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Stu­die: Lan­ge Ar­beits­lo­sig­keit trifft in Deutsch­land be­son­ders Äl­te­re

Eu­ro­pa er­holt sich von der Kri­se, doch Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit hält sich vor al­lem in Sü­d­eu­ro­pa hart­nä­ckig. Selbst in Deutsch­land, wo ein Job­re­kord den nächs­ten jagt, ist lan­ge Er­werbs­lo­sig­keit ein Pro­blem. Es trifft v.a. Äl­te­re und Ge­ring­qua­li­fi­zier­te
Mann in Geldbörse Was sind die Ur­sa­chen für Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit?

10.06.2016. (dpa) - Ob­wohl in Deutsch­land noch nie so we­ni­ge Men­schen oh­ne Ar­beit wa­ren, pro­fi­tie­ren Lang­zeit­ar­beits­lo­se ei­ner ak­tu­el­len Stu­die zu­fol­ge bis­lang we­nig von der gu­ten Wirt­schafts­la­ge.

Über­pro­por­tio­nal be­trof­fen sind dem­nach Äl­te­re und Ge­ring­qua­li­fi­zier­te, wie ei­ne am Frei­tag ver­öf­fent­lich­te Stu­die der Ber­tels­mann-Stif­tung zeigt.

Zwar sei der An­teil der lang­fris­tig Er­werbs­lo­sen im EU-wei­ten Ver­gleich nir­gend­wo so deut­lich ge­sun­ken wie in der Bun­des­re­pu­blik. Die Lang­zeit­ar­beits­lo­sen­quo­te sank dem­nach von 3,7 im Kri­sen­jahr 2008 auf 1,9 Pro­zent 2015.

Der Rück­gang der Quo­te sei je­doch seit 2012 le­dig­lich ins­ge­samt stei­gen­der Be­schäf­ti­gung in Deutsch­land ge­schul­det.

Tat­säch­lich hal­te sich Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit auch hier­zu­lan­de hart­nä­ckig, so die Ar­beits­markt­ex­per­ten: Mehr als 43 Pro­zent al­ler Ar­beits­lo­sen in Deutsch­land su­chen schon län­ger als ein Jahr nach ei­nem neu­en Job, knapp ein Drit­tel ist so­gar mehr als zwei Jah­re ar­beits­los.

Für die Stu­die ha­ben die Ex­per­ten Ar­beits­lo­sen­sta­tis­ti­ken der 28 Mit­glieds­staa­ten aus­ge­wer­tet, um mehr über Aus­maß und Ur­sa­chen her­aus­zu­fin­den. Dem­nach wa­ren 2015 EU-weit mehr als 10 Mil­lio­nen Men­schen län­ger als 12 Mo­na­te ar­beits­los. Das ent­spricht 4,3 Pro­zent al­ler Er­werbs­fä­hi­gen. Die Quo­te lag da­mit fast dop­pelt so hoch wie vor dem Aus­bruch der Wirt­schafts­kri­se im Jahr 2008.

Den höchs­ten An­teil an der Er­werbs­be­völ­ke­rung hat­ten Lang­zeit­ar­beits­lo­se 2015 in Grie­chen­land (17,7 Pro­zent), ge­folgt von Spa­ni­en (10,8 Pro­zent) und Kroa­ti­en (10,4 Pro­zent). Dass auch der seit ei­ni­gen Jah­ren ein­set­zen­de Auf­schwung für Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit kei­ne Bes­se­rung brach­te, liegt nach Ein­schät­zung der Au­to­ren auch am ge­ne­rel­len Wan­del in der Ar­beits­welt: Man­che Bran­chen, et­wa in In­dus­trie und Bau­sek­tor, traf die Kri­se mit be­son­de­rer Wucht. Den dort Ent­las­se­nen fal­le es mit ih­ren spe­zi­fi­schen Be­rufs­pro­fi­len oft schwer, in wach­sen­de Fel­der, wie et­wa den Ge­sund­heits­sek­tor zu wech­seln. Ein Trend zur Hö­her­qua­li­fi­ka­ti­on er­schwe­re die La­ge.

Das gilt be­son­ders für Deutsch­land, wo es be­son­ders Ge­ring­qua­li­fi­zier­te und Äl­te­re sind, die ein Jahr und län­ger in der Ar­beits­lo­sig­keit fest­ste­cken. So hat je­der drit­te Lang­zeit­ar­beits­lo­se kei­nen Be­rufs­ab­schluss. 26 Pro­zent sind äl­ter als 55 Jah­re, der EU-Schnitt liegt in die­ser Al­ters­grup­pe bei 13 Pro­zent.

Tors­ten Lietz­mann, Ex­per­te vom In­sti­tut für Ar­beits­markt und Be­rufs­for­schung in Nürn­berg, be­stä­tigt in wei­ten Tei­len das Er­geb­nis der Ber­tels­mann-Stu­die. Nach sei­nen In­for­ma­tio­nen passt es bei rund der Hälf­te der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen nicht bei der Qua­li­fi­ka­ti­on, bei der an­de­ren Hälf­te spie­len das Al­ter und ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me ei­ne Rol­le. "Ein wei­te­res Pro­blem ist aber auch, dass die Grup­pe der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen sehr he­te­ro­gen ist. Die Ar­beits­ver­mitt­ler müs­sen schon sehr ge­nau hin­schau­en, um für die sehr un­ter­schied­li­chen Fäl­le Lö­sun­gen an­bie­ten zu kön­nen", sag­te Lietz­mann. "Wer aber nur et­was län­ger als ein Jahr auf der Su­che ist, ist na­tür­lich noch viel nä­her dran am Ar­beits­markt als je­mand, der be­reits seit vier Jah­ren oh­ne Job ist."

"Job­ver­lust im Al­ter wird in Deutsch­land zu­neh­mend zu ei­ner Fal­le, aus der sich die Be­trof­fe­nen nicht be­frei­en kön­nen", sag­te Aart De Ge­us, Vor­stands­vor­sit­zen­der der Ber­tels­mann-Stif­tung. Für den schwer ver­mit­tel­ba­ren "har­ten Kern" der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen in Deutsch­land for­dern die Stu­di­en­au­to­ren mehr Mög­lich­kei­ten der öf­fent­lich ge­för­der­ten Be­schäf­ti­gung, um sie am Ar­beits­markt und so­mit auch so­zi­al teil­ha­ben zu las­sen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 29. Oktober 2016

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