an. Bei gut ei­nem Drit­tel lag das Jah­res­ein­kom­men zwi­schen 10.000 und 20.000 Eu­ro. Al­ler­dings wür­den kei­ne An­ga­ben über mög­li­che Teil­zeit­ar­beit oder wei­te­re nicht-künst­le­ri­schen Ne­ben­ver­diens­te ge­macht, räu­men die Au­to­ren der Stu­die ein. Die Ex­per­ten­in­ter­views leg­ten je­doch na­he, dass künst­le­ri­sche Ar­beit oft un­fair ent­lohnt wer­de.

Auch fest an­ge­stell­te Künst­ler könn­ten we­gen nied­ri­ger Ein­kom­men das Pro­blem ha­ben, nur ge­rin­ge Ren­ten­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ein­zah­len zu kön­nen, hieß es wei­ter. Noch schwie­ri­ger sei die La­ge für Selbst­stän­di­ge und nur zeit­wei­se be­schäf­tig­te Künst­ler. Man­che Künst­ler­grup­pen wie et­wa Tän­zer müss­ten we­gen der ho­hen kör­per­li­chen Be­las­tun­gen au­ßer­dem frü­her aus dem Be­rufs­le­ben aus­schei­den.

Die Zahl der Künst­ler, die auf Ba­sis von Gast- oder Werk­ver­trä­gen an Thea­tern ar­bei­ten, hat sich laut Sta­tis­tik des Deut­schen Büh­nen­ver­eins in den ver­gan­ge­nen 20 Jah­ren von et­wa 8000 dras­tisch er­höht und lag 2013/14 bei mehr als 25.000. Die Zahl der fest an­ge­stell­ten Thea­ter­mit­ar­bei­ter - be­fris­tet und un­be­fris­tet - ist zu­letzt leicht auf gut 39.000 ge­stie­gen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 31. August 2016

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