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ARBEITSRECHT AKTUELL // 16/010

Stu­die: Vie­le Jün­ge­re sind nur be­fris­tet be­schäf­tigt

Be­fris­tung statt Si­cher­heit - vie­le jun­ge Be­schäf­tig­te sind von ei­nem re­gu­lä­ren Voll­zeit­job weit ent­fernt: Und auch bei der Be­zah­lung ha­pert es aus Sicht vie­ler Be­trof­fe­ner
Sanduhr mit rotem Sand Wie viel Ar­beit­neh­mer sind "aty­pisch" be­schäf­tigt?

09.01.2016. (dpa) - Mehr als je­der vier­te Be­schäf­tig­te un­ter 35 Jah­ren ar­bei­tet in Deutsch­land nicht in ei­nem re­gu­lä­ren Voll­zeit­job.

Laut ei­ner Um­fra­ge im Auf­trag des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des (DGB) sind es 27,9 Pro­zent, die "aty­pisch" be­schäf­tigt sind.

Ge­meint sind da­mit be­fris­te­te oder Teil­zeit-Jobs, Zeit­ar­beit oder Mi­ni­jobs.

Die Stu­die lag der Deut­schen Pres­se-Agen­tur in Ber­lin vor.

Bei den un­ter 25-Jäh­ri­gen sind so­gar 46,4 Pro­zent in aty­pi­scher Be­schäf­ti­gung. Ei­ne gro­ße Rol­le spie­len Be­fris­tun­gen: Sind bei den über 35-Jäh­ri­gen le­dig­lich 5 Pro­zent be­fris­tet an­ge­stellt, ist der An­teil bei den un­ter 35-Jäh­ri­gen mit 16,2 Pro­zent mehr als drei­mal so groß.

Fast zwei von drei jün­ge­ren Be­schäf­tig­ten füh­len sich nach ei­ge­ner Aus­sa­ge da­durch be­las­tet, dass sie ih­re spä­te­re Ren­te nicht oder nur ge­ra­de für aus­rei­chend hal­ten. Bei den über 35-Jäh­ri­gen sind es 53,2 Pro­zent. 35,7 Pro­zent der un­ter 35-Jäh­ri­gen füh­len sich be­las­tet, weil sie ihr Ein­kom­men nicht für an­ge­mes­sen hal­ten. Bei den äl­te­ren sind es 29,7 Pro­zent.

Rund 31 Pro­zent der jun­gen Be­schäf­tig­ten ha­ben der Er­he­bung zu­fol­ge ein mo­nat­li­ches Brut­to­ein­kom­men von we­ni­ger als 1500 Eu­ro. 30 Pro­zent ver­die­nen mehr als 2500 Eu­ro. Da­bei liegt das Ein­kom­mens­ni­veau in Ost­deutsch­land 17,2 Pro­zent un­ter dem in West­deutsch­land. Im Schnitt ha­ben un­ter 30-Jäh­ri­ge ein Ein­kom­men von 1855 Eu­ro - über 35 Jäh­ri­ge von 2717 Eu­ro.

Un­ter Ar­beits­stress und Zeit­druck lei­den jün­ge­re we­ni­ger als äl­te­re. Je­der drit­te un­ter 35 fühlt sich des­halb be­las­tet, bei den äl­te­ren sind es gut 41 Pro­zent. Da­bei ma­chen 61 Pro­zent der jun­gen Be­schäf­tig­ten re­gel­mä­ßig Über­stun­den.

Der DGB-Bun­des­ju­gend­se­kre­tär Flo­ri­an Hag­gen­mil­ler nann­te die Er­geb­nis­se alar­mie­rend. "Jun­ge Men­schen sind im Job enorm un­ter Druck", sag­te er der dpa. Wäh­rend die meis­ten Jün­ge­ren ei­nen si­che­ren Ar­beits­platz woll­ten, an dem sie sich selbst ein­brin­gen kön­nen, ar­bei­te­ten sie über­durch­schnitt­lich oft be­fris­tet.

"Über 65 Pro­zent sind in den letz­ten 12 Mo­na­ten krank zur Ar­beit ge­gan­gen", sag­te er zu­dem mit Be­zug auf wei­te­re Um­fra­ge­er­geb­nis­se. Vor al­lem im Ge­sund­heits­sek­tor und im Bau wer­de über Ar­beits­het­ze und Zeit­druck ge­klagt. "Alar­mie­rend sind die­se Wer­te auch des­halb, weil die Feh­ler­häu­fig­keit un­ter die­sen Be­din­gun­gen zu­nimmt."

Die Ar­beit­ge­ber war­fen dem DGB Ir­re­füh­rung vor. "Der An­teil be­fris­te­ter Be­schäf­ti­gun­gen liegt sta­bil zwi­schen acht und neun Pro­zent und hat im ver­gan­ge­nen Jahr­zehnt nicht zu­ge­nom­men", be­ton­te die Bun­des­ver­ei­ni­gung der Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de. Die Zahl der aus be­fris­te­ter Be­schäf­ti­gung über­nom­me­nen Ar­beit­neh­mer stei­ge kon­ti­nu­ier­lich. Be­fris­te­te Ar­beits­ver­trä­ge schaf­fen laut BDA wie et­wa auch Zeit­ar­beit Mög­lich­kei­ten ei­nes er­folg­rei­chen Ein­stiegs in Ar­beit. Die DGB-Stu­die ins­ge­samt sei in­ter­es­sen­ge­lei­tet.

Lin­ke-Chef Bernd Ri­ex­in­ger hin­ge­gen kri­ti­sier­te, jun­gen Men­schen wer­de es durch die vie­len Be­fris­tun­gen schwer ge­macht, ihr Le­ben zu pla­nen. "Wer ei­ne Fa­mi­lie will, muss sich da­für oh­ne ei­ne auch nur halb­wegs ge­si­cher­te Zu­kunfts­per­spek­ti­ve ent­schei­den."

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Letzte Überarbeitung: 12. April 2016

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